Auf der Insel im Nordatalantik ereignen sich Eruptionen dieser Art etwa alle fünf Jahre

Vulkanausbruch auf Island: Experten können Dauer der Eruption nicht vorhersagen

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Reykjavik. In der ersten Phase des Eyjafjallajökull-Ausbruchs vom 14. bis 17. April hat der Vulkan an der isländischen Südküste bis zu 700 Tonnen Asche pro Sekunde bis zu neun Kilometer in die Höhe geschickt.

Das haben die Experten in der isländischen Zivilschutzzentrale in Reykjavik ausgerechnet, von wo aus die Eruption beobachtet und in allen Details aufgezeichnet wird. Im Gegensatz zu anderen Vulkanausbrüchen, die auf Island im Durchschnitt alle fünf Jahre vorkommen, legte der Eyjafjallajökull aber zeitweise fast den gesamten europäischen Flugverkehr lahm.

Dafür gibt es zwei Gründe: Starke Winde trieben die Asche direkt in den Luftraum über Großbritannien und dem europäischen Festland, zudem ist die Asche dieses für isländische Verhältnisse eher kleinen Ausbruchs extrem fein und mikroskopisch klein, sinkt deshalb nur langsam zum Boden zurück und bedroht dadurch die Triebwerke der Flugzeuge. Inzwischen spuckt der Vulkan nur noch zwischen sechs und zehn Prozent der Asche aus der ersten Eruptionsphase, die Wolke erreicht nur noch eine Höhe von drei bis vier Kilometer.

Wie lange der Ausbruch dauert, ist völlig ungewiss. Sigurlaug Hjaltadóttir vom Iceland Met Office: "Jede Vorhersage könnte falsch sein, es ist einfach nicht möglich. Wir verstehen so wenig und versuchen, von dem Ausbruch zu lernen." Im Jahr 1821 dauerte der Eyjafjallajökull-Ausbruch zwei Jahre. Andere Ausbrüche etwa des viel aktiveren Hekla-Vulkans dauerten mal nur drei Tage, mal acht bis neun Jahre. Agúst Gunnar, Chef der Zivilschutzbehörde, beruhigt: "Das ist nur ein kleiner Ausbruch, nichts besonderes." Und auch Vulkan-Expertin Gudrun Nina Petersen dämpft die Angst vor einem von vielen befürchteten Ausbruch des benachbarten und wesentlich größeren Katla-Vulkans: Zwischen den Magmakammern beider Vulkane gebe es keine Verbindung. Erfahrungsgemäß gebe es alle 400 Jahre einen großen Katla-Ausbruch, etwa alle 40 Jahre einen kleineren. "Fällig" wäre Katla mit einer kleineren Eruption danach wieder im Jahr 2020. Doch selbst wenn Katla aktiv würde, rechnen die isländischen Vulkanologen nicht mit ähnlich fatalen Auswirkungen auf den europäischen Flugverkehr.

Katlas Asche ist schwerer und grobkörniger und würde deshalb schneller zu Boden sinken. Überhaupt gehen die Isländer sehr gelassen mit dem jüngsten Vulkanausbruch um. Im etwa 100 Kilometer westlich davon liegenden Reykjavik spielt er praktisch keine Rolle. Ein 45-jähriger Isländer erzählt, er habe in seinem Leben schon 23 Ausbrüche gezählt. Von Angst oder auch nur Sorge jedenfalls ist überhaupt nichts zu spüren. Am Wochenende wollen viele Isländer auf der Ringstraße 1 zum Vulkan fahren, um sich das spektakuläre Naturschauspiel in nur vier Kilometer Entfernung anzuschauen.

Deutlich zu sehen sind gewaltige Lavabrocken, die hoch in die Luft geschleudert werden und dann scheinbar wie in Zeitlupe wieder nach unten sinken. Die stetig hervorquellende Aschewolke ist mal von hellem Grau, mal fast schwarz. Dazwischen steigen dort, wo die flüssige Lava das Gletschereis schmilzt, dicke Wolken weißen Dampfes empor. Beim Ausbruch Mitte April ergoss sich ein gewaltiger Strom von Gletscherwasser ins Tal und staute sich vor dem Damm, auf dem die Ringstraße 1 verläuft.

Um Überflutungen der Bauernhöfe und einen Abfluss zum Meer zu ermöglichen, wurde die isländische Hauptverkehrsader - sie hat das Format einer nordhessischen Landesstraße - an drei Stellen aufgerissen. Inzwischen wurden die Durchlässe wieder notdürftig geflickt, so dass der Südosten der Insel wieder erreichbar ist. Stärker betroffen sind die Landwirte am Fuße des Vulkans, deren Felder teilweise mit einer vier Zentimeter dicken Ascheschicht bedeckt sind und die wohl ihre Ernte für dieses Jahr abschreiben können.

Zwar wächst schon frisches Grün aus der Asche, doch vermutlich können die Felder nicht geerntet sondern müssen umgepflügt werden. Rund 2000 Quadratkilometer im Süden der Insel sind von der Asche betroffen, das sind zwischen zwei und drei Prozent der Fläche Islands. Die Hilfsbereitschaft der Isländer für die betroffenen Bauern ist riesig. Weil Häuser und Autos zentimeterdick von der zähen, klebrigen Masse bedeckt waren, boten hunderte von Isländern ihre Hilfe dabei an, der schwarzen Pampe mit Hochdruckreinigern zu Leibe zu rücken. So viele waren es schließlich, das die Bauern das Heer der Helfer kontingieren mussten. Inzwischen leuchten die Häuser wieder weiß unter der dunklen Aschewolke, die drohend über sie hinweg zieht. 

Aus Reykjavik berichtet HNA-Redakteur Thomas Stier

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