Stierhatz: Tödlicher Leichtsinn in Pamplona

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Bei der Stierhatz in Pamplona wurde ein Teilnehmer tödlich verletzt.

Pamplona - Bei der Stierhatz im nordspanischen Pamplona wurde am Freitag erstmals seit 2003 ein Teilnehmer von den Stieren tödlich verletzt:  Ein Horn durchtrennte die Halsschlagader eines 27-Jährigen.

Nur wenige Sekunden haben Daniel Jimeno gefehlt, um zu überleben. Als der Stier “Capuccino“ am Freitag bei der Stierhatz in Pamplona auf ihn losging, lag der 27-jährige Spanier nahe dem Rathausplatz auf dem Boden und versuchte in Todesangst, unter der hölzernen Absperrung hindurchzukriechen, um sich in Sicherheit zu bringen. Vergeblich: Der 520 Kilogramm schwere Koloss stieß mit voller Wucht zu.

Eines seiner Hörner durchtrennte die Halsschlagader des jungen Touristen und bohrte sich bis in die Lunge. Vor den Augen bestürzter Schaulustiger versuchten Sanitäter verzweifelt, die Blutung zu stillen. Er kam noch lebend ins Krankenhaus, doch auch eine Notoperation konnte ihn nicht mehr retten. Jimeno ist das erste Todesopfer der Stierhatz (“encierro“) seit sechs Jahren und das 15. seit 1924. Dass in Pamplona nicht noch mehr Menschen ihr Leben gelassen haben, grenzt an ein Wunder. Denn seitdem Ernest Hemingway die Hatz 1926 mit seinen Roman “Fiesta“ weltbekannt machte, ist sie zu einem immer gefährlicheren Massenspektakel geworden.

Die Stierhatz in Pamplona

Große Stierhatz in Pamplona

Der US-Autor selbst ist nie mitgelaufen. Heute aber begeben sich vor allem unerfahrene Touristen auf der Suche nach dem “ultimativen Adrenalinkick“ in Pamplona in Lebensgefahr - nicht selten nach einer durchzechten Nacht. “Patas“ (Trottel) werden diese Möchtegern-Toreros von den Einheimischen genannt.

Dass oftmals Leichtsinn und Unkenntnis im Spiel sind, wissen erfahrene Läufer wie Roberto Sanz. “Dort, wo der junge Mann starb, hätte eigentlich niemand stehen dürfen“, sagte er. Die Stelle befindet sich in einer Kurve, in der die Stiere oftmals ausscheren und gegen die Absperrungen krachen.

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Doch ausgerechnet dort verfolgten zahlreiche Menschen die Hatz. “Sie hätten hinter der Palisade stehen müssen, nicht davor“, sagte José Aldaba von der Einsatzleitung des Roten Kreuzes der dpa. Doch auch sonst geschah am Freitag , was die Retter am meisten fürchten: “Capuccino“ löste sich von der Herde und wurde von einigen Teilnehmern am Schwanz gepackt oder geschlagen. “Citar al toro“ (den Stier reizen) heißt diese verbotene und bei den Profi-Läufern verachtete Praxis. Die Möchtegern-Toreros provozieren damit, dass die Stiere gezielt auf einzelne Teilnehmer losgehen. So wie auch am Freitag. Bei Exemplaren wie “Capuccino“, der aus der als besonders aggressiv berüchtigten Züchterei Jandilla kommt, kann dies schwere Folgen haben. Die Bilanz am Freitag: Ein Toter, 76 Verletzte, davon drei durch Hornstöße

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