Von der Mordverdächtigen zur Prominenten: Was wird aus Amanda Knox?

Seattle - Die Italiener verabschiedeten Amanda Knox mit “Schande“-Rufen, die USA empfingen sie wie eine Heldin. Der Prozess war vermutlich teuer: Muss die Studentin aus dem Mordfall schnell Kapital schlagen?

“Willkommen daheim, Amanda“ prangte in großen Buchstaben auf dem Schild einer Tankstelle in Seattle. Die Stadt im Bundesstaat Washington begrüßte Amanda Knox nach ihrem spektakulären Freispruch vom Mordvorwurf in Italien wie eine verlorene Tochter. Auch der Rest der USA zeigte sich tief gerührt über ihre Rückkehr: Immer und immer wieder zeigten die amerikanischen TV-Sender am Mittwoch die Bilder jubelnder, weinender Angehöriger und Freunde, als sie die 24-Jährige am Flughafen in die Arme schließen konnten.

Man nennt sie auch den "Engel mit den Eisaugen": Amanda Knox

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Der Medienrummel am Airport machte klar, was der jungen Frau in den nächsten Monaten vermutlich blühen wird: eine Belagerung durch Paparazzi, Boulevard-Journalisten und Verlagsagenten. Bereits jetzt häuften sich bei ihr Interview-Bitten der großen Fernsehsender, schreibt die “USA Today“. Es laufe ein “heftiger Konkurrenzkampf“ darum, wer sie zuerst für ein Gespräch vor die Kamera bekommt.

Dabei wolle die Familie nur ihre Ruhe haben, sagte Vater Curt Knox bei der Pressekonferenz am Dienstag nach Amandas Landung in der Heimat. Spekulationen zufolge wird die Familie erst einmal abtauchen und zumindest die kommenden Wochen nicht in ihrem Haus in Seattle verbringen, das von Fotografen belagert wird. “Der Fokus liegt schlicht auf Amandas Gesundheit und darauf, sie wieder damit vertraut zu machen, einfach eine normale Person zu sein“, sagte ihr Vater weiter. Irgendwann wolle sie dann auch ihr Studium fortsetzen.

Eine Rückkehr in die Normalität dürfte wohl noch lange dauern. Nicht nur ist Amanda Knox durch den spektakulären Mordprozess weltweit bekanntgeworden. Sie muss nach Berichten der Lokalzeitung “The Seattle Times“ zudem mit ihrer Familie einen Weg finden, die vermutlich hohen Schulden abzuzahlen, die durch ihre juristische Verteidigung während der vierjährigen Haft aufgelaufen sein sollen.

Die Zeitung beziffert diese Kosten auf “weit über“ eine Million Dollar (750 000 Euro) und beruft sich dabei auf Freude und Bekannte der Familie. So sollen die Eltern eine zweite Hypothek auf ihr Haus aufgenommen, ihre Kreditkarten bis ans Limit belastet und sogar Altersrücklagen angezapft haben, um etwa die vielen Flüge zahlen und ein Haus in der Nähe von Perugia mieten zu können, wo der Prozess über die Bühne ging. Selbst die Großmutter soll sich mit 250 000 Dollar verschuldet haben, vermutete die Zeitung weiter.

Doch ob die Studentin tatsächlich Kapital aus ihrem Italien-Trauma schlagen kann, ist ungewiss. Große US-Sender wie CBS und ABC sind mittlerweile bekannt dafür, Interviewpartnern aus ethischen Gründen kein Geld zu zahlen. Und Fernsehfilme hat es auch vorher schon über Knox gegeben, ohne dass sie finanziell davon profitiert hätte. Monate vor ihrem Freispruch lief etwa im Kanal Lifetime ein Film mit Starbesetzung, der ihren Kriminalfall nachstellte.

Dennoch spekulieren vor allem selbst ernannte Experten, dass Amanda Knox schnell zur Millionärin werden könne, wenn sie ihr Schicksal geschickt vermarkte. Ihr Marktwert belaufe sich auf zig Millionen Dollar, schätzte der Sender Fox News auf seiner Website. Schließlich habe ganz Amerika Sympathie für die junge Frau. Ein Buch über ihre leidvollen Erfahrungen in Italien würde ihr wahrscheinlich aus den Händen gerissen, die Rechte für dessen Verfilmung könnte sie locker zu Höchstpreisen verkaufen, glaubt Fox News. Der Rat des Senders: Knox müsse das Eisen schmieden, so lange es heiß sei. Die Frage ist nur, ob sie das überhaupt will.

dpa

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