Flutkatastrophe

Menschen in Flutregion bereiten sich auf neuen Regen vor

Nach dem Unwetter in Rheinland-Pfalz
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Rettungskräfte sind nach dem Hochwasser im Einsatz. Die Flut hat auch hier zahlreiche Häuser zerstört.

Die Hochwasserkatastrophe hat bislang in Rheinland-Pfalz und NRW 179 Todesopfer gefordert. Nun drohen den betroffenen Regionen neue Starkregenfälle. Einsatzkräfte und Bewohner bereiten sich vor.

Bad Neuenahr-Ahrweiler - Nach den verheerenden Überflutungen blicken die Menschen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen mit Sorge auf die Wetterprognosen fürs Wochenende.

„Ich habe im Augenblick keine Hinweise darauf, dass Wassermengen drohen wie das der Fall gewesen ist“, sagte der Innenminister von Rheinland-Pfalz, Roger Lewentz (SPD), am Freitag in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Dennoch trifft der Krisenstab Vorkehrungen. Rückzugsmöglichkeiten für die Bevölkerung sind laut Lewentz ebenso vorbereitet wie mögliche Lautsprecherdurchsagen für Warnungen. Man beobachte die Meldesituation „ganz, ganz aufmerksam“, ergänzte er.

Auch Nordrhein-Westfalen rüstet sich für mögliche neue Starkregenfälle. Per Erlass des NRW-Innenministeriums würden die Leitstellen von Feuerwehr und Polizei nochmals besonders für die Wetterlage sensibilisiert, teilte ein Ministeriumssprecher der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf mit. „Die Arbeit in den Krisenstäben der Städte und Kreise wird auch am Wochenende fortgesetzt, um die Lage vor Ort zu koordinieren. Gleiches gilt für die Koordinierungsgruppe des Krisenstabs im Innenministerium.“

Bislang hat die Hochwasserkatastrophe 179 Todesopfer gefordert. Der Deutsche Wetterdienst rechnet am Samstag in den Hochwasser-Katastrophengebieten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz erneut mit Gewittern. Allerdings bleibe die Regenmenge wohl meist unterhalb der Warnschwelle, hieß es am Freitag.

Um künftig besser reagieren zu können, hat sich CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt währenddessen für einen ständigen nationalen Krisenstab ausgesprochen. „Ein ständiger Krisenstab Naturkatastrophen in Kombination von Bund und Ländern sollte eingesetzt werden“, sagte der CSU-Politiker der „Passauer Neuen Presse“ (Samstag). Er halte die föderalen Strukturen für richtig, aber „auch die Bündelung aller Informationen ist sehr wichtig“, argumentierte Dobrindt.

Erkennbar ist aus Sicht des Ex-Verkehrsministers, dass das Wiederherstellen von Kommunikation vor Ort viel zu lange gedauert habe. „Mobilfunknetze müssen gerade im Krisenfall funktionieren. Eine mobile Aufbautruppe "Kommunikation" sollte eingerichtet werden und sofort zum Einsatz kommen, zum Beispiel mit Drohnen und mobilen Funkzellen, wenn in Krisenlagen die Handynetze zusammenbrechen“, so Dobrindt.

Der ehemalige EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker lobte unterdessen die Hilfsbereitschaft und Solidarität der Deutschen. In einem Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ) hob er das „unwahrscheinliche Volumen an Solidarität“ hervor. Der Luxemburger fügte hinzu: „Das hat sich schon vor Jahren beim Oder-Hochwasser unter Beweis gestellt und zeigt sich jetzt wieder in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.“ Menschen seien bei großen Problemen zu Großem fähig: „Und da haben die Deutschen mit ihrer Hilfsbereitschaft füreinander ein gutes Beispiel abgeliefert. Und das ist doch eine beeindruckende kollektive Leistung der Deutschen.“

Große Spendenbereitschaft für die von der Katastrophe Betroffenen zeigte sich am Freitag beim ARD-Spendentag: Die vorläufige Bilanz der ARD-Benefizgala „Wir halten zusammen“ lautete am Abend 6 538 000 Euro. Zusammen mit 10 weiteren Millionen, die im Rahmen des Spendentags mit der „Aktion Deutschland hilft“ gesammelt wurden, seien so mehr als 16,5 Millionen Euro für die Opfer der Flutkatastrophe zusammengekommen, berichtete Moderator Ingo Zamperoni. Zahlreiche Künstler wie Herbert Grönemeyer, Sarah Connor oder Peter Maffay unterstützte die Spendensammlung.

Auch der Musiker Rea Garvey sprach den Freiwilligen seinen Dank aus. „Ich bin unglaublich stolz auf diejenigen, die morgens aufstehen und sagen: Heute gehe ich dahin, um meinen Nachbarn zu helfen“, sagte der Sänger bei seinem Auftritt in der Gala am Freitagabend in Leipzig. Diese Menschen seien Helden. Der 48-Jährige sang in der Sendung passend zum Thema seinen Song „Hometown“ (dt. Heimatstadt) und rief dazu auf, die Opfer der Flutkatastrophe nach Möglichkeit zu unterstützen. „Manche gehen hin und helfen, manche spenden, manche machen Musik“, so Garvey. Wichtig sei, weiterzumachen und die Betroffenen nicht zu vergessen. dpa

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