"Stern": Kohl nennt seinen früheren Biografen "verrückt"

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Alt-Bundeskanzler Kohl bei der Präsentation seines Buches "Vom Mauerfall zur Wiedervereinigung". Foto: Boris Roessler/Archiv

Berlin (dpa) - Altkanzler Helmut Kohl hat seinen ehemaligen Biografen Heribert Schwan im Streit um die publizistische Verwertung von Gesprächen über sein politisches Leben persönlich angegriffen.

Kohl sagte dem "Stern" in einem gemeinsamen Gespräch mit seiner Frau Maike Kohl-Richter nach einer Mitteilung des Magazins vom Mittwoch, es sei sein Fehler gewesen, dass er Schwan vertraut habe. Der sei "verrückt". Kohl-Richter nannte Schwan demnach einen "Wichtigtuer" und warf ihm Diebstahl geistigen Eigentums vor.

Schwan hatte Kohl 2001 und 2002 mehr als 600 Stunden in dessen Haus interviewt und die Gespräche auf Band aufgenommen. Sie dienten der Vorbereitung von Kohls Memoiren, von denen drei Bände erschienen - danach wurde die Zusammenarbeit beendet. Nun hat Schwan das Buch "Vermächtnis: Die Kohl-Protokolle" veröffentlicht und darin zum Teil unverblümt Kohls Kritik an politischen Weggefährten wiedergegeben.

Kohl bestreitet, dass Schwan seine Aussagen hätte verwenden dürfen und verlangt, dass mehr als 100 Zitate in dem Buch gestrichen werden. In dem Rechtsstreit zwischen den beiden will das Landgericht Köln am 13. November eine Entscheidung verkünden.

Schwan wies Kohls Vorwürfe erneut zurück. "Vielleicht erklärt er mich auch aufgrund der Erfolglosigkeit der bisherigen Bemühungen seiner Anwälte kurzerhand für "verrückt"", teilte Schwan am Mittwochabend mit. "Diese persönliche Diffamierung und Herabwürdigung nehme ich ihm trotz deren Justizibialität aber nicht wirklich übel." In gewisser Weise freue er sich sogar darüber. "Denn wenn Kohl sich derart massiv echauffiert, dann scheint es ihm gut zu gehen. Und wer unser Buch gelesen hat, der weiß, dass Kohl nur diejenigen mit wüsten Beschimpfungen "würdigt", die ihm einmal wichtig waren oder sogar immer noch sind."

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