Freier betäubt und beraubt

Rotlicht-Skandal: Mehr als neun Jahre Haft gefordert

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Polizisten durchsuchen in Düsseldorf ein Bordell. Foto: Caroline Seidel/Archiv

In Düsseldorfer Bordellen sollen reihenweise Freier mit Drogen betäubt und ausgeplündert worden sein. Nach mehr als dreieinhalb Jahren Prozessdauer soll nun der damalige Boss der Bordelle zur Verantwortung gezogen werden.

Düsseldorf (dpa) - Fünf Jahre nach dem sogenannten Düsseldorfer Rotlicht-Skandal hat die Staatsanwaltschaft eine lange Haftstrafe für den Hauptangeklagten beantragt. In Bordellen in Düsseldorf sollen reihenweise Freier mit Drogen betäubt und ausgeplündert worden sein.

Die Stadt hatte danach vier Etablissements geschlossen. Nach mehr als dreieinhalb Jahren Prozessdauer und weit über 250 Prozesstagen hatten am Montagabend in einem der längsten Strafprozesse des Landgerichts die Plädoyers begonnen.

Der damalige Eigentümer der Bordelle soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft für neun Jahre und einen Monat hinter Gitter. Er sei wegen räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung sowie Verstößen gegen das Waffenrecht überführt. "Er hat die Tatabläufe gewollt und gebilligt. Er ist der Kopf der Bande", sagten die Staatsanwälte.

Strafverschärfend müsse sein Verhalten nach der Tat gewertet werden: So habe er Zeugen zu Falschaussagen angestiftet und ein Millionenvermögen beiseite geschafft. Ermittler hatten aus dem Gefängnis geschmuggelte Briefe sichergestellt, in denen die Rotlichtgröße Mittelsmänner anwies, Zeugen zu kontaktieren, damit sie vor Gericht ihre Aussagen abschwächen. Die Plädoyers der Verteidigung und der Nebenklage stehen an diesem Dienstag und eventuell weiteren Tagen an.

Die Ankläger beantragten für einen mutmaßlichen Komplizen vier Jahre Haft. Er habe wenigstens ein Teilgeständnis abgelegt und bemühe sich um einen Beruf abseits des Rotlichtmilieus.

In einem Fall seien mehr als 22 000 Euro von der Kreditkarte eines Geschädigten abgebucht worden. Besucher der Häuser hätten über Herzrasen, Schwindel und Erinnerungslücken geklagt. In einem Fall habe sich ein Besucher auf eigene Faust einem Drogentest unterzogen und sei positiv auf Kokain getestet worden.

In einem Fall habe eine Prostituierte aus Versehen ein präpariertes Glas Champagner ausgetrunken und dann über gesundheitliche Beschwerden geklagt, die eine Woche angedauert hätten. Vor Gericht habe sie dann ihre Aussage, wie vom Angeklagten gewünscht, abgeschwächt.

Im vergangenen Oktober war bereits ein ehemaliger Bordell-Mitarbeiter zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Das Verfahren gegen fünf weitere Angeklagte war abgetrennt worden. Eine Bardame war freigesprochen worden.

Der Skandal um die Rotlicht-Betriebe in Düsseldorf hatte hohe Wellen geschlagen. Zeitweise hatte die Polizei eine Telefon-Hotline geschaltet, unter der sich Bordell-Besucher melden konnten, die den Verdacht hatten, betäubt und ausgeplündert worden zu sein. Um die Stammkunden nicht zu verprellen, waren offenbar gezielt weit gereiste Freier wie etwa Messebesucher aus Übersee ausgewählt worden. Die Stadt hatte die Betriebe im Juli 2012 für mehrere Monate geschlossen, später wurden sie insolvent.

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