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Studentin gesteinigt und verbrannt: Religiöser Fanatismus in Nigeria

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Von: Jennifer Köllen

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Weil sie den Propheten Mohammed kritisierte, wurde eine junge Frau brutal ermordet. In Nigeria gibt es immer wieder Kämpfe zwischen Christen und Muslimen.

Lagos – Nigeria ist mit über 180 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Immer wieder kämpfen dort Christen und Muslime gegeneinander, es gibt Schießereien, Anschläge und andere blutige Auseinandersetzungen. Jetzt wurde eine Studentin in Lagos wegen „Blasphemie“ auf brutale Weise ermordet. Sie wurde von anderen Studenten mit Steinen geschlagen, getötet und verbrannt – offenkundig in einem Akt von religiösem Fanatismus.

Studentin gesteinigt und verbrannt: Religiöser Fanatismus in Nigeria

Der Polizeisprecher in Sokoto im Nordwesten Nigerias, Sanusi Abubakar, teilte mit, der Vorfall habe sich am Donnerstagmorgen an der Shehu Shagari Hochschule für Bildung in Sokoto ereignet. 

„Es gibt eine WhatsApp-Gruppe, die von den Studenten genutzt wird, und ihre muslimische Kollegin hat einen islamischen Beitrag gepostet“, sagte laut Guardian einer der Zeugen, der nicht genannt werden wollte. Die getötete Studentin, welche eine Christin war, hätte daraufhin blasphemische Kommentare über den Propheten des Islam in die Gruppe gepostet. Das hätte alles ausgelöst, so der Zeuge. Laut Polizei sei die konkrete Aussage der angeblichen „Blasphemie“ aber noch unklar.

Strassenszene in Sokoto Nigeria
Strassenszene in Sokoto, Nigeria: Hier wurde eine Studentin wegen angeblicher Blasphemie gesteinigt und verbrannt. © Thomas Imo/imago

Der Sicherheitsdienst der Schule und Polizisten hätten laut Guardian versucht, das Mädchen zu retten. „Die Polizei hat Tränengas auf die Schüler abgefeuert … und dann begonnen, Schüsse in den Himmel abzufeuern, um die Schüler zu zerstreuen, aber sie haben sich gewehrt“, sagte Summayya Usman Inname, eine Schülerin im zweiten Jahr, zum Guardian. Die Polizisten wurden jedoch von den Schülern überwältigt. Die Polizei verhaftete daraufhin zwei Studenten wegen Beteiligung an der Tat. Die Schule im Bundesstaat Sokoto sei bis auf weiteres geschlossen, wie die Polizei bestätigte. 

Videos im Internet zeigen, wie die Studentin mit Steinen und Stöcken geschlagen wurde. Ihr Körper sei später von einer Gruppe Studenten in Brand gesetzt worden. Die Videos sorgten in den sozialen Netzwerken in Nigeria für starke Reaktionen. 

Religiöser Fanatismus in Nigeria: Immer wieder Kämpfe zwischen Muslimen und Christen

Dies ist der jüngste Vorfall, bei dem fanatische Jugendliche im Norden Nigerias Menschen aufgrund angeblicher Blasphemie getötet haben. Anders als der überwiegend christliche Süden Nigerias wird der Norden von konservativen Muslimen bewohnt. In vielen Bundesstaaten des Nordens gilt die Scharia, die für Gotteslästerung die Todesstrafe vorsieht. Religiöse Konflikte, insbesondere zwischen Muslimen und Christen, kommen in dem westafrikanischen Land mit rund 206 Millionen Einwohner immer wieder vor. Und sie sind häufig gewaltsam, Menschen werden dabei getötet.

Nigeria wird seit den 1980er-Jahren von lokaler religiöser Gewalt erschüttert

In Nigeria gibt es solche Vorfälle schon seit den 80er Jahren. Seitdem hat ist die religiöse Radikalisierung immer weiter fortgeschritten. Gewalt zwischen Muslimen und Christen erschüttert Nigeria immer wieder. Auch unter Muslimen gibt es Auseinandersetzungen. Laut der Zeitung Frankfurter Allgemeinen gibt es zu der Anzahl der Muslime in Nigeria verschiedene Angaben. Manche Quellen behaupten, von den rund 180 Millionen Nigerianern seien 45 Prozent Muslime, andere sprechen von deutlich mehr als 50 Prozent.

Erst im April ist in Nigeria ein illegales Öldepot explodiert. Über hundert Menschen starben.

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