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Long Covid: Risiko für Depressionen steigt nach Corona-Infektion

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Von: Alexander Eser-Ruperti

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Eine Infektion mit dem Corona-Virus steigert offenbar das Risiko, im Rahmen von Long Covid eine Depression zu entwickeln. Warum ist das so?

New York – Im ersten Jahr der Corona-Pandemie hat die Weltgesundheitsorganisation WHO einen Anstieg von Angstzuständen und Depressionen um 25 Prozent registriert, berichtet die New York Times. Dabei geht es laut der Zeitung nicht nur um Sorgen vor der Zukunft, soziale Isolation oder gesundheitliche Ängste, sondern auch um ganz konkrete Folgen einer Corona-Erkrankung: Laut einer Studie aus dem Jahr 2021 berichten über 50 Prozent amerikanischer Erwachsener nach einer Corona-Infektion von Symptomen einer schweren depressiven Verstimmung.

Offensichtlich gehören auch Depressionen und Angstzustände zu der langen Reihe an Symptomen der „neuen Volkskrankheit“ Long Covid – und die Liste wächst.

Symptome von Long Covid: Risiko, eine Depression zu entwickeln, steigt durch Corona-Infektion

Es ist eine weitere Erkenntnis der Forschung zu den Symptomen von Long Covid: Die Gefahr, eine Depression zu entwickeln, steigt nach einer Corona-Infektion. Und das für einen überraschend langen Zeitraum: Bis zu einem Jahr nach vermeintlicher Genesung von einer Ansteckung mit dem Virus bleibt das Risiko laut New York Times erhöht. Viele Fragen sind dennoch weiter unklar. Dr. Ziyad Al-Aly, klinischer Epidemiologe an der Washington University in St. Louis hat laut der Zeitung Ansätze für die Gründe. In jedem Fall klar ist: „Das Coronavirus hat irgendetwas an sich, das das Gehirn wirklich beeinflusst.“

Bild 3D-Illustration des Corona-Virus.
3D-Illustration des Corona-Virus. Eine Corona-Infektion erhöht laut einer Studie die Gefahr, eine Depression zu entwickeln. (Symbolbild) © IMAGO

Während einige Infizierte beziehungsweise Genesene Wahrnehmungsstörungen, „Brainfog“, Gedächtnisverlust, Depressionen oder Angst entwickeln, bleiben andere davon verschont. Wieder andere erleiden Schlaganfälle. Bisher hat die Forschung zwar Erklär-Ansätze für die Prozesse im menschlichen Gehirn, eine endgültige Antwort gibt es allerdings nach wie vor nicht. Insgesamt berichtet die New York Times von drei verschiedenen Theorien für die Gründe psychischer und mentaler Probleme nach einer Corona-Erkrankung. Andere Studien hatten zuletzt zudem zu der Erkenntnis geführt, dass besonders eine Zweitinfektion das Risiko für Long-Covid erhöhen könnte.

Symptome nach Corona-Infektion: Was passiert bei Long Covid im menschlichen Gehirn?

Es bleibt zu betonen, dass es sich bei den genannten Ansätzen der Wissenschaft bisher nur um Vermutungen handelt. Die New York Times berichtet von drei möglichen Gründen für die besagten Long Covid Symptome. Der erste davon lässt sich am leichtesten erläutern: Durch die Infektion mit dem Coronavirus wird das Immunsystem bei manchen Menschen extrem aktiv, was wiederum zu entzündlichen Prozessen führen kann – auch im Gehirn. Die zweite Variante betrifft die sogenannten „Endothelzellen“, welche die innerste Zellschicht der Blutgefäße darstellen. Sie könnten während einer Infektion gestört sein, wodurch möglicherweise Substanzen eindringen, die Schaden anrichten.

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Option drei betrifft die „Mikroglia-Zellen“, also die Immunzellen des Gehirns. Sie kommen im gesamten Zentralen Nervensystem vor und gelten als Haushälter des Gehirns. Es besteht der Verdacht, so die Zeitung, die Mikroglia-Zellen könnten bei manchen Menschen im Rahmen einer Corona-Erkrankung verrücktspielen. Die mögliche Folge: Die Zellen greifen Neuronen an und beschädigen Synapsen.

Long-Covid-Symptome sind zahlreich – die Wissenschaft forscht weiter auf Hochtouren

Mögliche Long-Covid-Symptome sind zahlreich. Manchen Studien zufolge gibt es bis zu 62 mögliche Anzeichen – oder sogar mehr. Wissenschaftler halten es für denkbar, dass sich die Symptome auch in Abhängigkeit von der jeweiligen Corona-Variante unterscheiden. Insgesamt scheint Long Covid Männer und Frauen in unterschiedlichem Maße zu betreffen.

Derweil sucht die Forschung weiter nach Mitteln, um Long Covid zu verhindern – oder zu behandeln. Eine neue Studie hatte in diesem Rahmen kürzlich die Vermutung nahegelegt, das Medikament Paxlovid könnte, wenn zum richtigen Zeitpunkt eingenommen, bei bestimmten Personen die Long-Covid-Gefahr senken. Die Suche geht weiter.

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