Retter verlassen “Costa Concordia“

Rom - Die Rettungsarbeiten am Unglücksschiff “Costa Concordia“ haben sich zum Nervenkrieg entwickelt. Die Arbeiten mussten erneut wegen Bewegungen des Wracks unterbrochen werden.

Messgeräte verzeichneten bei dem auf einem Felsen liegende Wrack am Mittwoch eine leichte Bewegung, so dass die Suche nach den noch 22 Vermissten eingestellt werden musste. Für die Taucher und Feuerwehrleute ist der Einsatz ohnehin eine äußerst gefährliche Aktion, da das havarierte Kreuzfahrtschiff in tieferes Gewässer abrutschen könnte.

Die “Costa Concordia“ mit mehr als 4.200 Menschen an Bord war am Freitag vor der toskanischen Insel Giglio havariert. Bei 13 Deutschen ist der Verbleib nach italienischen Angaben noch nicht geklärt.

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Zunächst müsse geprüft werden, ob sich das Schiff tatsächlich bewegt habe und falls ja, wie stark die Bewegung gewesen sei, erklärte Kommandeur Filippo Marini von der italienischen Küstenwache. In der Nacht hatten Rettungskräfte den über Wasser liegenden Teil der “Costa Concordia“ durchsucht. Weitere Vermisste wurden aber nicht entdeckt.

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Bislang wurden elf Menschen tot geborgen. Ob unter den zuletzt gefundenen sechs Toten auch Deutsche waren, war nicht bekannt. Vor der Bergung der sechs Leichen am Montag und Dienstag waren nach offiziellen italienischen Angaben insgesamt noch vier Besatzungsmitglieder und 24 Passagiere vermisst worden, darunter 13 Deutsche. Betroffen waren neun Frauen und vier Männer aus Deutschland. Daneben standen noch die Namen von sechs Italienern, vier Franzosen, zwei Amerikanern, einem Ungarn, einem Inder und einer Peruanerin auf der Liste der italienischen Behörden.

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Das Auswärtige Amt in Berlin geht bislang von zwölf vermissten Deutschen aus: fünf aus Hessen, jeweils zwei aus Berlin, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen sowie einer aus Bayern. Meldungen, wonach unter den am Dienstag geborgenen fünf Toten auch Deutsche waren, könnten “derzeit nicht bestätigt werden“, hieß es.

Kapitän in Hausarrest

Der Kapitän, dem schwere Versäumnisse zur Last gelegt werden, wurde nach Angaben seines Anwalts aus der Untersuchungshaft entlassen und unter Hausarrest gestellt. Francesco Schettino war unbefugt vom Kurs des Kreuzfahrtschiffes abgewichen und zu nah an die Küste der Insel Giglio gefahren. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt Schettino des Totschlags und wirft ihm vor, eine Havarie verursacht zu haben sowie sein Schiff verlassen zu haben, bevor alle Passagiere in Sicherheit gebracht wurden. Allein für den letztgenannten Vorwurf drohen Schettino bis zu zwölf Jahre Haft.

Medienberichten zufolge kehrte Schettino in sein Haus nahe Neapel zurück. Die Entlassung aus Untersuchungshaft sei gerechtfertigt, da keine Fluchtgefahr bestehe, erklärte der Anwalt des Kapitäns, Bruno Leporatti, am Mittwoch, vor Journalisten in Grosseto. Er verwies darauf, dass Schettino die Evakuierungsaktion vom Ufer aus koordiniert habe. “Er hat sich nicht abgesetzt.“ Der Kapitän sei erschüttert, sagte Leporatti.

Ein aufgezeichnetes Gespräch mit der Küstenwache belastet den Kapitän stark: Demnach war er bereits in einem Rettungsboot, als die Evakuierung noch in vollem Gange war, und kam dem Befehl nicht nach, auf das Schiff zurückzukehren, um die Rettungsarbeiten zu leiten.

dapd

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