Keine Lösung für Ölpest: Experten ratlos

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Der erste Versuch das Ölleck mit einer Stahlkuppel abzudichten war kein Erfolg.

Washington - Im Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko ist auch nach drei Wochen keine schnelle Lösung in Sicht. Die Experten suchen fieberhaft nach einem Ausweg.

Selbst der neue Plan, eine kleine Stahlglocke über das Bohrloch in 1500 Metern Tiefe zu stülpen, ist bestenfalls eine Zwischenlösung - wenn es denn gelingen sollte. Die Öl-Experten suchen eine Lösung, wägen Vor- und Nachteile ab und müssen doch immer wieder ihre Ratlosigkeit eingestehen.

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Unterdessen verlieren die Amerikaner die Geduld. Ken Salazar, Innenminister der USA, spricht bereits öffentlich vom “worst case scenario“. Bis August könnte es demnach dauern, bis das Bohrloch geschlossen und der Ölfluss gestoppt ist. Normalerweise meiden Politiker solch düstere Prognosen wie der Teufel das Weihwasser - ein Zeichen, wie ernst die Lage ist.

Der Kampf gegen die Ölpest

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In Wahrheit ist den Experten nicht einmal richtig klar, wie es zu der Explosion der “Deepwater Horizon“ kam. “Wir wissen heute noch nicht genau, was in der Nacht zum 20. April passiert ist“, räumte Lamar McKay, Chef von BP-USA, in einer Anhörung in Washington ein.

Nach dem Scheitern von “Plan A“, das ausströmende Öl durch eine riesige, 13 Meter hohe Stahlkuppel aufzufangen und dann abzusaugen, konzentrieren sich die Bemühungen jetzt im Kern auf drei Alternativen. Doch die Risiken sind erheblich. “Wir richten jeden Versuch so aus, dass er erfolgreich ist, doch wir planen auch ein Scheitern ein“, gibt ein Experte offen zu. Klingt nicht sonderlich optimistisch.

“Option B“ heißt “top hat“ - Zylinder. In der Nacht zum Mittwoch wurde eine kleine, lediglich 1,50 Meter hohe Stahlbeton-Glocke in die Tiefe gelassen. Sie sollte über dem größten Leck platziert werden. Die Verantwortlichen hoffen, dass sich ein Desaster wie bei der großen Kuppel nicht wiederholt. In deren Inneren hatten sich Kristalle aus Öl und eiskaltem Wasser abgesetzt. Die hätten verhindert, dass das Öl abgesaugt werden kann.

Diesmal soll die kleine Glocke mit Warmwasser beheizt werden, das durch Rohre in die Tiefe geleitet wird. Vermutlich am Wochenende wird man sehen, ob es klappt. Der Haken: Noch niemals zuvor wurde ein solches Unternehmen in derartiger Tiefe versucht. Und die Glocke kann nicht alles ausströmende Öl auffangen. Zudem handelt es sich nur um eine Zwischenlösung - das Bohrloch bleibt weiter unverschlossen.

Hier wird die Stahlbetonkuppel abgesenkt

Hier wird die Stahlbetonkuppel abgesenkt

“Option C“ heißt “Junk Shot“ - Müll-Beschuss. Dabei wird das Ventil, das sich bei dem Ölunfall am 20. April nicht wie geplant geschlossen hatte, mit einem Gummigemisch etwa aus zerkleinerten Autoreifen und Golfbällen unter hohem Druck “beschossen“. Größere Gummiteile kommen zuerst, dann kleinere. Das Ventil soll auf diese Weise verstopft werden, in einem nächsten Schritt wird Schlamm in das Bohrloch gepresst. Der Haken: Experten gehen davon aus, dass das Ventil bereits teilweise geschlossen ist und der Beschuss es auch weiter aufreißen könnte. “Bei jedem dieser Schritte müssen wir die Risiken abwägen, ob wir die Dinge schlimmer machen“, meint ein Ölbohrer. Das Unternehmen, auch “top kill“ genannt, könnte erst Ende nächster Woche über die Bühne gehen.

“Option D“ gilt als die verlässlichste Variante - ist aber auch die mit Abstand langwierigste. Parallel zum Bohrloch wird eine zweite Leitung in die Tiefe gebohrt. Gut 4000 Meter unter dem Meeresboden muss die Parallelbohrung die bestehende Leitung kreuzen. Dort wird dann Schlamm und Zement in die Leitung gepresst- und das Leck somit versiegelt. Bereits vergangene Woche haben Arbeiter rund 800 Meter vom Leck entfernt mit einer ersten Entlastungsbohrung begonnen. Zur Sicherheit soll nächste Woche eine zweite Bohrung gestartet werden. Der Haken: Es ist eine extrem schwierige Präzisionsarbeit. Die bestehende Leitung hat in dieser Tiefe einen Durchmesser von weniger als 18 Zentimetern. Vermutlich sind mehrere Versuche notwendig. Und: Das Unternehmen dauert 80 bis 90 Tage, rund drei Monate also.

Noch vor kurzem haben die Verantwortlichen der Ölindustrie die angebliche Sicherheit und Umweltverträglichkeit ihrer neuen Technologien gepriesen. “Drill, baby, drill“, lautete der schrille politische Schlachtruf nach mehr Off-Shore-Bohrkonzessionen. Jetzt räumen die Experten kleinlaut ein, mit Gegenmitteln für einen Unfall in dieser Tiefe keinerlei Erfahrung zu haben. Die “New York Times“ schreibt dazu pikiert: “Jetzt, wo die Hoffnungen schwinden, den Ölfluss im Golf von Mexiko in Kürze einzudämmen, fragen sich immer mehr Leute, warum die Industrie nicht besser vorbereitet war.“

dpa

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