Lawinenunglück in Russland: Überlebende geborgen

Kamtschatka/Russland - Bei dem Lawinenunglück in Russland hat es offensichtlich weniger Tote gegeben, als bisher angenommen. Die Opfer kommen unter anderem aus Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen.

Mindestens fünf deutsche Wintersportler sind bei dem Lawinenunglück im Fernen Osten Russlands getötet worden. Unter den insgesamt zehn Opfern seien auch fünf Russen, sagte eine Sprecherin des russischen Zivilschutzministeriums nach Angaben der Agentur Itar-Tass. Die Snowboarder starben, als sie und der Hubschrauber am Samstag auf der Pazifik-Halbinsel Kamtschatka von einer Lawine erfasst wurden. Sechs Deutsche, ein Belgier sowie ein weiterer Passagier hätten das Unglück überlebt. Zwei der Überlebenden wurden schwer verletzt, darunter auch ein Deutscher.

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Dem Auswärtigen Amt in Berlin lagen zunächst keine gesicherten Erkenntnisse über die genaue Zahl deutscher Staatsangehöriger an Bord vor. Das Generalkonsulat in Nowosibirsk bemühe sich intensiv um Aufklärung, sagte eine Sprecherin. Zur Reisegruppe gehörten nach Angaben des Reiseveranstalters Flory Kern neun Sportler aus Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen, ein Belgier und ein Russe. Sie wurden von zwei deutschen und einem russischen Bergführer begleitet. Die Besatzung bestand aus drei Russen.

Nach Behördenangaben waren insgesamt 18 Menschen dabei. Darunter soll auch ein Kind gewesen sein, angeblich der Enkelsohn des Piloten. Die beiden Verletzten seien in "kritischem Zustand" in ein Krankenhaus gebracht worden. Das von Vulkanen geprägte Naturparadies Kamtschatka gilt bei zahlungskräftigen Touristen als Tipp für Abenteuerreisen. Um 16.15 Uhr Ortszeit (6.15 MESZ) ging die Lawine plötzlich ab und begrub die Opfer unter einer 10 bis 15 Meter hohen Schneemasse. Zu dem Zeitpunkt habe sich die Reisegruppe im Hang aufgehalten, hieß es. Der Hubschrauber habe weiter unten im Tal gestanden. Reiseveranstalter Kern, der erst vergangene Woche von einer Kamtschatka-Reise zurückgekehrt war, zeigte sich geschockt von dem Unglück. "Es herrscht Hochwinter. Ich bin den gleichen Hang, die gleiche Piste gefahren", sagte Kern in Schonach (Baden-Württemberg) der Nachrichtenagentur dpa. Er habe die Lawinensituation bei seinem Aufenthalt als "relativ sicher" beurteilt. "Man kann leider nicht in den Schnee hineinschauen", sagte er.

Das Auslösen einer Lawine durch den Start oder die Landung eines Hubschraubers ist nicht ungewöhnlich. "Das ist ein bekanntes Phänomen", sagte ein Experte der bayerischen Polizei-Hubschrauberstaffel der dpa. "Gerade in Russland sind die Hubschrauber meistens noch ein bisschen größer und lauter, da ist das sehr gut möglich." In Kamtschatka kommen zumeist Mi-8-Hubschrauber zum Einsatz. Die "Traktoren der russischen Luftfahrt" gelten als zuverlässig und werden stets von zwei Piloten gesteuert.

Suchmannschaften entdeckten den Helikopter am Dukum-Pass, etwa 70 Kilometer südwestlich der Stadt Jelisowo. Zuvor war der Funkkontakt abgerissen. Zwei Ärzte-Teams wurden zur Unglücksstelle geflogen. Dort herrschten tiefe Minustemperaturen. Der russische Zivilschutzminister Sergej Schoigu berichtete Kremlchef Dmitri Medwedew über die Bergung.

Im unwegsamen Kamtschatka gibt es kaum Straßen. So sind Hubschrauber oft das einzige Verkehrsmittel. Für Ausflüge in die malerische Landschaft mit Gletschern und Geysiren müssen Touristen deshalb tief in die Tasche greifen. Auf der erdbebengefährdeten Halbinsel leben zudem tausende Bären.

dpa

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