Noch keine Entwarnung am Golf von Mexiko

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Das Bohrloch im Golf von Mexiko ist vorerst gestopft. Doch es gibt noch keine Entwarnung für die Dauer.

New Orleans - Knapp drei Monate nach der Explosion der Bohrplattform “Deepwater Horizon“ ist der Ölstrom im Golf von Mexiko vorerst gestoppt. Für Entwarnung ist es aber noch zu früh.

Der Ölkonzern BP zeigte sich nach Schließung der Ventile in dem Auffangtrichter über dem defekten Bohrloch am Freitag vorsichtig optimistisch: In den ersten 17 Stunden sei der Druck in dem Trichter kontinierlich gestiegen, sagte BP-Manager Ken Wells. Dies deute darauf hin, dass sich das Öl tatsächlich in dem Behälter sammle und keine neuen Lecks in größerer Tiefe aufgetreten seien. Der Druck lag 17 Stunden nach Schließung der Ventile etwas unterhalb des angestrebten Wertes, aber oberhalb des Minimums. Bislang entspreche die Entwicklung der Messwerte den Erwartungen, sagte Wells. “Es ist ein sehr stetiger Anstieg.“ Für die Messungen waren insgesamt 48 Stunden veranschlagt, erst danach dürfte klar sein, ob der neue Trichter dem Druck standhält und keine neuen undichten Stellen aufgetreten sind.

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Eine dauerhafte Lösung ist der Trichter allerdings auf keinen Fall, denn darunter sprudelt das Öl ja weiter. Die Quelle soll deshalb durch zwei Entlastungsbohrungen zum Versiegen gebracht werden. Diese Bohrungen waren am Donnerstag kurzzeitig ausgesetzt worden aus Sorge, bei der Schließung des Trichters könnte das Loch im Meeresboden weiter beschädigt werden. Wells kündigte angesichts der ermutigenden Messergebnisse am Freitag indes an, eine der beiden Entlastungsbohrungen werde wieder aufgenommen. Die vorläufige Erfolgsmeldung über die Schließung der Ventile kam am Donnerstagabend (MESZ) exakt 85 Tage, 16 Stunden und 25 Minuten nach der ersten Explosion auf der Bohrinsel “Deepwater Horizon“ am 20. April, mit der die Katastrophe begann und bei der elf Arbeiter getötet wurden. Seitdem sind Schätzungen zufolge schon bis zu 700 Millionen Liter Öl ins Meer geflossen.

Die braune Unterwasserwolke ist weg

Die braune Wolke, als die der Ölstrom auf Live-Videos vom defekten Bohrloch für die ganze Welt sichtbar wurde, ist nun vorerst verschwunden. “Endlich!“, freute sich die Touristin Renee Brown am Strand von Pensacola in Florida. “Offen gesagt bin ich aber erstaunt, dass die nicht früher etwas unternehmen konnten“, brachte sie die Stimmung vieler US-Bürger auf den Punkt. “Das ist großartig. Eine Menge Gebete sind heute erhört worden“, sagte der Gouverneur des Staates Alabama, Bob Riley. Doch bei vielen Betroffenen herrscht auch nach der Erfolgsmeldung Misstrauen. “Das ist eine Lüge.

Ich glaube nicht, dass sie das Leck gestopft haben“, sagte der Austernfischer Stephon LaFrance aus Louisiana, der seit Wochen nicht mehr mit seinem Boot aufs Meer hinausfahren konnte. “BP will nur in der Öffentlichkeit gut dastehen.“ BP selbst warnte vor allzu großen Optimismus. “Wir sind noch nicht an der Ziellinie. Es gibt noch keinen Grund zu feiern“, sagte BP-Geschäftsführer Doug Suttler. Denn selbst wenn die Auffangeinrichtung zwei Tage lang hält, werden die Ventile von Zeit zu Zeit wieder geöffnet werden. Auch US-Präsident Barack Obama warnte vor voreiligen Schlüssen: “Wir sind noch in der Testphase.“ Wegen der positiven Nachrichten vom Golf legte die BP-Aktie am Freitag um 5,5 Prozent zu. Das Papier hatte wegen der Ölpest und der damit verbundenen Kosten zeitweise mehr als die Hälfte seines Wertes eingebüßt.

WWF fordert internationale Aufsicht über Ölbohrungen

Die Umweltschutzorganisation WWF wies darauf hin, dass die eigentliche Aufräumarbeit erst jetzt beginne. “Es wird mehr als ein Jahrzehnt dauern, bis sich die Natur einigermaßen von diesem Unfall erholt hat“, sagte Hans Ulrich Rösner vom WWF Deutschland. Er forderte ein globales Kontrollorgan für Ölbohrungen auf hoher See und einen Stopp in allen sensiblen Gebieten.

dapd

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