MPI: Aschewolke war vergleichsweise harmlos

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Max-Planck-Institut sagt: Aschewolke sei im Vergleich zu anderen Ausbrüchen harmlos.

Mainz - Verglichen mit anderen Vulkanausbrüchen sei die Aschewolke des Eyjafjalla noch harmlos gewesen - das zumindest sagen Forscher des Max-Planck-Instituts

Sie sind mit einem Messcontainer eine Woche nach dem Ausbruch durch die Wolke geflogen. Verharmlosen sollte man die Gefahr im Nachhinein trotzdem nicht. Von außen sieht der Container aus wie jeder andere: mattsilbern, 3 mal 1,50 Meter groß, mit der Aufschrift “Lufthansa Technik“. Nur beinhaltet er keine Waren, sondern 16 Messgeräte, die die Zusammensetzung der Atmosphäre untersuchen.

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Vulkanasche bestand aus Mini-Glaspartikeln

In dem Container sind die Geräte dicht gedrängt angeordnet, Kabel und Schläuche verbinden sie miteinander. Der Boden wurde verstärkt und mit einem Loch für die Luftansaugung versehen. Dieses “fliegende Labor“, wie CARIBIC-Projektleiter Carl Brenninkmeijer vom Max-Planck-Institut in Mainz die mobile Messstation nennt, ist vor gut einer Woche durch die Reste der isländischen Aschewolke geflogen - und hat nur geringe Konzentrationen an Aschepartikeln festgestellt. “Die Wolke hatte sich schon zur Ruhe gelegt“, erklärt Brenninkmeijer bei der Vorstellung der Ergebnisse am Donnerstag in Mainz. “Die Gefahr war sehr gering.“

“Viel Schwefeldioxid, aber wenig Asche“

Vergleiche der Messflug-Ergebnisse mit vergangenen Vulkanausbrüchen hätten nun ergeben, dass die Emissionen des Eyjafjalla beispielsweise nur ein Prozent dessen betragen hätten, was der Kasatochi im Pazifik vor Alaska bei seinem Ausbruch im August 2008 in die Luft schleuderte, erklärt Brenninkmeijer. Seine Kollegin Tanja Schuck hält den Vergleich in Bezug auf den Luftverkehr aber für problematisch: “Der Kasatochi hat viel Schwefeldioxid, aber wenig Asche ausgestoßen, der Eyjafjalla dagegen viel.“ Außerdem habe die Asche des Kasatochi die Stratosphäre erreicht. Flugzeuge fliegen meist in der oberen Troposphäre, der untersten Schicht der Atmosphäre, und waren daher von der Kasatochi-Aschewolke kaum betroffen.

“2.000 Mikrogramm ist ein erheblicher Wert“

Andreas Weigelt, der den Optischen Partikelzähler, eines der zentralen Messinstrumente in dem Container, am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung mitentwickelt hat, weist außerdem auf die obere Messgrenze des Geräts hin. Es erfasse nur Partikel mit Größen zwischen 125 Nanometern und zwei Mikrometern. “Größere Partikel erfassen wir nicht“, sagt Weigelt. Dabei seien es gerade diese, die den Flugzeugtriebwerken gefährlich werden könnten, räumt der Wissenschaftler ein. Obwohl das Gerät nicht für Vulkanasche konzipiert worden sei, hätten die Messwerte aber mit denen des Forschungsflugzeugs Falcon vom Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt übereingestimmt.

Die Angabe von Triebwerksherstellern, dass Flüge selbst bei 2.000 Mikrogramm Aschepartikeln pro Kubikmeter Luft unbedenklich seien, wollte Weigelt nicht bestätigen. “Das ist ein erheblicher Wert, wesentlich höher als das, was wir jetzt gemessen haben. Ich kann nicht beurteilen, inwieweit dieser Wert realistisch ist.“ Für ihn als Wissenschaftler sei der Flug sehr spannend gewesen. “Das war schon ein Abenteuer“, schwärmt Weigelt, “normalerweise fliegen wir nicht mit, weil der Container sowieso im Frachtraum ist und wir dort während des Fluges nicht hindürfen. Das war 'First Class', nur 12 Leute mit dem Piloten waren dabei.“ Mulmig sei ihm nicht gewesen: “Das, was wir mit unseren Messgeräten gesehen haben, war nicht gefährlich für den Flugverkehr.“

Die Schwierigkeit sei, das alles automatisch funktioniere: “Man kann nicht einfach an einem Regler drehen. Der Pilot im Cockpit kann bloß den Strom an- und ausschalten.“ Weigelts Kollegin Tanja Schuck wäre auch gerne mitgeflogen, saß aber wie viele Vulkan-Gestrandete in der Deutschen Bahn fest. Verharmlost werden sollte die Gefahr im Nachhinein nicht. Der Vulkan habe viel Asche in für den Luftverkehr gefährliche Höhen gespuckt, geben Brenninkmeijer und Schuck zu bedenken. Außerdem liege der Eyjafjalla geografisch schlicht näher an Europa als der Kasatochi. Wie lange der Luftraum in so einem Fall gesperrt werde, sei nicht Sache von CARIBIC ((Civil Aircraft for the Regular Investigation of the Atmosphere Based on an Instrument Container), betont Brenninkmeijer. Dass ein Vergleich zwischen den beiden Vulkanausbrüchen in Bezug auf Aschemenge und Gaszusammensetzung überhaupt möglich war, verdanken die Wissenschaftler einem Glückstreffer: Mit einem Messcontainer an Bord eines Passagierflugzeugs flogen sie im August 2008 im Landeanflug auf Frankfurt durch die Abgasfahne des Kasatochi-Ausbruchs.

DAPD

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