Pakistan: Massenflucht aus Hochwassergebieten

Kot Addu/Pakistan - Vor dem Jahrhunderthochwasser in Pakistan sind Tausende von Menschen auf der Flucht.

Die Wassermassen der von verheerenden Monsunregenmengen angeschwollenen Flüsse erreichen nunmehr auch die bevölkerungsreichste Provinz Punjab. Die Streitkräfte beteiligen sich zunehmend an der Evakuierung und Versorgung von Menschen. Die Kritik am Umgang der Regierung mit der Katastrophe nimmt aber zu: Hilfe erreiche notleidende Menschen zu spät oder gar nicht, sagen viele Flutopfer. Mehr als vier Millionen Pakistaner sind bereits von dem Hochwasser betroffen, das vor allem vom im Himalaya entspringenden Indus durchs Land gespült wird. Mehr als 1.500 Menschen kamen nach amtlichen Angaben vom Donnerstag in der vergangenen Woche ums Leben, zudem droht der Ausbruch von Krankheiten wie Cholera.

Im pakistanischen Teil Kaschmirs stürzte ein Bus in einen Hochwasser führenden Fluss; mindestens 20 Menschen kamen nach Behördenangaben Die Katastrophe erfasste zunächst den weniger dicht besiedelten Nordwesten, in dem die Streitkräfte gegen Taliban und Al-Kaida-Zellen kämpfen. Reporter der Nachrichtenagentur AP haben US-Militärhelikopter dabei beobachtet, wie sie Hunderte Menschen aus einem Ort in den Bergen des Swat-Tals ausgeflogen haben. Dort waren sie seit Tagen von der Welt abgeschnitten. Ein Sprecher der US-Botschaft sagte, insgesamt seien US-Hubschrauber zwölf Einsätze geflogen. In der Region ist es die folgenschwerste Überschwemmung seit 1929. In der Provinz Sindh wird es Prognosen zufolge das größte Hochwasser seit 34 Jahren werden.

Ganze Landstriche nur aus der Luft zu erreichen

Der Heereskommandeur im Punjab, General Nadir Zeb, sagt, viele Flutopfer hätten Hochwasserwarnungen ignoriert. Sie hätten die Gefahr erst erkannt, als die Wassermassen ihre Städte und Dörfer erreichten. “Sie haben ihr Leben aufs Spiel gesetzt, aber wir erreichen sie“, erklärt der General. Angesichts weggespülter Brücken und Straßen ist das oft ein langwieriger Kampf. Aus dem Ausland trifft Hilfe ein, aber sie ist nur schwer zu den betroffenen Menschen zu bringen. In Punjab trieben die Wassermassen hunderte Menschen mit ihren letzten Habseligkeiten in die Flucht.

Hochwasser in Pakistan

Hochwasser in Pakistan

Viele Menschen trugen Töpfe und Pfannen mit sich, andere hatten ihre Kinder auf dem Arm. In der Region Sindh leben Hunderttausende der ärmsten Pakistaner in den flutgefährdeten Gebieten direkt am Fluss. Sie können es sich nicht leisten, in höhergelegenen und sichereren Gebieten zu wohnen. Die Streitkräfte hätten mit 30 Booten begonnen, eine halbe Million Menschen entlang des Flusses Indus in Sicherheit zu bringen, sagte Sauleh Farooqi, der Katastrophenschutzbeauftragte der Provinz. Für sie seien 400 Flüchtlingslager eingerichtet worden. Zudem würden die vom Regen aufgeweichten Deiche verstärkt.

Berater verteidigt Europareise des Präsidenten

Zusätzliche Kritik gegen die Regierung brachte unterdessen die Europareise von Präsident Asif Ali Zardari. “In Zeiten einer solchen Katastrophe brauchen die Menschen das Gefühl, dass ihre Führer zu ihnen stehen“, hieß es im Leitartikel der Zeitung “News“. Zardari ist zu einem fünftägigen Besuch in Europa. Sein Berater Farahnaz Ispahani verteidigte die Reise mit dem Hinweis, dass Zardari nach gerade wirksam gewordenen Verfassungsänderungen viele seiner Vollmachten an den Ministerpräsidenten abgegeben habe und nun eher repräsentative Pflichten habe.

Insbesondere bei seinen Gesprächen in London gehe es um die langfristige Zukunft des Landes. “Die Regierung muss ihre Geschäfte weiter führen, damit die Nation weiter vorankommt“, sagte Ispahani. “Das mag nicht für die Galerie sein, wir können aber bei einer Katastrophe nicht alles zum Stillstand kommen lassen - insbesondere in einer parlamentarischen Demokratie mit einem Ministerpräsidenten und einem Kabinett.“

dapd

Rubriklistenbild: © dpa

Verabschiedung der „Churchville"-Diakonin Sarina Salewski 

Verabschiedung der „Churchville"-Diakonin Sarina Salewski 

XXL-Faschingsparty in Bothel

XXL-Faschingsparty in Bothel

Retter geben Hoffnung auf Lawinen-Überlebende nicht auf

Retter geben Hoffnung auf Lawinen-Überlebende nicht auf

Werder-Training am Sonntag

Werder-Training am Sonntag

Meistgelesene Artikel

Nach Amokfahrt: Säugling erliegt seinen Verletzungen

Nach Amokfahrt: Säugling erliegt seinen Verletzungen

Auto rast in Menschenmenge: Viertes Opfer gestorben

Auto rast in Menschenmenge: Viertes Opfer gestorben

Lawine trifft Hotel in Erdbebengebiet - Viele Tote

Lawine trifft Hotel in Erdbebengebiet - Viele Tote

Bus wird bei Verona zur Todesfalle: Heldenhafter Sportlehrer

Bus wird bei Verona zur Todesfalle: Heldenhafter Sportlehrer

Kommentare