Spektakulärer Kalinka-Prozess geht in Paris weiter

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Kalinka, eine Französin polnischer Abstammung, war 1982 im Haus ihrer Mutter und ihres Stiefvaters in Lindau am Bodensee unter unklaren Umständen gestorben

Lindau/Paris - Vor einem Pariser Geschworenengericht ist am Dienstag der Prozess gegen den bayerischen Arzt Dieter K. um den Tod seiner französischen Stieftochter Kalinka neu aufgenommen worden.

Vor einem Pariser Geschworenengericht hat ein neuer Prozess um den bayerischen Arzt Dieter K. und den Tod seiner französischen Stieftochter Kalinka begonnen. Auf Krücken gestützt erschien der Deutsche am Dienstag zur Verhandlung. Das spektakuläre Verfahren war Anfang April wegen Herzproblemen des Angeklagten aus dem Landkreis Lindau am Bodensee abgebrochen worden. Der 76-Jährige wird verdächtigt, Kalinka vor fast drei Jahrzehnten getötet zu haben.

Der leibliche Vater des Mädchens, André Bamberski, hatte den Mediziner Ende 2009 nach Frankreich verschleppen lassen. Damit wollte er erreichen, dass dieser dort noch einmal vor Gericht gestellt wird. Er betonte vor Journalisten im Gericht, er sei zuversichtlich, dass das Verfahren diesmal erfolgreich zu Ende gebracht werde. Die Tochter des Angeklagten dagegen sagte auf dem Weg in den Gerichtssaal, ihr Vater sei so gebrechlich, dass er dem Verfahren für seine erfolgreiche Verteidigung kaum noch folgen könne.

Komplett neue Verhandlung

Dieter K. war wegen des Todes seiner Stieftochter 1995 in Abwesenheit in Frankreich zu 15 Jahren Haft verurteilt worden - doch hob ein Berufungsgericht das Urteil später wegen Verfahrensfehlern wieder auf. Die Bundesrepublik lieferte den bayerischen Arzt nie aus, weil die deutsche Justiz schon Jahre zuvor ein Ermittlungsverfahren aus Mangel an Beweisen eingestellt hatte. Kalinkas leiblicher Vater wollte dies nicht akzeptieren und fädelte im Oktober 2009 die Entführung von Dieter K. nach Frankreich ein, wo er festgenommen wurde.

Die Verteidigung von Dieter K. setzte sich zum rund sechsstündigen Verhandlungsauftakt am Dienstag erneut für einen sofortigen Abbruch des Prozesses ein. Anwalt Philippe Ohayon verwies unter anderem darauf, dass eventuell ein französischer General an der Entführung seines Mandanten beteiligt gewesen sei. Bei der Tat könne es sich damit um ein “Staatsverbrechen“ gehandelt haben, auf dessen Basis kein anderer Strafprozess stattfinden dürfe.

Das Gericht wollte sich an diesem Mittwoch zu den Einwänden äußern. Dieter K. hatte bereits im Vorfeld mehrfach die Rechtmäßigkeit des Verfahrens angezweifelt, da er wegen des Falles in Deutschland nicht belangt werde und verschleppt worden sei. Verletzungen von der Entführung beeinträchtigten seine Gesundheit noch heute.

Die Gerichtsverhandlung musste komplett neu beginnen, da neue Geschworene gefunden werden mussten. Ärzte hatten nach der Aussetzung des Prozesses im April zudem dafür plädiert, Dieter K. nur noch drei Stunden täglich im Gericht zuzumuten. Er selbst wird für die Dauer des Prozesses unter Bewachung in einem benachbarten Krankenhaus untergebracht. Die Verhandlung soll bis zum 21. Oktober dauern.

dpa

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