Marx: Enzyklika ist moralisches Ausrufezeichen

Reinhard Marx

München - Die erste Sozialenzyklika “Caritas in veritate“ von Papst Benedikt XVI. ist nach Ansicht des Münchner Erzbischofs Reinhard Marx ein Arbeitsauftrag für Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.

“Ich bin sehr dankbar für dieses moralisches Ausrufezeichen, das der Papst setzt“, sagte Marx am Dienstag in München . “Es ist nun unsere Aufgabe, dies in den öffentlichen Diskurs einzubringen.“ Die Enzyklika sei eine Richtungsanzeige für die Gestaltung des gesamten menschlichen Miteinanders. Sie sei insgesamt von einer ermutigenden Sicht der Welt getragen. “Es ist keine Jammerschrift über die Schlechtigkeit der Welt“, betonte Marx, der auch Vorsitzender der katholischen Bischöfe in Bayern ist.

Das Schreiben von Benedikt XVI. sei vielmehr ein Impuls, zu handeln und die Globalisierung der Welt zu gestalten - nach dem Motto “Ihr könnt etwas tun!“ Die Kirche sei aufgerufen, eine derart gestaltete Globalisierung zu begleiten. Eine alleinige Orientierung am Shareholder-Value-Denken lehne der Papst strikt ab, sagte Marx, der sich auch als Sozialethiker und Vertreter der katholischen Soziallehre einen Namen gemacht hat.

Gewinn als Zielsetzung sei nicht verwerflich, aber die Unternehmen dürften nicht nur profitorientiert arbeiten - sie müssten sich vielmehr in ihrem Handeln und in ihren Konzepten immer auch am Gemeinwohl orientieren. “Eine Ausrichtung nur auf den schnellen Profit schädigt letztlich die menschliche Entwicklung“, erklärte der Münchner Erzbischof. Grundgedanke der Enzyklika sei, dass der Mensch sich nicht auf die materielle und profitorientierte Seite reduzieren lassen dürfe. 

dpa

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