Polizei kündigt Stürmung von Banden-Hochburg an

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Rio de Janeiro - Die Lage in Rio de Janeiro spitzt sich zu: Viele Bewohner eines von Drogenbanden besetzten Elendsviertels sind angesichts der bevorstehenden Erstürmung durch Polizei und Militär bereits geflüchtet.

Eine Kapitulationsfrist für die Bandenmitglieder lief am Samstag bei Sonnenuntergang ab. In der Nacht zum Sonntag blieb es ruhig. Zum ersten Mal seit einer Woche brannten keine Fahrzeuge, es waren nur vereinzelt Schüsse zu hören.

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Ein Bataillonskommandeur der Polizei kündigte die Stürmung des Viertels Alemão für den (heutigen) Sonntag an. Hunderte von Polizisten und Soldaten blockierten die 44 Zufahrtswege zu Alemão, ein Komplex von Dutzenden Slums mit mindestens 85.000 Bewohnern. Sie lieferten sich am Samstag immer wieder heftige Feuergefechte mit den schätzungsweise 600 verschanzten Bandenmitgliedern, darunter 200, die nach der Erstürmung eines benachbarten Elendsviertels am Donnerstag nach Alemão geflüchtet waren.

Bewohner flüchten

Viele Bewohner von Alemão verließen am Samstag das Viertel, um sich vor der erwarteten Stürmung in Sicherheit zu bringen. Sie nahmen nicht nur Kleidung, sondern ihre gesamte Habe mit, auch Stühle und Waschmaschinen.

Bevor die Sicherheitskräfte aber zum Sturm auf Alemão ansetzten, gab die Polizei den Mitgliedern der Drogengangs Gelegenheit, sich zu ergeben. "Wir wollen kein Blutbad", sagte Polizeisprecher Henrique Lima Castro Saraiva. Doch wenn sie Krieg wollten, werde man darauf mit allen zu Verfügung stehenden Kräften reagieren. Die Gangmitglieder hätten keine Chance: Sie seien müde, hungrig, durstig und mit den Nerven am Ende und hätten keine Möglichkeit, neue Waffen zu besorgen. Man habe am Fuß des Hügels, auf dem das Viertel liegt, eine Zone eingerichtet, in der sich die Kriminellen der Polizei stellen könnten.

Mindestens 16 Bandenmitglieder haben sich ergeben

Bis Samstagnachmittag hatten sich 16 Bandenmitglieder der Polizei ergeben, darunter laut Behördenangaben auch ein Mann, der mutmaßlich die rechte Hand des Drogenbosses von Alemão ist. Zwei Männer wurden angeschossen, als sie zu flüchten versuchten. Sechs Frauen oder Freundinnen von Drogenhändlern wurden festgenommen. Zehn Häftlinge, die verdächtigt werden, hinter den Raubüberfällen Anfang der Woche zu stecken und Autos in Brand gesetzt zu haben, wurden in Hochsicherheitsgefängnisse außerhalb Rios gebracht. Mit den Gewaltakten sollten Bewohner in Angst und Schrecken versetzt und die Polizei abgehalten werden, sich einzumischen.

Der Einsatz der Sicherheitskräfte ist Teil der Regierungsbemühungen, Rio de Janeiro auch mit Blick auf die Fußball-WM 2014 und die Olympischen Spiele 2016 sicherer zu machen. Seit (vergangenem) Sonntag errichteten die Banden Straßenbarrikaden, raubten Autofahrer aus und zündeten über 100 Autos und Busse an. Am Donnerstag hatte die Polizei in einer von rund 800 Soldaten unterstützten Offensive das Elendsviertel Vila Cruzeiro unter ihre Kontrolle gebracht.

"Die Zeit, sich den Risiken zu stellen"

"Das ist nicht der Augenblick, um Risiken zu vermeiden, sondern sich ihnen zu stellen", erklärte Verteidigungsminister Nelson Jobim am Samstag. Dafür mobilisiert die Regierung alle Kräfte. Neben der örtlichen Polizei sind auch Spezialeinheiten der Bundespolizei und 800 Soldaten im Einsatz. Die in Rio eingesetzten Soldaten seien in Konfliktlösung ausgebildet und hätten bereits in Haiti gedient, erklärte Militärsprecher Enio Zanan. Zwei weitere Bataillone mit jeweils 800 Mann stünden bereit.

Seit Ausbruch der Gewalt sind nach Behördenangaben 35 Menschen ums Leben gekommen, die meisten davon sollen Bandenmitglieder gewesen sein. Das öffentliche Leben ist unterdessen fast vollständig zum Erliegen gekommen.

Von Juliana Barbassa, dapd

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