Früherkennung

Lungenkrebs-Schnelltest: Einmal pusten bitte

+
Eine Frau mit Zigarette: Etwa 45 000 Menschen bundesweit sterben jährlich an Lungenkrebs. Foto: Julian Stratenschulte

Etwa 45 000 Menschen bundesweit sterben jährlich an Lungenkrebs. Oft wird der Tumor erst erkannt, wenn es zu spät ist. Gute Schnelltests für die Früherkennung wären ein Segen. Ideen gibt es einige - bis zur praktischen Anwendung wird es aber noch dauern.

Bad Nauheim (dpa) - In ein Röhrchen zu blasen, könnte in Zukunft vielleicht nicht nur helfen, Alkohol bei Autofahrern festzustellen. In Hessen haben Wissenschaftler einen Lungenkrebs-Frühtest entwickelt, der über die Analyse von Atemluft funktioniert.

Das Diagnose-Verfahren ist noch nicht marktreif, aber erste Tests hatten gute Ergebnisse. Parallel wird an Bluttests zur Früherkennung gearbeitet.

Auf die Idee mit dem Atemtest kamen Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim. "Die Atemluftanalyse könnte die Erkennung von Lungenkrebs in frühen Stadien einfacher und zuverlässiger machen", sagt Arbeitsgruppenleiter Guillermo Barreto, "sie wird die herkömmlichen Verfahren aber nicht völlig ersetzen können". Der Test nutzt die Tatsache, dass bestimmte Erbgutmoleküle im Lungengewebe durch das Krebswachstum verändert werden. Beim Ausatmen werden Spuren dieser sogenannten RNA in die Atemluft abgegeben. RNA-Moleküle sind eine Art Arbeitskopien des Erbmaterials DNA.

Die Forscher haben eine Methode entwickelt, mit der sie die RNA-Moleküle aus der Luft isolieren können. Bisher haben sie das Verfahren an 138 Menschen getestet, von denen schon vorher bekannt war, ob sie Lungenkrebs hatten. Das Ergebnis: Bei 98 Prozent der Kranken schlug der Test korrekt an. Jetzt soll die Methode an mehr als 2000 Patienten in fünf verschiedenen Lungenzentren getestet werden, wie Barreto sagt. Außerdem soll die Anzahl von Markern erweitert werden, um unterschiedliche Lungenkrebstypen voneinander unterscheiden zu können.

Lungen- und Bronchialkrebs ist nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Deutschland die vierthäufigste Todesursache. 2015 starben daran 45 224 Menschen. "Besonders bei Frauen ist das Risiko, an Lungen- und Bronchialkrebs zu versterben, in den letzten Jahren stark angestiegen", berichtet Torsten Schelhase aus der Destatis-Fachabteilung. Waren im Jahr 2006 insgesamt 30,6 Frauen je 100 000 Einwohner daran gestorben, lag die Zahl im Jahr 2015 fast ein Viertel höher bei 37,7 Frauen je 100 000 Einwohner.

Lungenkrebs im Frühstadium spürt man meist nicht. Wenn deutliche Beschwerden auftreten, ist es oft schon zu spät dafür, den Krebs noch zu besiegen. Wird der Tumor früh erkannt, ist das fast immer Zufall. Ein Frühtest für Risikogruppen - vor allem ältere Raucher, aber auch familiär Vorbelastete - wäre ein Segen. "Wäre dies in einem früheren Stadium möglich, könnten bis zu 70 Prozent der Patienten fünf Jahre und mehr überleben", heißt es bei der Deutschen Krebsgesellschaft.

Prof. Jürgen Wolf von der Uniklinik Köln, Experte für Lungenkrebs-Diagnostik, findet die Ergebnisse aus Bad Nauheim "super spannend", betont aber: "Bis zur Anwendung ist es noch ein sehr weiter Weg." Entscheidend werde sein, ob der Atem-Test nur bei fortgeschrittenem Lungenkrebs anschlägt - "dann wäre das nicht so viel wert" - oder schon bei Patienten mit geringer Tumorlast - "das wäre toll". Auf jeden Fall sei es "ein Ansatz, den man weiterverfolgen sollte", sagt Wolf.

Umstritten ist ein regelmäßiges Screening mit einer belastungsarmen Form der Computertomographie, ähnlich wie bei der Mammografie gegen Brustkrebs. In den USA wird das Wolf zufolge für Raucher über 50 Jahre empfohlen, in Deutschland bisher nicht. Die Krebsgesellschaft verweist auf die hohe Zahl falscher Positiv-Befunde: Patienten werden mit einem Krebsverdacht konfrontiert, obwohl sie gesund sind.

Parallel werden andere Pfade beschritten, um Lungenkrebs früher zu erkennen. Ebenfalls vielversprechend sind Wolf zufolge Bluttests. "Da passiert im Moment sehr viel." Veraltet, weil erwiesenermaßen nutzlos, seien Tests am Sputum, dem Auswurf. "Das kann man ad acta legen." Ein gutes Mittel dafür, nicht an Lungenkrebs zu sterben, ist schon jetzt erhältlich, die Krebsgesellschaft empfiehlt es genauso wie Lungenkrebs-Experte Wolf und unzählige andere Fachleute: "Nicht rauchen".

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Eine Vision vom Wohnen von der IMM

Eine Vision vom Wohnen von der IMM

Zehn Dinge, die Sie im Bewerbungsgespräch sofort disqualifizieren

Zehn Dinge, die Sie im Bewerbungsgespräch sofort disqualifizieren

Rope Skipping: Seilspringen liegt wieder im Trend

Rope Skipping: Seilspringen liegt wieder im Trend

Dem Föhn im Gesicht getrotzt: Kerber nun gegen Scharapowa

Dem Föhn im Gesicht getrotzt: Kerber nun gegen Scharapowa

Meistgelesene Artikel

Familie lässt professionelle Fotos machen - als sie das Ergebnis sieht, brechen alle in Tränen aus

Familie lässt professionelle Fotos machen - als sie das Ergebnis sieht, brechen alle in Tränen aus

Taucherin: Ein Buckelwal rettete mein Leben vor einem Hai

Taucherin: Ein Buckelwal rettete mein Leben vor einem Hai

Frau kauft sich neue Jeans - doch was sie dann entdeckt, ist einfach nur abartig

Frau kauft sich neue Jeans - doch was sie dann entdeckt, ist einfach nur abartig

Bäuerin erwischt 18-Jährigen mit Toilettenpapier im Pferdestall - auf dem Revier macht er ein widerliches Geständnis

Bäuerin erwischt 18-Jährigen mit Toilettenpapier im Pferdestall - auf dem Revier macht er ein widerliches Geständnis

Kommentare