Nordspanien wird "Puff von Frankreich"

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Ein Plakat mit jungen Frauen hängt vor dem Paradise-Nachtclub in La Jonquera im Nordosten Spaniens

Madrid - Während der Franco-Diktatur reisten Spanier nach Frankreich, um Sexfilme zu sehen. Heute ist es andersherum: In Nordspanien gibt es immer mehr sündige Lokale, die voll sind mit Franzosen.

Auf den ersten Blick sieht das Etablissement mit seinen bunten Lichteffekten aus wie eine riesige Diskothek. Aber die Mädchen, die in dem ehemaligen Lagergebäude im Grenzstädtchen La Junquera im Nordosten Spaniens tanzen, sind keine Partygängerinnen - sondern Prostituierte. Das kürzlich eröffnete Lokal “Paradise“ ist nach spanischen Presseberichten Europas größtes Bordell. Es verfügt über zwei Show-Säle, Striptease-Bühnen, 80 Séparée-Räume und mehrere Suites. Mehr als 150 Prostituierte bieten ihre Dienste an.

Der Night Club in dem kleinen Ort mit 3100 Einwohnern ist nicht das einzige Großbordell in dieser Gegend. Im Umkreis von nur drei Kilometern gibt es zwei ähnliche Etablissements, die nur unwesentlich kleiner sind. In der Provinz Gerona sind es mehr als ein Dutzend. Das Hinterland der Costa Brava entlang der Grenze zu Frankreich ist zu einer Hochburg für “Sex gegen Geld“ geworden.

Die Entwicklung hat eine einfache Ursache: Im benachbarten Frankreich sind Bordelle verboten. Zudem wird die Straßenprostitution durch ein Gesetz, das der jetzige Staatspräsident Nicolas Sarkozy 2003 als Innenminister durchgesetzt hatte, stark zurückgedrängt. Viele französische Freier fahren daher über die Grenze nach Spanien.

Nach Schätzungen stammen etwa 80 Prozent der Kunden in den spanischen “Makro-Bordellen“ an der Grenze aus Frankreich. Vor einigen Jahrzehnten waren es noch die Spanier gewesen, die sich in umgekehrter Richtung auf den Weg nach Frankreich gemacht hatten, wenn sie Sexfilme sehen wollten. Denn im Spanien der Franco-Diktatur (1939-1975) waren Filme mit erotischen Szenen verboten, darunter auch “Der letzte Tango in Paris“ (1972) von Bernardo Bertolucci mit Marlon Brando und Maria Schneider.

Die spanischen Grenzorte protestierten heftig gegen die vielen Sex-Clubs und Bordelle, denn sie fürchten um den Ruf der Gegend. “Dieses Gebiet ist zum Puff von Frankreich geworden“, klagte Jordi Cabezas, Bürgermeister von La Junquera (katalanisch: La Jonquera). Er hatte sich stets gegen die Eröffnung des “Paradise“ gewehrt, verlor aber den Prozess vor dem obersten Gerichtshof der Region Katalonien.

Der Besitzer des Großbordells, José Moreno, betreibt noch zwei weitere Etablissements dieser Art. “Bei mir wird niemand zur Prostitution gezwungen“, betonte er. “Die Mädchen haben ihre Papiere in Ordnung und bieten ihre Dienste ganz freiwillig an“, meint er. Neben den vielen Bordellen hat sich auf den Landstraßen zwischen La Junquera und der Stadt Figueras ein reger Straßenstrich entwickelt. Die Bürgermeister der betroffenen Orte klagen seit Monaten darüber, dass sie keine rechtlichen Mittel hätten, den Trend zu stoppen.

In Spanien blüht die Prostitution wie in kaum einem anderen Land der EU. Nach Schätzungen existieren rund 5000 Sex-Clubs im ganzen Land. Die Branche setzt pro Jahr mehr als 18 Milliarden Euro um. Der Boom wird dadurch begünstigt, dass in Spanien auf diesem Gebiet ein rechtliches Vakuum besteht: Die Prostitution ist weder legal noch illegal. Das spanische Parlament scheiterte vor drei Jahren mit dem Versuch, die Rechtslücke zu schließen. Die Abgeordneten wollten den käuflichen Sex nicht zu einer legalen Erwerbstätigkeit machen und nach dem Vorbild der Niederlande reglementieren. Sie konnten sich aber auch nicht dazu durchringen, die Prostitution ganz zu verbieten.

dpa

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