Neue Foltervorwürfe gegen britische Soldaten

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Eine Menschenmenge in britischen Warwick feierte im Juli dieses Jahres die Heimkehr eines ihrer Regiments aus dem Irak.

London - Britische Soldaten sollen während ihres Einsatzes im Irak in über 30 Fällen irakische Zivilisten misshandelt und sexuell missbraucht haben. 

Das berichtet die Zeitung Independent am Samstag. Sie beruft sich auf ein Schreiben des Anwalts ehemaliger irakischer Gefangener. Das Verteidigungsministerium bestätigte, die Fälle zu prüfen.

Den Vorwürfen zufolge haben zwei Soldaten einen 16 Jahre alten Jungen vergewaltigt. Andere irakische Zivilisten seien von Soldaten gezwungen worden, sich nackt auszuziehen. Sie seien gefoltert, gedemütigt und dabei fotografiert worden, schrieb die Zeitung. Auch seien Elektroschocks eingesetzt worden. In einem Fall sollen Soldaten, Männer und Frauen, vor Gefangenen Geschlechtsverkehr gehabt haben, um diese zu demütigen. Ein Iraker erzählte, seine Folter sei Fotos aus dem US-Militärgefängnis Abu Ghoreib nachgestellt worden. Der Folterskandal hatte weltweit für Entsetzen gesorgt.

Der Anwalt Phil Shiner erklärte, viele Anschuldigungen seien erst nach dem Abzug der Briten aus dem Irak in diesen Sommer bekanntgeworden. Die Opfer hätten davor Angst gehabt, ihre Erlebnisse zu schildern. Er vermutet, dass “Hunderte“ andere Fälle nie ans Licht kommen würden. Der irakische Menschenrechtler Mazin Younis sagte: “Das ähnelt sehr stark den Geschehnissen in Abu Ghoreib und war dazu da, den Willen der Gefangenen zu brechen.“

Der Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Bill Rammell, betonte, die neuen Anschuldigungen würden sehr ernst genommen. “Die Vorwürfe dürfen jedoch nicht zu Fakten gemacht werden“. Rammell betonte: “Es gab Beispiele, dass sich Einzelne schlecht verhalten haben. Aber es ist nur ein winziger Anteil.“ Mehr als 120 000 Soldaten hätten im Irak gedient, und die “große, große Mehrheit“ hätte sich korrekt verhalten.

Die britische Regierung und das Militär stehen bereits wegen anderer Foltervorwürfe unter Druck. In London läuft derzeit eine öffentliche Gerichtsuntersuchung, bei der die Verhörpraktiken der Briten und der Tod des Irakers Baha Mousa untersucht werden. Dieser war 2003 in britischer Gefangenschaft zu Tode geprügelt worden. Die Briten waren im Frühjahr 2003 an der Seite der USA in den Irak einmarschiert. Sie hatten sich im Sommer komplett aus dem Irak zurückgezogen.

dpa

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