Studie: Soziale Herkunft prägt Schulerfolg

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Die Chancengerechtigkeit in den deutschen Schulsystemen macht nur langsame Fortschritte. Foto: Daniel Bockwoldt/Illustration

Berlin (dpa) - Die Chancengerechtigkeit im deutschen Schulsystem ist immer noch mangelhaft. Trotz Verbesserungen in den vergangenen Jahren ist der Bildungserfolg eines jungen Menschen weiterhin stark abhängig von seiner sozialen Herkunft.

Dies zeigt der heute veröffentliche neue "Chancenspiegel" der Bertelsmann-Stiftung. Neuntklässler aus höheren Sozialschichten haben zum Beispiel in Mathematik einen Wissensvorsprung von bis zu zwei Jahren gegenüber ihren Klassenkameraden aus bildungsfernen Familien.

Wissenschaftler der Universitäten in Dortmund und Jena analysieren jährlich für die Stiftung, wie gerecht und leistungsstark das jeweilige Schulsystem der einzelnen 16 Länder ist. Als positiv stellt die Studie heraus, dass die Zahl der jungen Menschen, die die Schule ohne Abschluss verlassen, bundesweit zurückgegangen ist und zwar von 6,9 Prozent (2009) auf 6 Prozent (2012). Zugleich ist der Anteil derjenigen Jugendlichen gestiegen, die das Abitur oder die Fachhochschulreife erwerben und damit studieren können. Zwischen 2009 und 2012 stieg dieser Anteil von 46,7 auf 54,9 Prozent.

Der Chancenspiegel zeigt erneut große Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern. Allerdings sei kein Land in allen Bereichen "Spitze oder Schlusslicht", heißt es darin. Erstmals haben die Forscher zudem Unterschiede innerhalb der einzelnen Länder untersucht und damit auch ein erhebliches Gefälle zwischen bestimmten Regionen und zwischen Stadt und Land festgestellt. Analysiert wurden von den Wissenschaftlern die "Integrationskraft" der Schulen, die "Durchlässigkeit" zwischen den einzelnen Schulformen, die "Kompetenzförderung" und die "Zertifikatsvergabe".

Nur mühsam kommt nach der Studie der Stiftung der Ausbau der Ganztagsschule voran. 2012 besuchten 32,3 Prozent der Schüler eine Schule mit Nachmittagsangeboten (2011: 30,6 Prozent). "Der insgesamt langsame Ausbau deckt bei weitem nicht die Nachfrage der Eltern", sagte Stiftungsvorstand Jörg Dräger. Nach Angaben der Forscher wünschen sich 70 Prozent der Eltern ein solches Angebot.

Nur 14,4 Prozent der Schüler besuchen Ganztagsschulen, in denen der Schulunterricht über den gesamten Tag gemeinsam im Klassenverband erteilt wird. Gerade diese Schulform mit verpflichtendem Ganztagsunterricht biete jedoch gute Rahmenbedingungen, alle Schüler individuell und optimal zu fördern. Dräger forderte einen erheblich schnelleren Ausbau der Ganztagsschulen.

Als Beispiel für die großen Bildungsunterschiede innerhalb einzelner Bundesländer verweisen die Forscher unter anderem auf Bayern, wo landesweit nur 4,9 Prozent der Jugendlichen die Schule ohne Abschluss verlassen. Regional schwankt dieser Anteil aber zwischen 0,7 Prozent und 12,3 Prozent. Mit entscheidend sei dabei auch das jeweilige Schulangebot vor Ort. In Sachsen erwerben zum Beispiel 44,7 Prozent der Schüler eine Hochschulreife. Die Spannbreite in den Kommunen liegt dabei zwischen 32 und 63 Prozent.

Der Schulforscher Wilfried Bos forderte eine bessere regionale Schulentwicklung. "So kann der Entstehung von Ungleichheit begegnet werden, unabhängig von den kommunalen Finanzlagen", sagte Bos.

Chancenspiegel 2014

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