Mindestens 480 Unwetter-Tote in Brasilien

Rio de Janeiro - Ganze Stadtviertel sind zerstört, Schlammfluten haben Autos und Lastwagen mitgerissen. In Brasilien werden mehr und mehr Opfer der Unwetterkatastrophe aus Trümmern und Erdmassen geborgen.

Das Wetterdrama im Hinterland der brasilianischen Metropole Rio de Janeiro nimmt immer katastrophale Ausmaße an. Schon ist vom schlimmsten Unwetter in der Geschichte des Landes die Rede. Die Behörden zählten mehr als 500 Tote. Rettungskräfte bargen auch am Freitag Leichen aus den Erdmassen. Tausende Menschen sind obdachlos.

Am schwersten betroffen war die Stadt Nova Friburgo, wo der Zivilschutz 225 Tote zählte. In Teresópolis, rund 100 Kilometer von Rio entfernt, starben 223 Menschen. Aus der historischen Stadt Petrópolis meldete die Stadtverwaltung 39 Tote, in dem Ort Sumidouro kamen 19 Menschen um.

Die gewaltigen Schlammmassen zerstörten viele Stadtviertel. Schlammfluten rissen Autos und Lastwagen mit. Tausende Menschen mussten in Notunterkünften übernachten. Hunderte Rettungskräfte waren im Einsatz. Bis Freitag wurden nach Polizeiangaben 470 Opfer identifiziert. Brasilianische Medien sprachen von “der größten Klimatragödie in der Geschichte des Landes“.

Experten machten das unkontrollierte Wachstum der Städte im Bergland des Bundesstaates Rio de Janeiro für das Ausmaß der Katastrophe mit verantwortlich. Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff sagte: “Die Vorbeugung ist nicht nur eine Frage des Zivilschutzes, sie ist eine Frage der Kanalisation, der Entwässerung und der Wohnungspolitik der Regierung.“ Zuvor hatte sie die Katastrophenregion überflogen. “Das Leben in Risikozonen ist in Brasilien die Regel, nicht die Ausnahme“, fügte sie hinzu. Rousseff sicherte den betroffenen Städten schnelle Hilfe zu.

Anhaltende Regenfälle erschwerten die Bergungsarbeiten. In Nova Friburgo musste die Suche nach Überlebenden wegen der Gefahr neuer Erdrutsche zeitweise unterbrochen werden. Und die Meteorologen sagten weitere Regenfälle voraus. Das Rote Kreuz sprach von chaotischen Zuständen.

In Teresópolis suchten am Freitag 800 Kräfte des Zivilschutzes und der Feuerwehr nach Verschütteten. Der Umweltminister des Staates Rio de Janeiro, Carlos Minc, sprach von der schlimmsten Katastrophe in der Geschichte der Stadt. “Die Häuser der Reichen, die Häuser der Armen - alles wurde zerstört“, zitierte die Onlineausgaben von “O Globo“ die Hausangestellte Fernanda Carvalho.

Wie “O Globo“ weiter meldete, wurde auch der nahe Petrópolis liegende Ort Poço Fundo von den Fluten verwüstet. Er hatte Bossa- Nova-Legende Antônio Carlos Jobim (1927-1994) einst zu dem Hit “Aguas de Março“ (“Wasser des Märzes“) inspiriert, in dem er die Stimmung dort in der Regenzeit besingt. Während des aktuellen Januarhochwassers hielt sich nach dem Bericht der Enkel des Musikers in Poço Fundo auf. Er teilte seinen Eltern per Handy mit, dass er wohlauf sei.

dpa

Rubriklistenbild: © AP

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