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Niederlande: Landwirte laufen nach Festnahmen bei Bauernprotesten Sturm

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Von: Jan Knötzsch

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In den Niederlanden protestieren Bauern seit Wochen gegen geplante Umweltauflagen. Die Lage spitzt sich zu. Auch, weil sie Lager von Supermärkten blockieren.

Update vom 7. Juli 2022, 16:05 Uhr: Nach den Schüssen, die die Polizei bei den Bauernprotesten in Heerenveen abgegeben haben, ist in den Niederlanden eine Welle der Entrüstung ins Rollen gekommen: Wie die Zeitung „ De Volkskrant“ berichtet, haben wütende Landwirte am Mittwoch vor dem Gefängnis in Leeuwarden protestiert. Zudem wurden an vielen Orten in den Niederlanden von Bauern als Mahnfeuer Strohballen und Abfallcontainer angezündet.

Dies ist ein Zeichen dagegen, dass in der Polizeistation Leeuwarden nach den Bauernprotesten drei Landwirte vorübergehend festgehalten wurden. Bei den drei Bauern handelt es sich nach Angaben der Polizei um einen 46-jährigen aus der Gemeinde Opsterland sowie einen 34-jährigen Mann und einen 16-jährigen Jungen aus der Gemeinde Heerenveen. Alle drei waren an den Bauernprotesten in Heerenveen beteiligt. Der 16-Jährige hatte den Schlepper gelenkt, auf den ein Polizist geschossen hatte.

Die Polizei in den Niederlansden hatte den 16-Jährigen und die beiden anderen Bauern wegen des Verdachts auf versuchten Totschlag festgenommen.

Eskalation bei Bauernprotesten in den Niederlanden: Schüsse auf Landwirte – droht Versorgungsengpass?

Erstmeldung vom 7. Juli 2022:

Heerenveen – Die Bauern in den Niederlanden sind derzeit alles andere als gut drauf. Als „not amused“ würde man den Zustand wohl mit einer netten Formulierung umschreiben. Selbst das wäre irgendwie noch geschönt. Denn seit Wochen gibt es in Nachbarland Deutschlands – hier hat die Zahl der Corona-Proteste abgenommen – Bauernproteste. Die Bauern in den Niederlanden – das Land ist so groß wie Niedersachsen – machen ihrem Unmut über geplante Umweltauflagen Luft. Jetzt sind genau diese Bauernproteste eskaliert, wie mehrere Medien übereinstimmend berichten.

In Heerenveen haben im Zuge der Bauernproteste in den Niederlanden die Landwirte eine Autobahnauffahrt blockiert, die Polizei hat daraufhin Schüsse abgegeben. Was ist der Auslöser für das Erreichen der neuen Eskalationsstufe? Und welche Konsequenzen drohen den Niederlanden aus den Protesten der Bauern?

Niederlande: Bauernproteste eskalieren mit Schüssen – Drei Festnahmen nach Eskalation bei Blockade in Heerenveen

Laut der niederländischen Polizei sei die Lage bei den Bauernprotesten äußerst bedrohlich geworden. Daher hätten sie bei den Protesten der Bauern sowohl Warnschüsse abgegeben als auch gezielt geschossen. Die Bauern sollen demnach in Heerenveen auf die Polizisten und deren Fahrzeuge zugesteuert sein. Daraufhin habe die Polizei dann geschossen. Dabei soll mindestens ein Traktor, der an den Bauernprotesten beteiligt war, getroffen worden sein. Verletzte habe es nicht gegeben, allerdings sind im Rahmen der Bauernproteste in den Niederlanden nach der Eskalation in Heerenveen drei Personen festgenommen worden. Die Landwirte erklärten derweil laut ntv.de, dass die Polizei nicht bedroht worden sei.

In den Niederlanden hat es erneut Bauernproteste gegeben.
In den Niederlanden protestieren die Bauern seit Wochen gegen Pläne der Regierung. © Vincent Jannink/dpa

Die Proteste der Bauern in den Niederlanden laufen bereits seit mehreren Wochen. Und sind, anders als die Klimaproteste von Organisationen wie der „Letzten Generation“ beispielsweise in Berlin, zum Teil sogar gewalttätig. Bereits seit dem 10. Juni 2022 gehen die Bauern in den Niederlanden auf die Barrikaden. Dabei blockieren die Landwirte bereits seit mehreren Tagen nicht nur Straßen, sondern auch Großlager von Supermärkten mit ihren Treckern. Laut zdf.de waren am Montag, 4. Juli 2022, zum Beispiel mehr als 20 Distributionszentren der großen Supermarktketten betroffen. Die Blockaden, mit denen die Bauern in den Niederlanden gegen die Umweltpolitik protestieren, haben inzwischen auch Folgen für das ganze Land.

Proteste von Bauern in den Niederlanden für Verband „total unakzeptabel“ – weil die Versorgung darunter leidet

Der Zentrale Verband des Lebensmittelhandels in den Niederlanden nannte die Blockaden der Bauern „total unakzeptabel“ und spricht davon, dass es in den Niederlanden bereits zu ersten Versorgungsengpässen gekommen sei. Hintergrund der Proteste der Bauern in den Niederlanden ist das Bestreben der niederländischen Regierung, den Stickoxid-Ausstoß massiv zu senken. Für die protestierenden Bauern würde dies letztlich bedeuten, dass sie die Zahl der Tiere in ihren Ställen drastisch reduzieren müssten. Nach Einschätzung der Regierung der Niederlande müssten als Folge dessen etwa 30 Prozent der Bauern ihren Betrieb aufgeben. Einige Landwirte fürchten unter anderem den rechtlich möglichen, aber unwahrscheinlichen Fall von Enteignungen. Wahrscheinlicher ist es, dass Landwirte Land in bestimmten Gebieten gegen entsprechende Zahlungen an den Staat verkaufen können.

Bauern protestieren in den Niederlanden: Plan der Regierung hat für sie große Konsequenzen

Wie zdf.de berichtet, ist die Emission von schädlichen Stickstoff-Verbindungen in den Niederlanden seit Jahrzehnten zu hoch. Als Konsequenz daraus hat die niederländische Regierung nun festgelegt, dass die Stickstoff-Emission national bis 2030 um rund 50 Prozent reduziert werden muss. Bei Naturgebieten sind es sogar mehr als 70 Prozent. Laut Behördenangaben ist vor allem die Viehzucht für das Stickstoffproblem verantwortlich.

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Nach der Eskalation der Bauernproteste und den Schüssen, die in Heerenveen von der Polizei auf die Landwirte abgegeben wurden, wird nun übrigens von der Kriminalpolizei ermittelt.

Hinweis: Der Ursprungsartikel wurde am Freitag, 8. Juli, um Befürchtungen betroffener Landwirte ergänzt.

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