Schüler ersticht Lehrerin: Motiv verschmähte Liebe?

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Schueler, Lehrer und Eltern trauern am Samstag, 19. Dezember 2009, am Gymnasium in Osterholz-Scharmbeck um die ermordete Lehrerin.

Bremen  -  Verschmähte Liebe ist offenbar das Motiv für den Messermord an einer Lehrerin in Bremen gewesen.

Der Täter, ein 21 Jahre alter ehemaliger Schüler der Frau, hatte sie bereits seit April unbemerkt beobachtet, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Samstag mitteilten. Am Freitag dann griff er die 35-Jährige auf offener Straße an und tötete sie mit mehr als 20 Messerstichen vor allem in den Hals.Der psychisch auffällige Gero S. stellte seiner früheren Lehrerin nach und lauerte ihr am Freitag auf dem Parkplatz vor ihrer Wohnung auf. Ursprünglich habe er sie mit vorgehaltenem Messer in ihre Wohnung zwingen und zur Rede stellen wollen, sagte Staatsanwalt Uwe Picard. Dafür habe S. einen Fragenkatalog entworfen, der nach seinen Angaben in der Vernehmung mehrere tausend Fragen enthielt und um Themenkomplexe wie Nähe und Sexualität kreiste. Als die Lehrerin mit ihrem Wagen vorfuhr und ausstieg, sprach er sie an. Doch die Frau wehrte sich und rief um Hilfe. Als ihr ein Passant zu Hilfe eilen wollte, entschloss sich der 21-Jährige, sie sofort zu töten, wie Picard weiter sagte. Bei der Tat verletzte er sich nach eigenen Angaben versehentlich selbst an der Hand. Anschließend rief S. mit seinem Handy die Polizei an und ließ sich widerstandslos am Tatort festnehmen. Die Frau starb noch vor Eintreffen des Notarztes. “Augenblicklich gehe ich von einem Mord aus“, sagte Picard.

Peilsender am Wagen seines Opfers befestigt

Der Täter wohnte in Osterholz-Scharmbeck bei seiner Mutter und hatte bis zum März dieses Jahres ein Gymnasium in dem Ort besucht. 2006 hatte dort die 35-Jährige als Referendarin angefangen, Biologie und Chemie zu unterrichten. Nach Angaben des 21-Jährigen ließ er ihr eine Nachricht zukommen, dass er gern eine Liebesbeziehung eingehen würde. Sie ging darauf nicht ein, sondern informierte die Schulleitung. S. musste die Schule verlassen, weil er wegen schlechter Leistungen nicht zum Abitur zugelassen wurde. Er begann, die Lehrerin zu beobachten. Am Freitag steckte der 21-Jährige, der inzwischen den Grundwehrdienst ableistete, nach Angaben des Chefs der Bremer Mordkommission, Helmut Mojen, zwei Messer und eine Holzpistole ein. Am Vormittag befestigte er vor der Schule am Wagen der Lehrerin einen Peilsender, um ihre Bewegungen verfolgen zu können. Dann fuhr er mit dem Fahrrad zu ihrer Wohnung und wartete auf sein Opfer. Was der Auslöser war, die Frau an diesem Tag anzugreifen, sei noch offen, hieß es. Zu seinen ursprünglichen Absichten gab der 21-Jährige unter anderem an, er habe in ihrer Wohnung zerstören wollen, was ihr lieb und teuer sei. S. sagte Mojen zufolge: “Was ich nicht haben kann, soll sie auch nicht haben.“ Sie habe sich ein Auto einer bestimmten Marke leisten können, er jedoch nicht.

Polizei durchsuchte zweimal Wohnung des späteren Täters

Nach Angaben des Leiters der Polizeiinspektion Verden/Osterholz-Scharmbeck, Uwe Jordan, ist der Mann psychisch auffällig. Er beschrieb S. als Einzelgänger, der sich während der Schulzeit teils passiv, teils aggressiv zeigte und sich sehr für Chemie interessierte. Die Lehrerin hatte sich schon 2008 an die Polizei gewandt, weil sie den 21-Jährigen für suizidgefährdet hielt. Daraufhin wurde die Wohnung durchsucht, wobei Beamte Silvesterknaller, Schwarzpulver und anderes pyrotechnisches Material fanden. Sie leiteten ein Strafverfahren ein, das aber eingestellt wurde. Im Zuge von Präventionsmaßnahmen nach dem Amoklauf von Winnenden ging die Polizei auf Schulen zu, um sie für verhaltensauffällige Schüler zu sensibilisieren. Daraufhin wandte sich das Gymnasium im März 2009 an die Polizei und wies auf den Schüler hin. Erneut wurde seine Wohnung durchsucht, dabei wurde nichts Bedrohliches gefunden.

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