Lebensmittelhilfen in Somalia gestohlen

Mogadischu - Tausende Säcke mit Lebensmittelhilfen für die Opfer der Hungerkatastrophe in Somalia werden nach Informationen der Nachrichtenagentur AP gestohlen und auf Märkten verkauft.

Ein Gewährsmann in Mogadischu sagte, skrupellose Geschäftsleute rissen sich möglicherweise bis zu 50 Prozent der Hilfslieferungen unter den Nagel. Im Flüchtlingslager Badbado erklärten Familien, ihnen sei die ausgeteilte Unterstützung wieder weggenommen worden.

Hungerkatastrophe in Somalia

Hungerkatastrophe in Somalia

Das Welternährungsprogramm (WFP) kündigte am Montag eine Untersuchung an. Eine Unterbrechung der Hilfslieferungen während der Ermittlungen sei aber nicht möglich, ohne “viele unnötige Todesfälle“ in Kauf nehmen zu müssen.

Der Gewährsmann in Mogadischu sagte der AP, seit in den vergangenen Wochen völlig ohne oder mit nur geringen Kontrollen Hilfslieferungen in der Hauptstadt einträfen, habe sich für Geschäftsleute eine Goldgrube aufgetan. Seinen Namen wollte der Mann, der sich mit den Geschäften mit den Hilfslieferungen auskennt, nicht genannt wissen.

Auf Märkten in der Hauptstadt werden etliche Säcke mit Stempeln des WFP, der US-Entwicklungshilfebehörde USAID und der japanischen Regierung angeboten. Die AP entdeckte acht verschiedene Stellen, an denen Lebensmittelhilfen verkauft wurden.

“Man hat keine Wahl. Man muss es einfach abgeben“

Flüchtlinge in Badbado erklärten, nachdem sie von Journalisten mit Lebensmittelhilfen fotografiert worden seien, hätten sie ihre Unterstützung häufig abgeben müssen. Er habe zwei Mal zwei Säcke Mais erhalten und sei gezwungen worden, jeweils einen dem Anführer des Lagers zu überlassen, sagte Ali Said Nur. “Man hat keine Wahl. Man muss es einfach ohne Diskussion geben, um weiter bleiben zu können“, erklärte der Flüchtling.

Recherchen der AP erbrachten außerdem Hinweise darauf, dass das WFP mit einem Auftragnehmer zusammenarbeitet, der in einem UN-Bericht von vergangenem Jahr beschuldigt wurde, große Mengen Hilfslieferungen abgezweigt zu haben. Acht somalische Geschäftsleute erklärten, sie hätten von dem Mann Lebensmittel gekauft. Dessen Frau leitet die somalische Hilfsorganisation Saacid, über die das WFP warme Mahlzeiten verteilen lässt. Der Gewährsmann in Mogadischu sagte der AP, an manchen Einrichtungen werde offenbar nicht einmal die Hälfte des zur Verfügung gestellten Essens zubereitet.

Vertreter internationaler Organisationen gehen seit längerem davon aus, dass ein Teil der Unterstützung für die Hungernden in Somalia verschwindet. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind 3,2 Millionen Einwohner des afrikanischen Landes - etwa die Hälfte der Bevölkerung - auf Lebensmittelhilfen angewiesen. Mehr als 450.000 leben in von militanten Islamisten kontrollierten Gebieten, wo Unterstützung nur schwer verteilt werden kann. US-Angaben zufolge sind bereits 29.000 Kinder gestorben, die jünger als fünf Jahre waren.

dapd

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