„Schäbige Kreuzfahrt ins Nirgendwo“: Ozean-Dampfer ist zu dreckig – und darf nicht anlegen
Großer Schock für die Passagiere eines Kreuzfahrtschiffs: Der Ozean-Dampfer durfte nicht den Zielhafen ansteuern. Der Unmut ist riesig.
Sydney – Für viele Menschen bedeutet Urlaub, mal so richtig abschalten zu können. Raus aus dem Alltag, mitunter rein in die Badehose. Wer es besonders luxuriös mag, genehmigt sich eine Reise auf einem Kreuzfahrtschiff. Nicht immer günstig, dafür kann sich für die Dauer der Fahrt entspannt zurückgelehnt werden.
Nur blöd, wenn der Urlaub auf dem Kreuzfahrtschiff dann nicht so läuft, wie erhofft. Jüngst geschehen auf einer Reise mit dem Ozean-Dampfer P&O Pacific Adventure. 290 Meter lang, 36 Meter breit, Platz für über 2.600 Passagiere. Denen sollte die Stimmung schnell verhagelt werden, als das Kreuzfahrtschiff nicht in seinem Zielhafen anlegen durfte. Frust kam derweil auch bei dem Kreuzfahrt-Passagier auf, der eine angebliche Essens-Regel kritisierte.
Kreuzfahrt von Sydney nach Neuseeland: Ozean-Dampfer ist zu dreckig – und darf nicht im Zielhafen anlegen
Wie unter anderem der Guardian berichtet, war die P&O Pacific Adventure auf dem Weg vom australischen Sydney nach Neuseeland. Aufgrund strenger Biosicherheitsgesetze durfte das Kreuzfahrtschiff jedoch gar nicht erst in Neuseeland anlegen. Heißt konkret: Der Rumpf des Ozean-Giganten war schlichtweg zu verschmutzt. In der Folge musste das Kreuzfahrtschiff für unbestimmte Zeit vor der Küste verweilen.

Für die Passagiere der P&O Pacific Adventure und deren Urlaubspläne war das natürlich ein herber Schlag. Die Folgen spürten sie nämlich auch körperlich. „Ich habe Mitleid mit all den Leuten, die seekrank werden, wir hatten fast jeden Tag fünf bis zehn Meter hohen Wellengang“, erläutert ein Passagier gegenüber dem Guardian. Zu allem Überfluss mussten sich die Menschen auf dem Kreuzfahrtschiff also auch noch auf unruhige Gewässer einstellen – und das für eine unbestimmte Zeit. Eine Ungewissheit, welche auch die Passagiere einer Kreuzfahrt erlebten, die sich mit Höchsttemperaturen konfrontiert sahen.
Muscheln und Korallen am Rumpf des Kreuzfahrtschiffes vermiesen Passagieren die Reise
Dass die P&O Pacific Adventure erst gar nicht in Neuseeland anlegen durfte, hatte das Kreuzfahrtschiff den strengen Biosicherheitsgesetzen des Landes zu „verdanken“. Unter besonderen Bedingungen können diese nämlich das Anlegen verhindern. Wie es heißt, waren im konkreten Fall drei junge Muscheln sowie spezielle Korallen-Arten die „Übeltäter“. Da die Tauchbedingungen jedoch schlechter als erwartet waren, konnte die zwingend erforderliche Reinigung vom Rumpf des Kreuzfahrtschiffs nicht durchgeführt werden.
Häfen in Auckland und Wellington, aber auch den Fiordland-Nationalpark sollte die P&O Pacific Adventure auf ihrer Rundreise nach Neuseeland vom 20. November bis zum 3. Dezember ansteuern. Ihre Pläne mussten die Passagiere des Kreuzfahrtschiffs dann aber verschieben. Laut dem Guardian wollte manch ein Passagier auf dem Ozean-Dampfer seinen Geburtstag oder Hochzeitstag feiern. Es war sogar angedacht, an bestimmten Plätzen in Neuseeland zu heiraten. All das konnte nicht stattfinden. Dementsprechend waren Enttäuschung und Unmut der Betroffenen groß.
„Meine Frau und ich sind auf dieser schäbigen Kreuzfahrt ins Nirgendwo“: Heftige Reaktionen auf Reise-Reinfall
Auf einer eigens für die Kreuzfahrt eingerichteten Facebook-Seite wurde den Passagieren eine entsprechende Plattform gegeben, um ihrem Frust freien Lauf zu lassen. „Viele Menschen aus verschiedenen Ländern haben nur einmal im Leben die Gelegenheit, Neuseeland zu besuchen, wir hätten Flüge nehmen können, aber wir haben uns P&O ausgesucht, weil wir ihnen vertraut haben“, lautete einer der Kommentare, der ziemlich deutlich die Gefühlslage des Verfassers zum Ausdruck bringt.
Auch gehässige Anmerkungen konnte sich manch ein Passagier nicht verkneifen. „Meine Frau und ich sind auf dieser schäbigen Kreuzfahrt ins Nirgendwo“, hieß es in einem weiteren Kommentar.
Den wohl emotionalsten Beitrag sollte eine frisch gebackene Ehefrau liefern, die keinen Hehl aus ihrer großen Enttäuschung durch die verdorbene Kreuzfahrt machte. „Warum konnten sie [P&O] es nicht organisieren, den Rumpf vor der Abfahrt zu reinigen? Dies war unsere Flitterwochen-Kreuzfahrt nach Neuseeland (...) Wir sind sehr enttäuscht und traurig, weil wir uns darauf gefreut haben, unsere Flitterwochen im schönen Neuseeland zu verbringen. (...) Wir werden diese Gelegenheit nie wieder bekommen, denn wir haben nur eine gemeinsame Hochzeitsreise“.
Frust, der nur allzu verständlich ist. Auf einer anderen Kreuzfahrt kam es zu einem Schock-Moment, als ein Passagier vom Schiff ins Meer stürzte.
Nach „Aufschrei der Passagiere“: Kreuzfahrtunternehmen muss Gästen finanziell entgegenkommen
Für die Kreuzfahrtgesellschaft war es regelrecht alternativlos, eine Entschädigung für die Passagiere anzubieten. Als unmittelbare Reaktion auf die zahlreichen Beschwerden der Passagiere der letztlich enttäuschend verlaufenen Fahrt mit der P&O Pacific Adventure wurden zunächst 50 Prozent Rabatt für zukünftige Kreuzfahrten angeboten.
Das verursachte einen „Aufschrei der Passagiere“. Erneut sah sich das Kreuzfahrtunternehmen P&O in der Pflicht: Es unterbreitete den wütenden und frustrierten Passagieren ein neues Angebot. Zusätzlich zu einer Bordgutschrift von 300 Dollar (umgerechnet etwa 180 Euro) pro Person bot das Unternehmen eine Rückerstattung an. Wohl aber ebenfalls nur ein kleiner Trost für die Menschen, die spezielle Momente auf der Kreuzfahrt erleben und feiern wollten. Und das alles wegen ein paar Muscheln und Korallen. (han)




