Schuldspruch im Mumbai-Prozess

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Das Strafmaß für den Pakistaner Ajmal Kasab - lebenslange Haft oder Todesstrafe - soll in den kommenden Tagen verkündet werden.

Neu Delhi - Knapp eineinhalb Jahre nach der Terrorserie von Mumbai hat ein Sondergericht den einzigen überlebenden Angreifer in allen 86 Anklagepunkten schuldig gesprochen.

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Das Strafmaß für den Pakistaner Ajmal Kasab - lebenslange Haft oder Todesstrafe - soll in den kommenden Tagen verkündet werden. Die indische Regierung wertete das Urteil vom Montag als “Signal an Pakistan“. Kasab wurde vorgeworfen, Ende November 2008 zusammen mit neun weiteren Kämpfern der radikal-islamischen Terrorgruppe Lashkar-e- Taiba (LeT) in Luxushotels und anderen Gebäuden in Mumbai 166 Menschen getötet zu haben. Unter den 26 ausländischen Opfern waren drei Deutsche. Außerdem starben neun der zehn Terroristen. Nur der heute 22-jährige Kasab wurde lebend gefasst.

Die Staatsanwaltschaft hat die Todesstrafe beantragt. Kasab kann gegen das Urteil Berufung einlegen. Das Gericht urteilte nach indischen Medienberichten ebenfalls, dass 20 weitere gesuchte Verdächtige an der Terrorserie beteiligt waren. Die meisten von ihnen halten sich in Pakistan auf. Unter ihnen sind der Gründer der aus Pakistan heraus operierenden LeT, Hafiz Saeed, und die LeT-Kommandeure Zaki-ur-Rehman Lakhvi and Abu Hamza. Zwei indische Mitangeklagte, denen Unterstützung der Angreifer vorgeworfen worden war, wurden aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Innenminister Palaniappan Chidambaram sagte, das Verfahren habe gezeigt, dass in Indien Rechtsstaatlichkeit herrsche. “Das Urteil selber ist eine Botschaft an Pakistan: Dass sie Terror nicht nach Indien exportieren sollen. Wenn sie es tun und wenn Terroristen verhaftet werden, werden wir in der Lage sein, sie zur Rechenschaft zu ziehen und abschreckende Strafen gegen sie zu verhängen.“

Bei der beispiellosen Terrorserie in Mumbai (früher Bombay) hatten die Extremisten über drei Tage Geiseln genommen und auch Hotels besetzt gehalten. Nach Überzeugung indischer Ermittler wurde die Terrorserie in Pakistan geplant. Die Anschläge belasten die Beziehungen zwischen den südasiatischen Atommächten Indien und Pakistan bis heute. Indien setzte die Friedensgespräche mit dem Nachbarland aus. Die LeT ist in Pakistan verboten, nach Überzeugung der indischen Regierung operiert sie aber durch Tarnorganisationen weiterhin. Neu Delhi wirft Islamabad vor, nicht gegen Extremisten vorzugehen, die von Pakistan aus Anschläge in Indien vorbereiten.

Der Nachrichtensender NDTV berichtete, auch das Gericht habe sich in der Urteilsverkündung überzeugt gezeigt, dass die Angriffe in Pakistan geplant wurden. Die Staatsanwaltschaft wollte in dem Verfahren Verbindungen zwischen Kasab, Lashkar-e-Taiba (“Armee der Reinen“) und der pakistanischen Armee nachweisen. Das Verfahren gegen Kasab war einer der schnellsten Terrorprozesse in Indien. Es war im April 2009 unter massiven Sicherheitsvorkehrungen in Mumbai eröffnet worden. Insgesamt wurden mehr als 650 Zeugen vernommen. Für den Prozess war in einem Hochsicherheitsgefängnis eigens ein bombensicherer Gerichtssaal eingerichtet worden. Kasab hatte im vergangenen Juli zunächst seine Tatbeteiligung eingeräumt.

Später widerrief er das Geständnis und erklärte, es sei durch Folter erzwungen worden. Angehörige der Opfer zeigten sich erleichtert über den Schuldspruch. “Für Kasab sollte es nichts weniger geben als den Tod durch den Strang“, sagte Smita Salaskar, die Witwe eines bei der Terrorserie getöteten Polizisten. “Aber noch wichtiger ist es, gegen die Hintermänner der Angriffe vorzugehen, die in Pakistan sind.“

dpa

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