Erste Zweifel an Unfallhergang

Spannung vor Endphase der Bergung: "Gehen nicht ohne Julen"

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Mit einem Autokran werden Rohre verladen: Zwei neue Tunnel sollen direkt an das Ende des Brunnenschachts führen, wo der Kleine vermutet wird. Foto: Lorenzo Carnero/ZUMA Wire

Elf Tage nach dem Sturz des kleinen Julen in einen Brunnenschacht in Andalusien schaut ganz Spanien weiter gebannt auf Bergungsarbeiten. Bergleute sollen sich zu der Stelle vorarbeiten, an dem der Kleine vermutet wird. Aber es gibt auch Zweifel. Werden sie ihn dort finden?

Málaga (dpa) - Die Bergungsaktion des kleinen Julen aus einem tiefen Brunnenschacht in Südspanien geht in seine entscheidende Phase. Ein achtköpfiges Team von Bergarbeitern wartete am Donnerstag auf seinen Einsatzbeginn.

Die Männer sollen vom Grund eines in den vergangenen Tagen gebohrten Parallelschachts einen waagerechten Tunnel zu der Stelle graben, an der der Zweijährige vermutet wird.

Wegen der extrem schwierigen Umstände sollten die Spezialisten aber erst dann mit einer Art Kapsel in das Rettungsloch herabgelassen werden, wenn auch die kleinsten Details der Aktion und alle Sicherheitsfragen geklärt seien, berichteten spanische Medien unter Berufung auf die Einsatzkräfte im andalusischen Totalán.

Die Kumpel sollten sich jeweils in Zweierteams für etwa 30 Minuten unter anderem mit Spitzhacken und Presslufthämmern vorarbeiten und dann abgelöst werden. Sie würden mit Sauerstoffmasken ausgerüstet und telefonisch mit den Kollegen außen in Kontakt bleiben. Die Bedingungen seien extrem, wegen der Enge könnten die Männer nur knieend oder liegend graben, hieß es.

Das Kind soll am 13. Januar bei einem Ausflug mit seinen Eltern in den 107 Meter tiefen, illegal gegrabenen Schacht gefallen sein. Weil das Loch nur einen Durchmesser von 25 bis 30 Zentimetern hat, hatten die Retter entschieden, einen parallelen Schacht auszuheben, um zu Julen vorzudringen. Er wird in einer Tiefe von 70 bis 80 Metern vermutet.

Allerdings gibt es schon seit elf Tagen überhaupt kein Lebenszeichen von Julen. Kein Wunder, dass in Kneipen, Cafés und Büros im ganzen Land immer wieder in die Runde gefragt wird: "Und wenn der Kleine nicht im Loch ist?". Es sind vorwiegend Laien, die Zweifel äußern. Aber nicht nur. "Ich halte es für nahezu unmöglich, dass der Junge in diesem Schacht drin ist", sagte in verschiedenen TV-Sendungen Luis Avial von der Geophysik-Firma Falcon High Tech. Normal wäre es gewesen, dass das Kind in dem winzigen Schacht ziemlich weit oben steckengeblieben wäre, ist Avial überzeugt.

"Das Kind hatte eine Winterjacke an, die Wände des Schachts sind nicht glatt, es gibt Wurzeln, Unebenheiten, das ist schon sehr komisch", meinte Avial. Auch der erfahrene Schachtbauer Francisco Barranquero hegt große Zweifel. "Ist es möglich, dass ein Kind da nicht steckenbleibt und bis ganz unten durchrutscht? Ich sage Dir, das ist sehr unwahrscheinlich", sagte er einem Journalisten der Onlinezeitung "El Español".

Diejenigen aber, die an der Suche beteiligt sind, wollen keine Diskussion aufkommen lassen. Die Vizedelegierte der Madrider Zentralregierung in Andalusien, María Gámez, sagte mehrfach unter Berufung auf die verschiedenen Experten am Cerro de La Corona, man habe "Gewissheit", dass Julen unten im Loch sei. "Ich bin mir sicher, dass wir von hier nicht ohne Julen weggehen werden", betonte sie.

Zunächst hatte man sich auf die die Aussagen des Vaters und einer Tante verlassen müssen, die nach eigenen Angaben gesehen haben, wie das Kind ins Loch fiel. Die Retter fanden im Schacht aber bald eine Tüte mit Süßigkeiten, die Julen bei sich gehabt hatte, und wenig später auch Haare des Jungen.

"Ich habe mich auf die Öffnung gestürzt und er war nicht mehr da. Ich habe ihn weinen hören, aber bald habe ich ihn nicht mehr gehört", sagte Vater José, ein arbeitsloser Marktverkäufer, vor Journalisten weinend. Im Interview der Zeitung "Diario Sur" beteuerte er: "Mein Sohn ist da (im Loch), das soll niemand anzweifeln."

El-País-Bericht

Bericht Canal Sur

La Vanguardia zu den Rettungsarbeiten

Bericht spanisches Fernsehen

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