Schnupftabak, Schmalzler oder Prise – der besondere Nasenkitzel

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So funktioniert es: Eine Prise Schnupftabak auf den Handrücken geben und vorsichtig in die Nase ziehen.

Christoph Kolumbus und seine Männer staunten nicht schlecht, als sie 1496 in der Karibik landeten. Sie sahen, wie sich die Ureinwohner getrocknete und geriebene Blätter in die Nase stopften. Es handelte sich um Tabak, der in Europa noch unbekannt war. Bald sollten sich jedoch auch die Europäer von dem Schnupftabak und seiner anregenden Wirkung überzeugen lassen. Das fein gemahlene Pulver aus Tabak in unzähligen Geschmacksrichtungen ist bis heute ein beliebtes Genussmittel.

Schnupftabak – das Pulver der Königin

Jean Nicot, französischer Gesandter am portugiesischen Hof, brachte den Schnupftabak um 1560 nach Frankreich. Er verabreichte das Tabakpulver dem Sohn der Königin Katharina von Medici gegen Migräne. Als der Sohn daraufhin niesen musste, war seine Migräne verschwunden. Die Königin selbst wurde eine eifrige Schnupferin. Deshalb nannte man den Schnupftabak damals auch das Pulver der Königin. Sie machte den Schnupftabak hoffähig und seine Verbreitung in Europa nahm ihren Lauf.

Die erste Schnupftabak-Manufaktur der Welt entstand 1677 im spanischen Sevilla. Hier wurde der Tabak aus der spanischen Kolonie Kuba verarbeitet. In Deutschland war Schnupftabak lange Zeit nur in Apotheken erhältlich. Die erste deutsche Schnupftabakfabrik war die Firma Bernard, die 1733 in Offenbach am Main errichtet wurde. Nachdem sich ab dem 19. Jahrhundert zunehmend Zigarren und Zigaretten durchsetzten, stiegen die meisten Schnupftabakfabriken nach und nach auf die Produktion von Rauchwaren um.

Englischer Snuff und bayerischer Schmalzler

Die bekanntesten Schnupftabaksorten sind der Snuff und der Schmalzler. Der Snuff, der ursprünglich aus England stammt, wird heute am meisten verkauft. Die helleren Tabaksorten dafür kommen überwiegend aus den USA und Afrika und werden oftmals aromatisiert. Snuff-Sorten gibt es in allen erdenklichen Geschmacksrichtungen von Menthol über Kräuter- bis hin zu Fruchtaromen. Bisweilen überlagert das jeweilige Aroma den Tabakgeschmack. Der Snuff ist meist sehr fein gemahlen, seine Konsistenz ist staubig, pulvrig bis krümelig-klebrig. Es gibt ihn in den Farben hell- bis dunkelbraun. Die Firma Pöschl Tabak in Niederbayern ist nach eigenen Angaben der weltweit größte Hersteller von Snuff.

Der Schmalzler, Schmai oder Brasil ist besonders im süddeutschen Raum, in Österreich und der Schweiz verbreitet. Er wird aus dunklem Brasil-Tabak und einem speziellen Würztabak hergestellt. Der Schmalzler riecht erdig-würzig nach Tabak und wird kaum zusätzlich aromatisiert. Dieser Schnupftabak ist grob zerrieben und hat eine feste bis klebrig-feuchte Konsistenz. Der Schmalzler verdankt seinen Namen dem Schweinefett oder Schmalz, das früher in der Prise enthalten war, um sie weniger staubig zu machen. Der Nachteil war, dass der Schnupftabak nach wenigen Tagen ranzig wurde. Heute wird stattdessen ätherisches Tabaköl verwendet. Eine der ältesten und bekanntesten Marken ist der Schmalzlerfranzl der Firma Bernard Schnupftabak. Noch mehr zu Unternehmen und Sorten erfahren Sie auf Fachportalen wie zum Beispiel http://www.schnupftabak.net.

Wie wird richtig geschnupft?

Zwei Arten des Schnupfens sind verbreitet. Beim Schnupfen vom Handrücken wird ein kleines Häufchen Schnupftabak auf den Handrücken gestreut. Anschließend führt der Schnupfer die Hand zur Nase und zieht das Pulver vorsichtig ein. Schnupftabak sollte möglichst langsam hochgezogen werden, um einen Niesreflex zu vermeiden. Wenn besonders feiner Tabak zu heftig eingezogen wird, kann er in den Rachen gelangen, was unangenehm brennt.

Das Schnupfen von den Fingerspitzen ist vor allem in England verbreitet und wird deshalb auch als „Englisch“ bezeichnet. Dabei wird eine kleine Menge Schnupftabak zwischen Daumen und Zeigefinger genommen und direkt in die Nasenlöcher geführt. Der Schnupftabak verbreitet sein Aroma in der Nase und das Nikotin entfaltet seine Wirkung.

Ein besonderer Gag sind Schnupfmaschinen: Ein kleines Katapult befördert den Schnupftabak direkt in die Nasenlöcher. Meistens sind ein kleiner Spiegel und ein Pinsel integriert, um die Nase nach dem Schnupfen ordentlich sauber zu machen. Solche Maschinen sind eher etwas für den Stammtisch oder Sammler.

Schnupfclubs und Schnupfmeisterschaften

Seit der Einführung des gesetzlichen Rauchverbots nimmt der Konsum von Schnupftabak wieder zu. In Schnupfclubs oder -vereinen treffen sich die Mitglieder zum gemeinsamen Schnupfen. Oft treten die verschiedenen Clubs zu Schnupfmeisterschaften gegeneinander an.

Sogar eine Schnupf-Weltmeisterschaft für die besten Schnupfer gibt es. Sie kämpfen in diversen Disziplinen um den Sieg. Eine davon ist: 5 Gramm Schnupftabak möglichst schnell in die Nase zu ziehen. Und die Regeln sind streng: Wer niest, wird disqualifiziert, und Tabakpulver darf nur in die Nase gelangen. Alles, was auf den Tisch fällt oder übrig bleibt, wird am Ende bis auf das Tausendstel Gramm gewogen. Der sauberste Teilnehmer erhält Zusatzpunkte. Kurz gesagt: Sieger wird, wer am Ende die Nase voll hat – natürlich mit Blättern.

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