Mit Sandsäcken durch die Nacht

Ostfriesland: Angst vor der Sturmflut

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Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks befüllen Sandsäcke auf der Insel Norderney. Die Angst vor der Sturmflut wächst mit jeder Stunde.

Norderney/Borkum - Auf den ostfriesischen Inseln wächst die Angst vor der Sturmflut und um das eigene Heim. Denn die Bewohner wissen: Die Sturmböen waren erst der Anfang des Orkans.

Banges Warten auf das nächste Hochwasser: Wie schlimm trifft der Orkan „Xaver“ mit seinen Sturmfluten die ostfriesischen Inseln und das Festland? Mit Wucht erreichen die ersten schweren Sturmböen am Donnerstagmittag die niedersächsische Insel Norderney. Regen und Hagel peitschen durch die Luft, am Strand sorgt Flugsand für tränende Augen. Durch die verlassenen Straßen fliegen Plastiktüten. „Diese Böen sind erst die Vorboten, der eigentliche Orkan kommt später“, sagt der Wetterbeobachter Frank Kahl vom Deutschen Wetterdienst (DWD) auf Norderney.

Zwei Inseln weiter westlich macht sich Borkums Bürgermeister Georg Lübben (parteilos) langsam Sorgen: „Wir hoffen immer noch, dass die Sturmflut-Prognosen so nicht eintreffen.“ Aus Sicherheitsgründen sollte am Nachmittag das Hafenviertel mit 200 Bewohnern evakuiert werden. Damit ist der Hafen von der Ortschaft abgeschnitten - und die Insel vom Festland, denn die Borkum-Fähren von Emden haben ihren Betrieb eingestellt.

Keine Prognose über den Ausgang möglich

Bis zum Nachmittag sind noch keine Schäden auf Borkum bekannt, doch Lübben fürchtet ähnliche Folgen wie beim Orkan „Christian“ im Oktober. Damals wütete der Sturm mit Rekord-Geschwindigkeiten von bis zu 191 Kilometern pro Stunde auf der Insel und deckte etliche Häuser ab. „Wenn sich das wiederholt, werden wir hier ein richtiges Problem haben.“ Angesichts derartiger Naturgewalten wagt Lübben keine Prognosen über den Ausgang des Orkans: „Wir haben alles Menschenmögliche getan. Aber vor Gericht und auf hoher See weiß man nie.“

Auf Norderney läuft das erste Hochwasser des Tages am Mittag noch gemäßigt auf. Nur noch wenige Spaziergänger beobachten am Weststrand fasziniert die hoch aufspritzende Gischt. Wer nicht draußen sein muss, verkriecht sich jetzt im Haus.

Gefahrenzonen mit Sandsäcken sichern

Nicht so die Bauarbeiter des Technischen Dienstes: Sie schaufeln einen riesigen Haufen Sand durch Trichter in handliche Säcke. 200 Sandsäcke stehen schon bereit, dazu noch große sandgefüllte Taschen - diese Big Packs wurden in den Hochwassergebieten an der Elbe zum Stopfen von Löchern im Deich bekannt. „Wir brauchen noch viel mehr, daher arbeiten wir noch bis zum späten Abend“, sagt ein Helfer.

Hans Rass von der Tourismusgesellschaft Staatsbad Norderney sorgt sich um das schicke Lokal „Badehalle“ direkt hinter der Promenade: Der erst in diesem Jahr eröffnete Neubau steht in der Gefahrenzone und muss mit Sandsäcken gesichert werden. Ist das Gebäude vielleicht doch zu nah am Wasser gebaut? „Nein“, sagt Rass, aber das ist jetzt eine besondere Situation. Sie erinnert an die schreckliche Sturmflut von 1962, aber es gibt einen Unterschied: Die Deiche sind jetzt höher.

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dpa

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