Neuseeland: Schweigeminuten für Erdbebenopfer

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Schweigeminute für die Erdbebenopfer in Neuseeland.

Christchurch- Eine Woche nach dem schweren Erdbeben in Neuseeland haben am Dienstag im ganzen Land zahlreiche Menschen mit zwei Schweigeminuten der Opfer gedacht. Bislang wurden nach offiziellen Angaben 154 Leichen aus den Trümmern geborgen.

Die Presslufthammer schwiegen, die Kirchenglocken läuteten und über dem Parlamentsgebäude der Hauptstadt Wellington erklang ein maorisches Klagelied: Die Welt stand in Neuseeland am Dienstag für zwei Minuten still, um den vermutlich 240 Erdbebenopfern zu gedenken. Die Flaggen im Land wehten auf halbmast, die Menschen kamen in den Städten und Gemeinden zusammen, um mit gesenkten Köpfen um 12.51 Uhr Ortszeit gemeinsam der Toten zu gedenken.

Auf den Tag genau vor einer Woche erschütterte ein Erdstoß der Stärke 6,3 die Südinsel. Das Epizentrum lag nur wenige Kilometer von der belebten Innenstadt von Christchurch entfernt. Zahlreiche Bürogebäude, Kirchen und Häuser in der größten Stadt der Südinsel wurden stark beschädigt.

Erdbeben in Neuseeland

Erdbeben in Neuseeland: Dutzende Tote

Seither erfüllt der Lärm der Presslufthammer die 350.000-Einwohner-Stadt. Hunderte Rettungskräfte sind mit der Bergung der Leichen und mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Doch am Dienstag zog für einen kurzen Moment Stille ein. Die Rettungsleute erhoben ihre verstaubten Gesichter gen Himmel oder schauten auf den Boden. Freunde und Nachbarn umarmten sich. Der Verkehr stand still.

“Ich bin hier geboren, ich habe hier mein ganzes Leben verbracht und werde hier sterben. Es ist mein Zuhause, und es tut so weh, es so zu sehen“, sagte Mike Cochrane mit Tränen in den Augen. Er hatte seinen Wagen auf einer der normalerweise am stärksten befahrenen Kreuzungen der Stadt stehen gelassen und war ausgestiegen. Während der Schweigeminute saß er unter einem Baum auf der Verkehrsinsel. Als die zweite Glocke ertönte, um das Ende der zwei Minuten zu verkünden, stieg er wieder in sein Auto und fuhr davon.

Ministerpräsident John Key hatte die 4,5 Millionen Einwohner Neuseelands gebeten, ein Zeichen der Einheit mit den Menschen in der Erdbebenregion Canterbury zu setzen, “die eine Tragödie ertragen, die für die meisten von uns über das Vorstellbare hinausgeht“.

Behörden gehen von rund 240 Toten aus

Laut Polizei sind bislang 155 Tote geborgen worden, angesichts der Zahl der Vermissten dürfte die Zahl der Opfer jedoch weitaus höher sein als zunächst gedacht. Die Behörden gehen mittlerweile von rund 240 Toten aus.

Baustatiker sollen nun klären, ob es schon im Vorfeld Gebäudemängel gab. Ein Untersuchungsausschuss interessiert sich dabei vor allem für zwei Gebäude, Canterbury Television (CTV) und Pyne Gould Guinness, die vermutlich 120 Menschen unter sich begruben. Die Eigentümer von CTV hatten das Gebäude schon nach einem früheren Beben am 4. September untersuchen lassen. Doch die Baustatiker stellten damals nur oberflächlichen Schaden fest.

“Wir brauchen Antworten auf die Frage, warum diese Gebäude einstürzten, ob es da etwas Ungewöhnliches gab“, sagte Key im Sender ABC. Er merkte an, dass beide Gebäude vor 1976 errichtet wurden. Damals gab es wesentliche Änderungen in der Bauordnung des Landes.

Angesichts der andauernden Aufräumarbeiten verlängerte Key am Dienstag den landesweiten Ausnahmezustand. In einigen Stadtteilen von Christchurch gibt es noch immer weder Wasser noch Strom, viele Straßen sind noch verschlammt.

Botschaft aus der Vergangenheit

Das Erdbeben forderte jedoch auch einen Schatz zutage: Unter einer umgestürzten Statue des Stadtgründers aus dem 19. Jahrhundert sei ein handgeschriebenes Pergament in einer Flasche und ein versiegelter Kupferzylinder zum Vorschein gekommen, in dem historische Dokumente vermutet würden, sagte Bürgermeister Bob Parker.

Die Statue stand auf dem Hauptplatz der Stadt nahe der historischen Kathedrale. Während des Erdbebens am vergangenen Dienstag stürzte sie um. Museumsexperten untersuchen nun die Gegenstände. Offenbar enthalten sie Nachrichten der Gründerväter der Stadt, in denen sie ihre Vision für die Zukunft der Stadt darlegten. Parker sagte, es sei geradezu schicksalhaft, dass sie ausgerechnet jetzt ans Licht gekommen seien, um “die Inspiration zu bieten, die wir in dieser schweren Zeit benötigen“.

dapd

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