Schwierige Zeiten für angehende UNESCO-Chefin

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Irina Bokowa wird neue Chefin der UNESCO.

Paris/Kairo - Der UNESCO drohen nach der Nominierung der Bulgarin Irina Bokowa zur neuen Generaldirektorin schwierige Zeiten. Auch ein Ägypter wollte Direktor werden.

Der erbitterte Machtkampf um die Nachfolge des Japaners Koichiro Matsuura hat die internationale Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur mit 193 Mitgliedstaaten tief gespalten. Anhänger des lange als Favorit gehandelten Ägypters Faruk Husni werfen jüdischen Lobby-Gruppen und dem Westen eine Hetzkampagne gegen ihren Kandidaten vor.

Husni sagte am Mittwoch nach seiner Rückkehr am Flughafen Kairo: “Was geschehen ist, zeigt, wer die wahren Freunde Ägyptens sind...es war ein Nord-Süd-Konflikt und der Norden hat leider gesiegt.“ Obwohl er bei der ersten Abstimmung die meisten Stimmen erhalten habe, sei er unterlegen, “denn dann begann das Spiel der Juden in Amerika und anderen größeren Staaten“. Der islamische Religionsgelehrte Abdelmoati Bajumi nannte die Entscheidung in Kairo einen Sieg Israels über die arabische Kultur. Dem ägyptischen Kulturminister Husni waren israelfeindliche Äußerungen vorgeworfen worden.

Die Bundesregierung begrüßt die Entscheidung

Die Bundesregierung begrüßte hingegen die Entscheidung und zeigte sich zuversichtlich, dass die 57-jährige Bokowa den Reformprozess der UN -Organisation energisch fortführen und das Erscheinungsbild der UNESCO modernisieren werde. Die Bulgarin, die die erste Frau auf diesem Posten wäre, versprach tiefgreifende Reformen und reichte den Unterstützern Husnis symbolisch die Hand. “Ich bin eine Freundin der arabischen Welt und aller anderen Regionen. Die UNESCO ist eine universelle Organisation mit universellen Zielen, und ich werde alles tun, um meine arabischen Freunde davon zu überzeugen“, sagte sie am Mittwoch. Husni war unter den ersten Gratulanten.

Der Exekutivrat der UNESCO hatte Bokowa am Dienstagabend nach einem tagelangen diplomatischen Nervenkrieg als Nachfolgerin des Japaners Matsuura nominiert. Sie setzte sich in einer geheimen Stichwahl mit 31 zu 27 Stimmen gegen Husni durch. Menschenrechtsorganisationen, Intellektuelle und Politiker hatten dazu aufgerufen, den Ägypter wegen seiner israelfeindlichen Äußerungen nicht zu wählen. Er soll unter anderem am Rande einer Parlamentssitzung gesagt haben, er werde persönlich Bücher verbrennen, die den Islam oder Ägypten beleidigen, wenn es solche in der berühmten Bibliothek von Alexandria gäbe. “Die UNESCO ist dem Skandal entkommen“, urteilte der Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel, der gemeinsam mit anderen jüdischen Intellektuellen gegen die Kandidatur des Ägypters protestiert hatte.

Spekulationen über den Sieg der Bulgarin

Der Botschafter der Arabischen Liga in Paris hingegen vermutete politische Machenschaften hinter dem Sieg der Bulgarin. “Einige haben eben nicht gewollt, dass es einen arabischen Kandidaten an der Spitze der Organisation gibt.“ Der ägyptische Romanautor Essat al-Kamhawi erklärte dagegen, mit dem 71-Jährigen habe Ägypten einen zu schwachen Kandidaten ins Rennen geschickt. Für die Kulturschaffenden in Ägypten sei seine Niederlage in Paris trotzdem bedauerlich. “Wir hatten gehofft, dass wir ihn auf diese Art und Weise loswerden könnten, doch jetzt sieht es bedauerlicherweise so aus, dass er ins Ministerium zurückkehren wird“, sagte er. Husni habe mehrfach kritische Bücher aus Buchhandlungen entfernen lassen. Außerdem trage er Mitverantwortung für die unter seinen Mitarbeitern grassierende Korruption. Die Wahl der mehrsprachigen Diplomatin muss noch von der Generalkonferenz am 15. Oktober bestätigt werden.

Die Abstimmungen dort waren in der Vergangenheit allerdings nur Formsache. Matsuuras Amtszeit als Generaldirektor endet im November nach zehn Jahren. Deutschland hatte keinen eigenen Kandidaten im Rennen. Neben Husni und Bokowa hatten auch die österreichische EU -Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner und der russische Vize-Außenminister Alexander Jakowenko kandidiert. Weitere Bewerber kamen aus Tansania, Litauen, Algerien, Ecuador und Benin. Die 1945 in London gegründete UNESCO ist in der breiten Öffentlichkeit vor allem für ihre Welterbeliste bekannt. Die mehr als 2000 Mitarbeiter in der Pariser Zentrale und den 58 Außenbüros kümmern sich aber auch um Bildungsprojekte in Entwicklungsländern, den Schutz von Ökosystemen oder Wissenschaftsprogramme. Deutschland ist seit 1951 Mitglied und nach den USA und Japan drittgrößter Beitragszahler.

dpa

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