Kirgistan: Zustände wie im Krieg

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Ein Junge steht neben einem ausgebrannten Auto in der Stadt Osch.

Osch/Moskau - In dem von blutigen Unruhen erschütterten Süden der zentralasiatischen Republik Kirgistan ist die Lage weiter gespannt, die Zahl der Todesopfer wurde nach oben korrigiert.

Auch nach der teilweisen Mobilmachung des Militärs in der Stadt Osch hielten die gewaltsamen ethnischen Auseinandersetzungen zwischen Kirgisen und Usbeken an. Das meldete die Nachrichtenagentur Akipress am Sonntag. Der Konflikt hatte sich zuletzt auch auf Dschalal-Abad und andere Orte ausgeweitet.

so haben ethnische Kirgisen in einem Dorf im Süden Kirgistans etwa 30 Angehörige der usbekischstämmigen Minderheit getötet. Ein Militärsprecher sagte der Nachrichtenagentur AP in der Hauptstadt Bischkek weiter, die blutigen Ausschreitungen hätten sich am Sonntag im Dorf Susak in der Region Dschalal-Abad ereignet. Ein weiteres usbekisches Dorf, Dostuk, sei von kirgisischen Angreifern angezündet worden. Die Zahl der Opfer dort sei unklar, sagte Sprecher Talaaibek Myrsabajew.

Seit Donnerstag kamen bei den Straßenschlachten nach offiziellen Angaben mindestens 80 Menschen ums Leben. Mehr als 1000 weitere wurden verletzt. Das Hochgebirgsland an der Grenze zu China kommt seit dem Sturz des autoritären Präsidenten Kurmanbek Bakijew Anfang April nicht zur Ruhe. Tausende Angehörige der usbekischen Minderheit versuchten nach Medienberichten, die Grenze zu ihrem benachbarten Heimatland zu überqueren.

Bei den Kämpfen zwischen Kirgisen und Usbeken waren in Osch ganze Wohnviertel zerstört und geplündert worden. Auch am Sonntag brannten nach Angaben des Zivilschutzes viele Gebäude. Das Militär errichtete nach Verhängung des Ausnahmezustandes in Osch und Dschalal-Abad zahlreiche Posten mit Soldaten. In Osch landete ein Flugzeug aus der Hauptstadt Bischkek mit Medikamenten, Lebensmitteln und Kleidung. Die Behörden begannen damit, Verletzte aus der Region auszufliegen. Beobachter sprachen von einer “humanitären Katastrophe“ und Zuständen wie im Krieg.

Übergangsregierungschefin Rosa Otunbajewa machte auch Anhänger des gestürzten Präsidenten Bakijew für das Blutvergießen verantwortlich. Die Unruhe-Region ist die Heimat von Bakijew, der nach einem Volksaufstand mit Dutzenden Toten nun in Weißrussland Asyl erhalten hat. Kirgistan hofft auf internationale Hilfe sowie den militärischen Beistand Russlands. Moskau hatte dies zunächst abgelehnt.

dpa/apn

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