Rassismus-Vorwürfe

Proteste gegen Helfer von Hollands Nikolaus

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Dunkelhäutige Niederländer empfinden den "Zwarte Piet" als Beleidigung.

Amsterdam - Das hatte der Nikolaus noch nie erlebt: Als sein Dampfschiff am Wochenende in den Niederlanden anlegte, wurde der Sinterklaas nicht nur mit Jubel, sondern auch mit Protesten empfangen.

Der Nikolaus ist in den Niederlanden. Doch erstmals wird er nicht nur mit Jubel empfangen. Es gibt Ärger um seine schwarzen Helfer.

 Entlang der geschmückten Straßen in Amsterdam standen nicht nur Zehntausende Kinder und Eltern, sondern auch Demonstranten und Kameras aus aller Welt.

Nicht der weiße Bischof war die Hauptperson, sondern seine schwarzen Helfer, die lustigen Zwarte Pieten. Um sie tobt seit Wochen ein heftiger Streit. Für viele dunkelhäutige Niederländer ist diese Figur reiner Rassismus.

Der Amsterdamer Bürgermeister Eberhard van der Laan hatte die Gegner aufgerufen, den Kindern das Fest nicht zu verderben. Das wollte auch keiner. Der Protest blieb stumm. Dutzende kehrten dem weißen Bischof und seinem Gefolge demonstrativ den Rücken zu.

Für die Kinder beginnt mit dem Einzug des Sinterklaas das große Warten auf die Bescherung am 5. Dezember. Die nächsten drei Wochen stehen im Zeichen von „Sint und Piet“. Pfeffernüsse werden verteilt, Wunschzettel geschrieben und Lieder gesungen. Die Kinder dürfen abends ihre Schuhe an den Kamin stellen, in der Hoffnung, dass die lustigen Pieten durch den Schornstein rutschen und Süßigkeiten bringen.

Doch für viele dunkelhäutige Niederländer ist diese Zeit eine einzige Kränkung. Sie fühlen sich an die Sklaverei erinnert, die die Niederlande als eine der letzten Kolonialmächte erst vor 150 Jahre abschafften. Mit den bunten Pumphosen, der Kappe mit der großen Feder, vor allem aber dem tiefschwarz angemalten Gesicht, den dicken rot geschminkten Lippen, der Kraushaar-Perücke und den goldenen Ohrringen ähneln die Pieten auch den Mohren, mit denen sich reiche Kaufleute im 17. und 18. Jahrhundert schmückten.

Der Zwarte Piet ist für die Kritiker das Symbol für die tägliche Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt, in Diskotheken oder durch die Polizei. „Aber unser Protest wird nie gehört“, sagte der 27-jährige Roy in Amsterdam. Auf seinem T-Shirt war ein Bild eines Piet rot durchgestrichen, darüber stand: „Zwarte Piet ist Rassismus“.

Der Protest sollte nicht die Kinder treffen, sondern die Eltern zum Nachdenken anregen. Doch die meisten wollen davon nichts wissen. Über zwei Millionen unterzeichneten eine „Pietion“ für den Erhalt der Figur. Tausende reagierten wütend im Internet. „Geh doch zurück in dein eigenes Land“, mussten die Kritiker auf den sozialen Netzwerken lesen. Bei einer Pro-Piet-Demonstration wurde sogar eine dunkelhäutige Frau ohne ersichtlichen Grund angegriffen.

Auch UN-Experten untersuchen den Rassismus-Vorwurf. Das empört die meisten Niederländer. Piet sei nur schwarz, weil er durch die Schornsteine klettere. Außerdem sei er kein Sklave, sondern ein wichtiger Nikolaus-Helfer. Das stimmt: Schließlich sind die Pieten dafür verantwortlich, dass alle Päckchen an die richtige Adresse kommen.

Auch die niederländische Regierung stellte sich auf die Seite der Piet-Freunde. „Die Niederlande sind nicht rassistisch“, erklärte der stellvertretende Ministerpräsident Lodewijk Asscher.

Der Amsterdamer Bürgermeister aber nimmt die Proteste ernst. „Sinterklaas ist ein Fest für alle, und wenn sich Amsterdamer ausgeschlossen fühlen, müssen wir das ernst nehmen“, sagte van der Laan. Die Pieten sollen bunter werden, versprach er.

Viele Eltern hatten jetzt schon dem guten Heiligen Mann gezeigt, wie das geht. Ihre Kinder waren nicht schwarz, sondern blau, rot oder in allen Farben des Regenbogens geschminkt. Und das ist „superleuk“ (supertoll), sagte die sechsjährige Anniek, die von den Schultern ihres Vaters aus den besten Blick hatte.

Trotz aller Proteste konnten die Kinder aufatmen: Der Sinterklaas und die Pieten sind im Land. Und das Boot überstand die stürmische Fahrt. Das ist wichtig. Denn darauf liegen die Geschenke.

dpa

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