Schlussphase im Prozess um Wikileaks-Informant

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Bradley Manning

Fort Meade - Nun wird es ernst für Bradley Manning. Der nahende Richterspruch in Fort Meade könnte den Obergefreiten für den Rest seines Lebens hinter Gitter bringen. Für Wikileaks-Unterstützer bleibt er ein Held.

Im Prozess gegen den US-Whistleblower Bradley Manning hat die Staatsanwaltschaft dem Armee-Obergefreiten vorgeworfen, vertrauliche Dokumente aus Eigennutz weitergereicht zu haben. „Er war nur daran interessiert, es zu etwas zu bringen“, sagte Staatsanwalt Ashden Fein in seinem mehr als zweieinhalb Stunden andauernden Schlussplädoyer am Donnerstag. Manning hat bereits gestanden, Hunderttausende geheime Dokumente aus Armeedatenbanken an die Enthüllungsplattform Wikileaks weitergereicht zu haben.

Stundenlang habe Manning nur nach Dingen gesucht, die Wikileaks interessieren könnten und dank seiner speziellen Ausbildung sehr genau gewusst, welche Konsequenzen ihm für seine Handlungen drohten. Ihm sei auch klar gewesen, dass er eine entscheidende Rolle darin spielte, das Verteidigungsministerium der USA zu schützen. Mehrfach zeigte Fein am Donnerstag eines der mehr als 160 Beweisstücke: Ein Foto, das Manning von sich gemacht haben soll, kurz bevor er die streng vertraulichen Dokumente abschickte.

Manning habe vor allem um die Gunst von Wikileaks-Chef Julian Assange gekämpft, sagte Fein: „Es ist offenkundig, dass Manning so viel Informationen wie möglich sammelte, um Assange zu gefallen.“ Die Plattform bestehe im Grunde genommen nur aus „Informations-Anarchisten“, sagte Fein. „Der einzige Mensch, der dem Obergefreiten Bradley Manning wichtig war, war er selbst.“

Der Beginn der Schlussplädoyers der Verteidigung verzögerte sich mehrfach, bis zum Nachmittag (Ortszeit) hatten sie noch nicht begonnen. Um ein geringeres Strafmaß für den Whistleblower zu erwirken, stellte die Verteidigung zuvor Anträge, die Anklagen wegen Diebstahls von Regierungseigentum aus Mangel an Beweisen fallen zu lassen. Die Richterin lehnte diesen Antrag jedoch ab.

Manning trug wie zuvor seine dunkelblaue Paradeuniform. Die Wortwechsel im Gerichtssaal verfolgte er gespannt und stumm und meldete sich nicht zu Wort. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden für die Schlussphase des Prozesses verschärft.

Das Verfahren vor dem Militärgericht in Fort Meade bei Washington ist der erste große Prozess gegen einen Whistleblower. Während seiner Stationierung im Irak 2010 soll Manning die Hunderttausenden geheimen Dokumente aus Armeedatenbanken gestohlen und an Wikileaks weitergereicht haben. Manning hat die Weitergabe gestanden, streitet aber jede böse Absicht ab.

Unterstützer Mannings sammelten in der Schlussphase des Verfahrens Spenden, um die Gerichtskosten zu decken. In einer ganzseitigen Zeitungsanzeige in der „New York Times“ forderten sie US-Präsident Barack Obama auf, Manning zu verzeihen.

Die Anklage erhob im Prozess schwere Vorwürfe, darunter „Unterstützung des Feindes“ (aiding the enemy), worauf die Todesstrafe droht. Von Manning veröffentlichte Dokumente wurden später auf dem Computer von Terrorchef Osama bin Laden gefunden, dem Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001. Manning beteuert in den meisten Anklagepunkten seine Unschuld. Die Staatsanwaltschaft verzichtete auf die Maximalstrafe und fordert insgesamt lebenslang plus 154 Jahre Haft.

Das Manning-Verfahren könnte Beobachtern zufolge zum Präzedenzfall für weitere Whistleblower werden, darunter für Wikileaks-Chef Julian Assange und den von den USA gesuchten Edward Snowden, der die NSA-Spionage öffentlich gemacht hatte.

dpa

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