Mehr als 200 Delikte

Bundespolizei: 230 Kräfte jagen Taschendiebe

Berlin -Dreist, organisiert und schnell: Immer öfter gehen Taschendiebe in Berlin auf Beutezug. Nun ist einigen Verdächtigen das Handwerk gelegt worden.

Im dichten Gedränge in Bahnhöfen oder auf Rolltreppen schlagen Taschendiebe in Berlin besonders gern zu. Einer lenkt das Opfer ab, der nächste greift sich das Portemonnaie, Bargeld wird herausgerissen - und weg sind sie. Doch nun haben die Ermittler zugeschlagen. Am Donnerstagmorgen in Berlin und schon in der Nacht im rumänischen Craiova rückten Polizisten zu großangelegten Razzien aus und fassten Teile einer mutmaßlich international agierenden Bande.

Die Beschuldigten im Alter zwischen 18 und 45 Jahren sollen aus der Stadt im Südwesten Rumäniens stammen. In Craiova und Umgebung stürmten maskierte Polizisten mit Taschenlampen mehrere Häuser und stellten Verdächtige. „Eine ganz ausgezeichnete Zusammenarbeit“ sei das gewesen, lobte die Bundespolizei in Berlin die rumänischen Kollegen. Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) meldete sich zu Wort: Dieser Einsatz gegen die organisierte Kriminalität belege „beispielhaft den Erfolg einer engen grenzüberschreitenden Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden“.

Diebe sollen 200 Mal zugeschlagen haben

Ermittlungserfolge sind bei diesem Delikt nicht allzu häufig. Die Aufklärungsquote bei Taschendiebstahl lag in Berlin im Vorjahr bei gerade mal 4,2 Prozent. Nun wurden elf Haftbefehle vollstreckt, nach sechs weiteren Verdächtigen wird noch gefahndet.

In dem Berliner Verfahren, das seit rund einem Jahr läuft, wurden 44 Beschuldigte ermittelt. 200 Taten werden ihnen zur Last gelegt. Das erbeutete Geld sei direkt nach Rumänien transferiert worden. Die Bundespolizei nannte 150 000 Euro, die rumänischen Behörden sprachen von 225 000 Euro.

„Ein dicker Fisch“ sei das, sagte ein Beamter nach der Razzia in Berlin. Es komme nicht oft vor, dass Taschendiebe auch in Untersuchungshaft landeten. Hier sei eine organisierte Tätergruppe zerschlagen worden. Und der Präsident der Berliner Bundespolizeidirektion, Thomas Striethörster, kündigte entschlossen an: „Wir werden auch zukünftig gegen diese Banden vorgehen.“

In Berlin stöhnen Ermittler seit langem unter der drastischen Zunahme von Taschendiebstählen. Allein im vergangenen Jahr registrierte die Polizei in der Hauptstadt genau 40 399 solcher Delikte - ein Viertel mehr als noch 2014. Zahlen für dieses Jahr wurden bislang nicht öffentlich.

Erst vor wenigen Tagen hatte die Ankündigung der Polizei, bei Taschendiebstahl nur noch bei Aussicht auf Erfolg zu ermitteln, für Aufregung gesorgt. Es klang wie eine Kapitulation. Im Internet präsentiert die Hauptstadt-Polizei eine Warnung vor Taschendieben und listet dort vom Abdeck-Trick bis Taschenträger-Trick allein 23 Maschen der Kriminellen auf, um sich an arglose Passanten heranzumachen.

Bislang haben Strafen Kriminelle offensichtlich nicht abgeschreckt. Im bislang europaweit größten Verfahren gegen organisierten Taschendiebstahl waren im Juni in Berlin erstmals Drahtzieher verurteilt worden. Das Landgericht verhängte gegen einen 41-Jährigen drei Jahre und sechs Monate Gefängnis, seine 42-jährige Ehefrau bekam zweieinhalb Jahre Haft. Junge Diebe - darunter eigene Kinder - wurden laut Urteil instruiert und als Teams nach Berlin zum Stehlen geschickt.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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