Öl-Katastrophe: Notstand für Teile Floridas erklärt

Washington - Floridas Gouverneur Charlie Crist angesichts der Ölpest für Teile seines Bundesstaates den Notstand erklärt. Den USA droht die schlimmste Ölkatastrophe in der Geschichte des Landes.

Betroffen seien sechs an der Küste gelegene Landkreise im Nordwesten, dem sogenannten Panhandle, teilte das Büro des Gouverneurs am Freitag mit. Erst am Vortag war der Notstand für den weiter westlich gelegenen Bundesstaat Louisiana erklärt worden. Dadurch können nun rasch Bundeshilfen fließen.

In Louisiana forderte unterdessen Gouverneur Bobby Jindal die Unterstützung der Nationalgarde im Kampf gegen die Ölpest an. Beim Verteidigungsministerium beantragte er am Freitag die Finanzierung des Einsatzes von bis zu 6000 Soldaten für mindestens 90 Tage.

In der Gegend um Venice ganz im Süden Louisianas berichteten Augenzeugen, dass öliges Wasser durch die raue See über die ausgelegten Barrieren schwappe. “Sie halten das Öl nicht draußen“, sagte der Chef des Landkreises Plaquemines Parish, Billy Nungesser, der Zeitung “Times-Picayune“ nach einem Flug über die Gegend. “Es wird schlimmer werden, bevor sich eine Besserung einstellt.“ Die ruppige See habe sogar eine Öl-Barriere versenkt.

Angst vor schlimmster Katastrophe

Der US-Küste droht aus Sicht von Umweltschützern die schlimmste Ölkatastrophe in der Geschichte des Landes.

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Sie befürchteten am Freitag, die Ölpest im Golf von Mexiko könne verheerender werden als das Tankerunglück der “Exxon Valdez“ 1989 in Alaska. Naturschutzgebiete im Mississippi-Delta werden von den Ölmassen gefährdet, die am frühen Freitag die Küstengewässer des US-Bundesstaates Louisianas erreichten. Das Öl sprudelt aus mehreren Lecks einer Ölleitung der gesunkenen Plattform “Deepwater Horizon“ Das Unglück der “Exxon Valdez“ gilt als die bisher schlimmste Ölpest der USA. Hunderttausende Vögel und Fische sowie tausende Säugetiere starben. Die Folgen sind bis heute zu spüren.

Ölteppich erreicht Küste von Louisiana

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“Wir sind hier auf das Schlimmste vorbereitet“, sagte die Sprecherin der Wildschutzbehörde von Louisiana, Laura Deslatte. Experten befürchten, dass sich die rostbraune Öl-Masse übers Wochenende ihren Weg bis nach Florida bahnt. US-Präsident Barack Obama geriet unterdessen wegen seiner Ölbohrpläne in die Kritik.

Der US-Präsident unterstrich in Washington, dass der britische Ölkonzern BP für die entstehenden Kosten der Ölpest im Golf von Mexiko aufkommen muss. Der Energiekonzern erklärte am Freitag, man wolle die “volle Verantwortung“ für den Ölteppich übernehmen. Das Unternehmen werde “saubermachen“ und “rechtmäßige Schadensersatzforderungen“ akzeptieren, sagte ein Sprecher. Das Unternehmen sei per US-Gesetz dazu verpflichtete, die Kosten zu tragen.

Obama erklärte im Weißen Haus, seine Regierung werde weiterhin alles zur Bereinigung der Katastrophe beitragen, was nötig sei. 1900 staatliche Helfer seien bereits am Golf von Mexiko stationiert. 300 Schiffe und Flugzeuge seien vor der Küste Louisianas im Einsatz. Außerdem würden sämtliche Ölplattformen vor den US-Küsten derzeit auf ihre Sicherheit überprüft.

Obama reiste zunächst nicht in die Region, sondern schickte Heimatschutzministerin Janet Napolitano, Innenminister Ken Salazar und die Chefin der US-Umweltbehörde EPA, Lisa Jackson. Sie sollten sich einen Überblick über das Ausmaß des Desasters verschaffen, das am Vortag als Katastrophe “nationalen Ausmaßes“ eingestuft worden war.

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Umweltschützer zeigten sich besorgt über die Lage im Golf von Mexiko. “Das ist ein Desaster, jenseits jeden Ausmaßes, das ich je erlebt habe“, sagte ein Experte der Ozean-Gesellschaft in San Francisco, Stan Minasian, in US-Medien. Auch die Fischerei- und Tourismus-Industrie verfolgen die Entwicklung mit großer Sorge, sie sehen erneut ihre Existenz bedroht. Die US-Bundesstaaten Louisiana, Mississippi, Florida, Georgia und Alabama waren im August 2005 vom Hurrikan “Katrina“ heimgesucht und schwer verwüstet worden.

An der Küste Louisianas bereiteten sich Biologen auf die Rettung von ölverschmierten Tieren vor, sagte Wildschutzexpertin Deslatte. “Wir durchforsten die Region nach Tieren, die durch das Öl in Not geraten“, sagte sie. Spezielle Stationen seien zur Säuberung eingerichtet worden.

Tausende Helfer waren an Land im Einsatz. Das Wetter arbeitete gegen sie: Starke Winde und eine raue See trieben den Ölteppich voran und verhinderten die Säuberungsarbeiten auf dem Meer. “Auch heute wird es nicht möglich sein, mit dem Abfackeln des Ölfilms fortzufahren“, sagte ein Sprecher der Küstenwache, Michael Abendhoff.

Bereits am Vortag hatten die Helfer Pläne aufgegeben, den auf die Küste zutreibenden Ölteppich durch kontrollierte Brände aufzulösen. Er war am Freitag bis zu 72 Kilometer breit und bis zu 160 Kilometer lang. Hohe Wellen trieben das Öl auf das von Menschen unbewohnte Wildschutzgebiet Pass-A-Loutre am Mississippi-Delta zu. Nach Berechnungen der Meeresbehörden könnte der Ölteppich über das Wochenende die Küsten Mississippis und Alabamas erreichen. Die bislang verlegten Barrieren mit einer Länge von 61 Kilometern reichten nach Angaben der Experten längst nicht aus, um das Öl von Louisianas Küste fernzuhalten.

75 Schiffe lagen am Morgen bereit, um die Mischung aus Öl und Wasser aus dem Meer abzusaugen. Bislang hätten diese Schiffe rund 2800 Tonnen abpumpen können, so die Küstenwache. Hilfstrupps haben nach Angaben des Heimatschutzministeriums bis Freitag 380 000 Liter an chemischen Mitteln ins Meer gekippt, um das Öl zu zersetzen.

Tausende Kilometer nördlich, in der Hauptstadt Washington, wurde am Freitag eine Frage immer lauter: “Was ist falsch gelaufen?“ In die Schusslinie gerieten nicht nur der Ölkonzern BP und der Plattformbetreiber Transocean, sondern vor allem Obama. Der US- Präsident, der als Verfechter grüner Energien angetreten war, hatte Umweltschützer vor einem Monat vor den Kopf gestoßen, als er grünes Licht für Ölbohrungen vor der US-Küste gab. Der demokratische Senator aus Florida, Bill Nelson, kritisierte Obama am Freitag. “Stoppen sie den Fünfjahresplan für Bohrungen vor der Küste“, forderte er.

Auslöser der Ölpest ist der Untergang der BP-Bohrinsel “Deepwater Horizon“ vor gut einer Woche. Seitdem tritt das Rohöl in 1500 Metern Meerestiefe aus mehreren Lecks aus. Nach Schätzungen der US-Behörde für Ozeanographie laufen täglich etwa 700 Tonnen Öl ins Meer. Wenn es weiter in diesen Mengen sprudelt, dauert es keine zwei Monate, bis das Ausmaß der “Exxon-Valdez“-Katastrophe an der Südküste Alaskas erreicht ist.

Damals flossen 40 000 Tonnen Rohöl aus. Es verschmutzte eine einmalige, weitgehend unberührte Landschaft. Rund 2000 Kilometer Küste waren betroffen. Auch heute - 21 Jahre nach der Katastrophe - sind in der Region noch die Folgen zu spüren, Tiere werden schleichend vom Gift noch immer vorhandener Ölreste getötet.

dpa

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