Saubere Luft für die Reichen: Ein Segen für das Volk?

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Dichter Smog liegt über der Innenstadt von Peking.

Peking - Peking zählt weltweit zu den Metropolen mit der schlimmsten Luftverschmutzung. Chinas Führer haben damit offenbar wenig Probleme.

Seit Jahren wundern sich Chinesen, warum ihre Führer so wenig gegen den Smog in Peking unternehmen, wo sie doch die gleiche Luft atmen müssen. Jetzt erfahren sie, dass sich die hohen Bonzen meist in gefilterter Luft bewegen. In vielen Büros und Wohnungen der kommunistischen Elite laufen teure Luftfilter der chinesischen Firma Broad Group (Yuanda). Stolz wirbt der firmeneigene Blog mit den Lieferungen in das “Herz des politischen Lebens“: “Die Luftfilter schaffen ein gesundes und sauberes Umfeld für die Führer unserer Nation. Das ist ein Segen für das einfache Volk.“

Solche Werbesprüche kommen bei den 20 Millionen Pekingern gerade besonders schlecht an. Zum Beginn der Heizsaison erdulden sie andauernd schlimme Smogtage. Notdienste verzeichnen einen Anstieg von Atemwegserkrankungen und Schlaganfällen, die mit der hohen Luftverschmutzung in Verbindung gebracht werden. Ärzte warnen an manchen Tagen davor, vor die Tür zu gehen. Viele Pekinger sind es einfach leid, dass ihre Führer alle möglichen Privilegien genießen - von Gemüse aus eigenem ökologischen Anbau bis hin zu speziellen Krankenhäusern oder guten Schulen für ihre Kinder.

Jetzt gehört auch noch saubere Luft dazu. So ist die Empörung groß. Das Unternehmen wollte vorsichtshalber keine Berichte bestätigen, wonach mehr als 200 Luftfilter in Sitzungsräumen sowie Büros und Wohnungen der Führer verteilt seien. Einige kosten umgerechnet mehr als 2000 Euro. Ein Firmensprecher sagte der Nachrichtenagentur dpa in Peking immerhin: “Unter unseren Kunden sind viele Regierungsstellen.“ Der werbende Beitrag, wonach die Luftfilter im streng abgeschirmten Regierungsviertel “die Idee des gesunden Lebens und Umweltschutzes unterstützt“, verschwand von der Webseite.

Die kommunistischen Führer waren wohl leicht zu überzeugen. Wie der Firmenblog geschildert hatte, wurde dafür in einem Sitzungsraum des Ständigen Ausschusses des Politbüros, des höchsten Machtgremiums der Partei, ein Gerät vorgeführt. Eine Weile später reinigten die Techniker die schmutzigen Filter: “Als sie das tintenfarbige dreckige Wasser sahen, wurden Yuanda-Luftgeräte zu den Filtern, die von den Führern der Nation auserkoren sind.“ Der ehemalige Spitzenfunktionär des Handelsministeriums, Long Yongtu, der seine Filter offenbar auch in Hotels mitnimmt, nahm für sich demnach in Anspruch: “Saubere Luft zu atmen, ist ein Grundbedürfnis des Menschen.“

Das sehen die Pekinger nicht anders. Doch sind sie dem Smog hilflos ausgeliefert. “Nur wenn die Führer von Partei und Land sowie ihre Familien auch die Umweltverschmutzung essen, trinken und atmen, gibt es Hoffnung, dass die Luftqualität besser wird“, schrieb ein Internetnutzer. Die Zensur sperrte andere verärgerte Kommentare. Empört sind die Menschen auch über das Umweltamt in Peking, das schlimmen Smog als “leichte Verschmutzung“ herunterspielt, während die US-Botschaft alarmiert vor “gefährlicher“ Luftverschmutzung und eindringlich vor Auswirkungen auf die Gesundheit warnt.

Wie von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlen, messen die Amerikaner den besonders gefährlichen Feinstaub, der kleiner als 2,5 Mikrometer ist. Chinas Umweltbehörden belassen es lieber bei 10 Mikrometer und werfen der US-Botschaft “Medienrummel“ vor, weil sie ihre Messungen über Internet und Handy veröffentlicht. Die Zeit sei noch nicht reif, auch feinste Partikel zu messen, wurde chinesischen Journalisten jetzt beschieden. Sonst würden nämlich die meisten Städte dramatisch die vorgeschriebenen Luftstandards überschreiten, zitierte die Zeitung “Xinjingbao“ einen Verantwortlichen.

Kritisch meinte die Kantoner Zeitung “Guangzhou Ribao“ dazu: “Einfache Leute haben das Recht, die Luftqualität in der Stadt zu kennen, in der sie leben.“ Selbst wenn Messdaten mit kleinstem Feinstaub die Standards überschritten, sei die Überwachung der Luftqualität doch ureigenste Aufgabe von Umweltbehörden. Den Druck zu verstärken, könnte eine gute Idee sein, die Luftqualität zu verbessern, so das Blatt. “Sich an oberflächlich hübschen Messwerten zu erfreuen, bremst die Motivation, die Probleme zu lösen.“

dpa

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