Norwegen trauert um Opfer von Terroranschlägen

Oslo - Einen Monat nach den Terroranschlägen von Anders Breivik gedenkt Norwegen in einer offiziellen Trauerfeier der insgesamt 77 Opfer. Einige Angehörige und Betroffene besuchten die Todesinsel.

Norwegen gedenkt in einer offiziellen Trauerfeier der 77 Opfer der Terroranschläge vom 22. Juli. Die Feier in der “Oslo Spektrum“ Arena bildet an diesem Sonntag den Abschluss der offiziellen Trauerperiode. Für Ministerpräsident Jens Stoltenberg ist die Zeremonie ein wichtiger Schritt, um das Geschehene zu verarbeiten: “Es ist die einzige Gelegenheit, wo alle Trauernden aus dem ganzen Land zusammenkommen.“ An der Trauerfeier werden auch Mitglieder der nordischen Königshäuser, Überlebende und Vertreter der Rettungskräfte teilnehmen.

Am Freitag und Samstag hatten Angehörige und Überlebende die Gelegenheit, die Attentatsorte in der Osloer Innenstadt und auf der Ferieninsel Utøya zu besuchen. Rakel Birkeli, 17, eine Überlebende des Massenmords im Jugendcamp, besuchte Utøya mit ihrer Mutter: “Ich habe meiner Mutter gezeigt, wo ich hingelaufen bin. Sie war überrascht dass es so wenige Orte gab, wo man sich verstecken konnte“, sagte sie.

Für die Trauerfeier waren Auftritte der Sopranistin Sissel Kyrkjeboe, der Hip-Hop-Gruppe Karpe Diem und des norwegischen Radioorchesters geplant. Und auch die bekannte Popband A-ha sollte bei der Zeremonie noch einmal gemeinsam auftreten.

Auch im Internet gedachten die Menschen der Opfer der Anschläge. Auf der Onlineplattform Twitter sollte ein “Licht für die Demokratie entzündet werden“. Jedes Mal wenn ein Nutzer den Namen der Insel Utöya schrieb, erschien auf der Internetseite light4utoya.net ein neues Licht.

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“Aber es gibt auch Lachen, gute Geschichten, eine Mischung aus Emotionen.“ Auch der norwegische Ministerpräsident Jens Stoltenberg besuchte die Insel. Er wolle gemeinsam mit den Menschen trauern und für sie da sein, sagte er. “Ich will da sein als Freund, als Ministerpräsident.“

Der Attentäter Anders Behring Breivik hatte während des Sommerlagers der Jugendorganisation der norwegischen Arbeiterpartei das Feuer auf der Insel eröffnet. Der Leiter der Jugendorganisation, Eskil Pedersen, sagte, es sei unglaublich gut gewesen, die Überlebenden wieder auf Utöya lächeln zu sehen.

Familienangehörige und Freunde der Getöteten durften die Insel bereits am Freitag besuchen. Sie hinterließen Blumen, Kerzen, Fotos und Gedichte, wie Polizeichef Stamnes sagte. Insgesamt wurden bis zu 1.000 Überlebende und Angehörige erwartet. Für sie standen 400 Sanitäter, Polizisten und andere Helfer bereit.

Breivik hat die Tötung der Menschen in Oslo und auf Utöya am 22. Juli eingeräumt. Im juristischen Sinne hält er sich jedoch für unschuldig. Am Freitag verlängerte ein Gericht in Oslo seine Isolationshaft um weitere vier Wochen mit der Begründung, es sei noch immer nicht geklärt, ob Breivik allein gehandelt habe. Der Prozess gegen ihn wird wohl erst im kommenden Jahr beginnen. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu 21 Jahre Haft.

Der norwegische König Harald V. hat bei der Gedenkfeier für die Opfer des Doppelanschlags von Oslo und Utöya den Menschen Mut zugesprochen. Er glaube, dass das Land den Schmerz überwinden könne, sagte er am Sonntag bei der Trauerfeier vor 6.700 Menschen in der Osloer Spektrum-Arena.

“Ich glaube fest daran, dass wir unsere Fähigkeit behalten, frei und offen in unserem Land zu leben“, sagte Harald. Zuvor hatte die Sängerin Susanne Sundfoer die Zeremonie mit dem bekannten norwegischen Lied “Mein kleines Land“ eröffnet.

dpa/dapd

Rubriklistenbild: © dpa

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