Frostprogramm für Wendelstein - Fusionsprojekt nähert sich Betrieb

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Die Forscher haben mit dem Herunterkühlen von 450 Tonnen Metall auf minus 270 Grad Celsius begonnen – Voraussetzung dafür, dass die Magnetspulen supraleitend werden. Foto: Stefan Sauer

Greifswald (dpa) - Nach jahrelangen Verzögerungen nähert sich das Fusionsprojekt "Wendelstein 7-X" in großen Schritten seiner Experimentierphase. Die Forscher des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik in Greifswald haben mit dem Herunterkühlen von 450 Tonnen Metall auf minus 270 Grad Celsius begonnen.

Das ist die Voraussetzung dafür, dass die Magnetspulen supraleitend werden, in denen später das bis zu 100 Millionen Grad heiße Plasma gehalten werden soll. "Das ist der entscheidende Schritt in der Inbetriebnahmephase", sagte der wissenschaftliche Leiter Thomas Klinger.

Nach dem Abkühlen werden die 70 Magnetspulen Zug um Zug in Betrieb genommen. Noch in diesem Jahr wollen die Forscher mit den ersten Plasmatests mit Wasserstoff und Helium beginnen, frühestens 2017 mit strahlenschutzrechtlich relevanten Deuterium. Eine Fusion selbst ist in Greifswald nicht geplant. Es soll das Verhalten des Plasmas unter Hochtemperatur erforscht werden.

Die Betriebsgenehmigung steht noch aus. "Die mehr als 1200 Seiten umfassenden Antragsunterlagen sowie die Anlagenkomponenten befinden sich derzeit im Prüfprozess", sagte eine Sprecherin des zuständigen Landesamtes für Gesundheit und Soziales (LAGuS). Grundsätzlich werde die Genehmigung nur erteilt, wenn alle gesetzlichen Forderungen und damit die Einhaltung des Strahlenschutzgesetzes erfüllt seien.

Grüne und Umweltverbände hatten vor zwei Jahren Sicherheitsbedenken geäußert, worauf ein umfangreicher Prüfprozess eingeleitet worden war. Die Sicherheitsbedenken zur Abschirmwirkung der Experimentierhalle gelten aus Sicht des Landesamtes durch ein Gutachten als "vollständig entkräftet". 

Die Tests in der Fusionsanlage in Greifswald sollen dazu beitragen, eine völlig neue Primärenergiequelle zu erschließen. Die Kernfusion - so die Physiker - sei eine CO2-freie Ergänzung zu erneuerbaren Energien. Sie geschieht auch auf der Sonne. Als Konkurrenz zu Wind- und Sonnenenergie sieht Klinger die Fusion nicht, aber als Ersatz für Kohle und Gas.

Rund sechs Wochen wird das Herunterkühlen der Anlage noch dauern, schätzt der Institutsleiter. Bislang laufe alles reibungslos. Ähnlich wie in einem Kühlschrank wird dabei verdichtetes Heliumgas durch das kilometerlange Rohrsystem geleitet. Das Abkühlen ist gleichsam die Nagelprobe für die Robustheit der Fusionstestanlage. "Hier zeigt sich, ob das kilometerlange Rohrsystem auch unter kalten Bedingungen dicht bleibt." Derzeit hat die Anlage sibirische Temperaturen von minus 50 Grad erreicht.

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