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Mehr Corona-Patienten in Niedersachsens Krankenhäusern – Virologen äußern sich

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Von: Johannes Nuß, Mark Stoffers

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Die Corona-Inzidenz nimmt in Niedersachsen weiter Fahrt auf, doch die Situation in den Krankenhäusern könnte sich bald entspannen. Ist das bereits das Pandemie-Ende?

Hannover – Ein Corona-Rekordwert folgt dem Nächsten. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Niedersachsen schießen die Corona-Zahlen weiter in die Höhen. Dabei steigt vor allem die Belastung der Krankenhäuser, in denen die Zahl der Corona-Patienten weiter zunimmt. Doch vor allem Deutschlands Top-Corona-Experten wie Christian Drosten oder Klaus Ströhr äußern sich zu diversen Aspekten der Corona-Pandemie.

Corona in Niedersachsen: Aktuelle Inzidenz steigt auf Rekordwert – knapp 10.000 Covid-19-Neuinfektion laut RKI am Sonntag

Die Corona-Inzidenz in Niedersachsen befindet sich derweil weiter im Aufwärtstrend. Am Sonntag meldete das RKI knapp 10.000 Covid-19-Neuinfektionen. Die Inzidenz der Neuinfektionen gab das Land mit 907,5 an (Vortag: 886,9). Binnen zwei Wochen hat sich der Sieben-Tage-Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner somit in etwa verdoppelt.

Die Hospitalisierungsinzidenz kletterte am Sonntag angesichts der Omikron-Welle von 8,1 auf 8,3, wie das Land mitteilte. Der Wert gibt an, wie viele Covid-19-Patienten innerhalb von sieben Tagen pro 100.000 Einwohner in den Krankenhäusern aufgenommen wurden. Noch bis Mitte Januar hatte der Wert relativ konstant bei etwa 4,7 gelegen. Die höchste Warnstufe in der Corona-Verordnung Niedersachsen beginnt bei einer Inzidenz von 9.

Corona in Niedersachsen: Auslastung der Intensivbetten mit Covid-19-Patienten nimmt wieder zu – Virologe Drosten gibt Erklärungsversuch ab

Nach Wochen mit sinkenden Werten nimmt auch die Auslastung der Intensivbetten mit Covid-19-Patienten wieder zu. Am Sonntag lag sie mit 5,4 Prozent gut einen Prozentpunkt höher als vor einer Woche. Niedersachsens Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) hatte zuletzt gesagt, sie rechne damit, dass die Omikron-Welle ihren Höhepunkt Mitte Februar erreichen werde. Für Anfang März stellte sie deshalb eine Lockerung der Corona-Regeln in Aussicht.

Für das Bundesland Bremen gab das Robert Koch-Institut die Inzidenz der Neuinfektionen am Sonntag mit 1516,2 an – ein leichter Rückgang im Vergleich zum Samstag (1537,8). Höher war der Wert danach nur in den Stadtstaaten Hamburg (1891,4) und Berlin (1848,1).  

Hinweisschilder hängen am Eingang einer Covid-19-Intensivstation.
In den niedersächsischen Krankenhäusern werden die Corona-Patienten wieder mehr. (Archivbild) © Bodo Schackow/dpa

Dass die Belastungen in den Krankenhäusern zunehmen, liegt laut Deutschlands Top-Virologen Christian Drosten auch daran, dass viele Menschen mit einer anderen Diagnose ins Krankenhaus kommen als mit Covid-19, aber trotzdem infiziert seien. Wie die Bild in der vergangenen Woche berichtete, hatten etwa im Bundesland Bremen nur 40 Prozent der Corona-Patienten auch dies als Grund in ihren Einweisungsunterlagen stehen. Bei den anderen 60 Prozent wurde die Corona-Infektion erst im Laufe des Krankenhausaufenthalts festgestellt. Vor der Omikron-Welle war das Verhältnis noch 68 zu 32 Prozent.

Belastung der Krankenhäuser durch Corona: Christian Drosten über Zufallsfunde – Fälle nehmen in Niedersachsen und Bremen zu

Christian Drosten argumentiert in einer Stellungnahme, dass unter der wesentlich ansteckenderen Omikron-Variante des Coronavirus die Zufallsfunde in Kliniken erstmalig relevant würden, daher müssten sie in die Bewertung des Lagebilds mit einfließen – mehr aber auch nicht. „Entscheidend ist, dass die Fälle wegen Covid auch unter Omikron noch weit in der Überzahl sind und das Lagebild weiter dominieren.“

Zu berücksichtigen sei zudem, dass unter den sogenannten Zufallsfunden auch jene Fälle eingerechnet würden, bei denen die Infektion zu einer Verschlechterung einer Grunderkrankung führen könnte, schreibt Drosten. Das könne man auch in der gegenwärtigen Omikron-Welle beobachten.

Corona-Experte Drosten über Zufallsfunde: Verschlechterung des Allgemeinzustandes anstatt klassische Covid-Symptome

Es bestehe das Risiko, dass bei Menschen mit relevanten Vorerkrankungen sich zunächst nicht unbedingt die klassischen Covid-Symptome bemerkbar machten, sondern eine Verschlechterung des Allgemeinzustands. „Es wäre aber irreführend, in diesen Fällen von einem bedeutungslosen Zufallsbefund von Sars-CoV-2 auszugehen“, betont der Corona-Experte Drosten. Grund für die Verschlechterung sei schließlich die Infektion. Behandlungen würden oft vor diesem Hintergrund besonders aufwendig.

Impfungen gegen Corona: In Niedersachsen gilt es ab 15. März für Gesundheits- und Pflegeberufe

Für Drosten ist die Impfung der Weg aus der Corona-Pandemie. Derzeit wird in Deutschland darüber auch diskutiert, ob es eine allgemeine Impfpflicht gegen das Coronavirus geben soll. Bereits ab dem 15. März ist das für Berufe im Gesundheits- und Pflegebereich gesetzlich so geregelt. Wer in dieser Berufssparte dann nicht geimpft ist, dem droht in Niedersachsen ein Berufsverbot.

Virologe Hendrik Streeck steht der Impfpflicht skeptisch gegenüber

Dieser Impfpflicht steht allerdings Virologe Hendrik Streeck eher skeptisch gegenüber, wenngleich er jedem rät, sich impfen zu lassen. Trotzdem zeigt sich Streeck zuversichtlich, was die Corona-Pandemie angeht – mit Blick auf das herannahende Frühjahr, wie merkur.de* berichtet. Dann könnte die Pandemie nämlich vorbei sein. Allerdings, so der Virenfachmann, müsse sich bis dahin noch einmal jeder einschränken.

Einer Impfpflicht steht er deswegen skeptisch gegenüber, weil völlig unklar sei, mit welchen Corona-Varianten man sich in Zukunft noch auseinandersetzen müsse. Man könne also nichts zur Schutzdauer und Schutzwirkung verlässlich sagen. „Die Impfung ist im Grunde der Eigenschutz vor einem schweren Verlauf und das gehört in meinen Augen zur Gesundheitsvorsorge“, so Streeck.

Corona in Deutschland: Virologe Hendrik Streeck rechnet mit sinkenden Infektionszahlen im Frühjahr 2022

Trotzdem rechnet Streeck mit sinkenden Infektionszahlen spätestens zum Frühjahr 2022. Jeder, ob ungeimpft, einfach geimpft, zweifach geimpft oder geboostert*, müsse bis dahin aber noch auf sich aufpassen. In diesem Zusammenhang mahnte Streeck auch noch einmal an, die Kontakte zu reduzieren.  „Es geht wirklich darum, jetzt nochmal diese Zeit zu überbrücken, bis wir eine Trendumkehr haben.“

Top-Virologe Klaus Stöhr kritisiert Bundesregierung im Umgang mit der Corona-Pandemie

In diesem Zusammenhang kritisiert der Top-Virologe Klaus Stöhr, dass die Bundesregierung es versäumt habe*, die Bevölkerung richtig über den Schutz der Impfungen vor Corona zu erklären. Aus seiner Sicht war es falsch, nicht vorne herein zu kommunizieren, dass eine Schutzimpfung niemals zu 100 Prozent schützen kann. Weiter kritisiert Stöhr, dass man es ebenfalls versäumt habe, mehr auf die Risikogruppen der über 50- und 60-Jährigen zu achten. Hätte man dies getan, hätte man wahrscheinlich im vergangenen Winter viele Menschenleben retten können.

Trotzdem hat Ex-WHO-Mann Stöhr das Ende der Corona-Pandemie fest im Blick. „Wir nähern uns dem Ende“, sagte er. Ein klarer Trend sei inzwischen erkennbar, dass das Virus sich abschwäche. Dies aus dem Grund, weil viele Infektionen mit Covid-19 „hauptsächlich asymptomatisch oder mild sind“. Trotzdem könne es weiterhin auch schwere Verläufe geben, die aber aktuell nicht mehr zu Überlastungen auf den Intensivstationen führten. „Es lohnt sich auch für Deutschland, die Realität wahrzunehmen und die Maßnahmen der Situation anzupassen“, so Stöhr.

Ende der Corona-Pandemie: endemische Phase tritt erst ein, wenn alle Kontakt hatten

Wann die Corona-Pandemie endlich in ihre endemische Phase übergeht, damit beschäftigt sich auch Virologin Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie an der Frankfurter Uniklinik. Nach ihrer Meinung, sei ein Ende der Pandemie erst in Sicht, „wenn alle Kontakt hatten – entweder durch Impfung oder Infektion“.

Zwar habe es sich nicht bewahrheitet, dass mit den Impfungen gegen Corona auch das Ende der Pandemie eintritt. Dennoch blieben Impfungen in Zukunft weiter wichtig, um sich vor schweren Verläufen zu schützen. Trotz der starken Omikron-Welle, die derzeit über Deutschland hinweg schwappt, ist für sie „gar nicht klar“, dass diese Variante des Coronavirus wesentlich ansteckender ist als die Delta-Variante.

Wann ist das Ende der Corona-Pandemie? Virologin Sandra Ciesek und Virologe Joans Schmidt- Chanasit äußern sich zur Endphase

Diese Variante würde nur mehr „Opfer“ finden, so die Virologin Sandra Ciesek. Dies deshalb, weil die Omikron-Variante offensichtlich die Möglichkeit zur Immunflucht gebildet hat. Es kann also eine Impfung oder die durch eine Infektion hervorgerufenen Abwehrkräfte des menschlichen Körpers einfach umgehen. Bei Delta sei das Virus durch die Impfungen besser „geblockt“ worden. Als weiteren Grund sieht sie die kürzere Inkubationszeit.

Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit, unter anderem Dozent an der Universität Hamburg, hingegen glaubt, „dass wir uns in der Endphase der Pandemie befinden“. In der Omikron-Variante sieht er die Möglichkeit zum Pandemie-Ende. Dies auch aus dem Grund, weil die Weltgesundheitsorganisation WHO vorhergesagt habe, dass sich rund 60 Prozent der Europäer mit der Omikron-Variante des Coronavirus infizieren werden. Dies würde aus Sicht des Virologen die Grundimmunität in der Bevölkerung wesentlich erhöhen. * kreiszeitung.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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