Das sagen Experten zu dem Fall

Taucherin: Ein Buckelwal rettete mein Leben vor einem Hai

Rettete ein Buckelwal einer Biologin das Leben? Walexperten sind sich uneins, wie dieser Vorfall zu bewerten ist. 

Avarua - Meeresbiologin Nan Hauser  ist bei einer Tauchexpedition vor den Cookinseln im Südpazifik eigenen Worten zufolge von einem Buckelwal vor einem Hai geschützt worden. Der mehr als 20 Tonnen schwere Wal sei auf sie zugeschwommen und habe sie für etwa zehneinhalb Minuten unter anderem auf seinen Kopf gesetzt, unter seine Brustflosse gesteckt und sie in die Höhe gehoben, berichtet Hauser in einem Video, das auf der Webseite des TV-Senders BBC zu sehen ist. In dem Moment habe sie nicht wahrgenommen, dass ein Tigerhai ganz in ihrer Nähe gewesen sei.

Auch auf ihrer Facebook-Seite berichtete Hauser von dem Vorfall: 

Walforscher sind uneins

Der deutsche Walforscher Michael Dähne schätzt ihre Schilderung teilweise als realistisch ein. „Dass ein Buckelwal mit Menschen interagiert, ist bereits häufiger beobachtet worden“, sagte der Kurator für Meeressäuger am Deutschen Meeresmuseum in Stralsund der Deutschen Presse-Agentur. Dass ein Buckelwal einen Menschen dabei aus dem Wasser hebt, sei schon etwas „sehr Spezielles“ und ihm so bislang nicht bekannt. Aus dem Video zu interpretieren, dass das Tier die Frau gezielt beschützt, bezeichnete Dähne als „schwierig“.

Für Nan Hauser, Leiterin des Center for Cetacean Research and Conservation und des Cook Islands Whale & Wildlife Centre, bestehen kaum Zweifel: Ihr Fall könne der erste bekannte sein, bei dem ein Buckelwal einen Menschen schützte, erklärt sie in dem Video. „Buckelwale sind so altruistisch“, begeistert sie sich. „Sie haben dieses unglaubliche Verhalten, dass sie sich in eine Situation stürzen und andere Arten retten.“

Auf absichtsvolles altruistisches - also selbstloses, uneigennütziges - Verhalten zu schließen, ist nach Ansicht von Dähne gewagt. Das Video zeige, dass die Interaktion vorrangig von der Taucherin ausgehe und nicht vom Wal.

So ein Tigerhai (Archivfoto) soll die Taucherin bedroht haben. 

„Wir können nicht in die Köpfe von Walen schauen“

Der Walforscher verwies auf Belege, in denen Wale bereits vermeintlich altruistisches Verhalten zeigten. So gebe es Berichte, dass eine Gruppe von Schwertwalen einen schwachen Artgenossen in ihrer Gruppe beschützt und auch gefüttert habe. Ähnliche Belege gebe es auch bei Buckelwalen, die Robben oder Mondfische vor Schwertwalangriffen oder auch mal ein Grauwalbaby schützen. Ob dieses Verhalten aber vollkommen uneigennützig ist, wisse man nicht. „Wir können nicht in die Köpfe von Walen schauen.“ Dass ein Landsäugetier von einem Buckelwal „beschützt“ wurde, sei bislang nicht bekannt.

mag/dpa

Rubriklistenbild: © Facebook/Nan Dae schler Hauser

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