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Lebensmittelsicherheit in Gefahr: Özdemir kritisiert Indiens sofortigen Export-Stopp von Weizen

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Von: Bona Hyun

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Indien verbietet ab sofort den Export von Weizen. Wegen extremer Hitze und steigender Preise auf dem Markt droht Knappheit beim Weizenhersteller.

Indien – Der Ukraine-Krieg hat weltweite Lebensmittelknappheit und Preissteigerungen zur Folge. Nach Sonnenblumenöl wurden Mehl und Hefe zunehmend Mangelware in den Supermärkten. Die Versorgungsengpässe versetzen Experten in Sorge, da die Anzahl hungernder Menschen zunehmen könnte. Nun verbietet mit Indien einer der aktuell wichtigsten Weizenhersteller den Export mit sofortiger Wirkung. Mehrere Ökonomen befürchten sogar eine mögliche Weizenkrise innerhalb Indiens, da extreme Wetterlagen die Weizenernte gefährden könnten.

Lebensmittelsicherheit in Gefahr: Özdemir (Grüne) kritisiert Indiens Export-Stopp von Weizen

Agrarminister Cem Özdemir (Grüne) zeigte sich aufgrund der Nachricht des Export-Stopps für Weizen aus Indien sehr kritisch und verwies auf die Verantwortung in dieser prekären Lage. „Wir haben alle miteinander, gerade die großen Exportnationen, auch eine Verantwortung für den Rest der Welt“, sagte Özdemir am Samstag in Stuttgart nach Abschluss des Treffens mit seinen Amtskollegen der G7-Industriestaatengruppe.

Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, steht vor dem Treffen der G7 Agrarminister vor dem Eingang am Schloss Hohenheim.
Özdemir kritisiert Indiens Stopp des Weizen-Exports scharf und plädiert für offene Märkte in dieser Zeit. © Bernd Weißbrod | dpa

„Ich sehe das sehr kritisch“, erklärte er mit Blick auf die Entscheidung zum Weizen-Stopp aus Neu Delhi.

Indien stoppt Export von Weizen: Özdemir ruft auf, „die Märkte grundsätzlich offen zu halten“

Die G7 sprechen sich Gastgeber Özdemir zufolge grundsätzlich gegen Exportstopps aus. „Wir rufen dazu auf, die Märkte offen zu halten.“ Indien als weltweit zweitgrößter Weizenproduzent hatte zuvor angekündigt, die Ausfuhr des Getreides mit sofortiger Wirkung zu verbieten. Die Entscheidung sei angesichts des Anstiegs der weltweiten Weizenpreise getroffen worden, wodurch die Lebensmittelsicherheit Indiens gefährdet sei.

Die G7 wollen laut Özdemir die Preise für Produktions- und Lebensmittel stärker überwachen als bisher, dabei gehe es beispielsweise um Düngemittel. Dazu solle das Agrarinformationssystem der G20-Gruppe der Industrie- und Schwellenländer gestärt werden.

Der G7-Gruppe gehören neben der Bundesrepublik die USA, Kanada, Frankreich, Großbritannien, Italien und Japan an.

großes Land in SüdasienIndien
Präsident:Ram Nath Kovind Im Trend
Hauptstadt:Neu-Delhi
Fläche:3.287.000 Quadratkilometer

Indien stoppt weltweiten Weizenexport wegen steigender Preise

Indien ist nach China der zweitgrößte Weizenproduzent, wobei ein Großteil der Produktion im Land selbst verbraucht wird. Wegen des Ukraine-Kriegs werden neben steigenden Strom und Gas-Preisen auch die Lebensmittel teurer – Supermärkte und Discounter kündigten deshalb massive Preissteigerungen an. Bei den Weizenexporteuren führt die Preissteigerung zu Problemen, weshalb Indien den Export einstellt. Laut Mitteilung der Regierung wolle Indien die Preissteigerungen im eigenen Land zunächst regulieren. Des Weiteren seien Auslieferungen bereits ausgestellter Geschäftsverträge weiterhin zulässig.

Ein Landwirt in Indien erntet Weizen
Indien verbietet den Export von Weizen mit sofortiger Wirkung. Grund ist die Preissteigerung und drohende Knappheit von Weizen im Land. (Symbolbild) © Hindustan Times/imago

Nach übereinstimmenden Medienberichten und statistischen Erhebungen waren Russland und die Ukraine für knapp 30 Prozent der weltweiten Weizenexporte im Zeitraum 2020/2021 verantwortlich. Als es in der Ukraine infolge des Kriegs zu erheblichen Ausfällen des Weizenexports kam, sprang Indien ein.

Nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs: Viele Länder setzten auf Indien als Weizen-Exporteur

Viele Länder hatten nach dem Lieferausfall in der Schwarzmeerregion auf Indien gesetzt. Jedoch haben die verstärkte Ausfuhr von Weizen und die damit einhergehenden Preissteigerungen zuletzt die Versorgungssicherheit innerhalb des Landes bedroht. Der Exportstopp könnte am Weltmarkt die Preise weiter erhöhen, da durch die ausbleibenden Lieferungen aus der Schwarzmeerregion Millionen Tonnen an Weizen fehlen. Ärmere Länder in Asien und Afrika sind besonders hart betroffen.

Weizen Knappheit in Indien: Extreme Hitze bedroht Ernteeinträge

Hinzu kommt, dass Indien unter einer extremen Hitzewelle leidet, die die Ernte bedroht. Der Mai zählt in Indien als heißester Monat des Jahres. Der Nationale Wetterdienst teilte am Freitag einen Hitzerekord von 51,0 Grad in der Stadt Phalodi mit. Die Extremhitze verringere die Weizenernte um knapp sechs Prozent, wie das Department of Food & Public Distribution publizierte.

Steigende Preise könnte Zahl der Hungernden drastisch steigern

Die Regierung in Indien kauft selber große Mengen an Weizen ein, um unter anderem die arme Bevölkerung zu versorgen. Das Land hätte neue Märkte in Europa, Asien und Afrika erschließen sollen. Zudem war vorgesehen, dass Indien in den Jahren 2022 und 2023 bis zu zehn Millionen Tonnen Weizen zu exportieren. Die gemeinnützige Organisation Welthungerhilfe hatte die indische Regierung bereits im Vorfeld vor dieser Entscheidung gewarnt.

Sie befürchteten schon damals einen „noch drastischeren Anstieg“ hungernder Menschen, wie die Augsburger Allgemeine berichtet. Laut Aussage der Organisation leiden weltweit etwa 800 Millionen Menschen unter Hunger. Auch mit Blick auf die steigenden Mehlpreise befürchten Experten, dass die Menschen in Afrika hungern müssen. (mit Material der dpa)

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