Jugendämter prüfen häufiger das Wohlergehen von Kindern

+
Jugendämter prüfen häufiger das Wohlergehen von Kindern. Foto: Britta Pedersen

Schwer misshandelte oder völlig vernachlässigte Kinder schockieren immer wieder die Öffentlichkeit. Die Jugendämter reagieren und sehen häufiger nach dem Wohl vor allem kleiner Kinder.

Wiesbaden (dpa) - Die Jugendämter in Deutschland überprüfen immer häufiger, ob ein Kind in Gefahr ist. Rund 124 000 solcher Verfahren wurden 2014 abgeschlossen. Das waren 7,4 Prozent mehr als im Jahr zuvor, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit.

Die Zahlen werden erst seit 2012 erhoben. Die Fachleute stellten 2014 rund 18 600 Mal eine akute Gefährdung fest. Das war ein Anstieg von 8,2 Prozent innerhalb eines Jahres. In 22 400 Verfahren konnte eine Gefahr für das Kindeswohl nicht ausgeschlossen werden (plus 4,7 Prozent).

Fast zwei Drittel (64 Prozent) dieser Kinder wiesen Zeichen von Vernachlässigung auf. Bei mehr als jedem Vierten (27 Prozent) gab es Hinweise auf psychische Misshandlung. Etwas seltener (24 Prozent) stellten die Fachleute Anzeichen körperlicher Misshandlung fest. Deutliche Hinweise auf sexuelle Gewalt gab es in knapp fünf Prozent der Fälle.

In den meisten Verfahren wurde jedoch keine Gefahr für das Kind ausgemacht (83 100). Allerdings attestierten die Jugendämter rund der Hälfte dieser Familien, dass sie Unterstützung brauchen. Die Verfahren mit dieser Einschätzung nahmen am stärksten zu, um 9,8 Prozent auf 41 500.

Die Jugendämter überprüften etwa gleich häufig das Wohl von Jungen und Mädchen. Fast jedes vierte Kind war noch keine drei Jahre alt. Ein Fünftel war drei bis fünf Jahre alt.

Polizei, Gericht und Staatsanwaltschaft machten die Jugendämter am häufigsten - in jedem fünften Verfahren - auf eine mögliche Gefährdung des Kindes aufmerksam. In rund 13 Prozent gingen die Behörden Hinweisen von Nachbarn oder Bekannten nach. In 12,5 Prozent hatten Schulen und Kitas die Jugendämter informiert. Mehr als jeden zehnten Hinweis erhielten die Fachleute anonym.

Eine Kindeswohlgefährdung liegt nach dem Gesetz vor, wenn eine erhebliche Schädigung des körperlichen, geistigen oder seelischen Wohls des Kindes oder Jugendlichen bereits eingetreten oder mit ziemlicher Sicherheit zu erwarten ist.

Pressemitteilung Statistisches Bundesamt

Mehr zum Thema:

Gestörte Feier nach Wolfsburger Rettung in Braunschweig

Gestörte Feier nach Wolfsburger Rettung in Braunschweig

Puzzle-Action und Stress auf dem Bau

Puzzle-Action und Stress auf dem Bau

Kooperationsspiele im Aufwind

Kooperationsspiele im Aufwind

Von wegen untendrunter: Unterwäsche trägt man nun sichtbar

Von wegen untendrunter: Unterwäsche trägt man nun sichtbar

Meistgelesene Artikel

Der Junge auf der Kinderschokolade: So sexy sieht er heute aus

Der Junge auf der Kinderschokolade: So sexy sieht er heute aus

Lehrerin kürt Siebtklässlerin zur „Terroristen-Kandidatin“

Lehrerin kürt Siebtklässlerin zur „Terroristen-Kandidatin“

Kinderwunsch? Arzt half wohl mit seinem Sperma

Kinderwunsch? Arzt half wohl mit seinem Sperma

Drama in den Alpen: Erdrutsch schließt 17 Menschen in Schlucht ein

Drama in den Alpen: Erdrutsch schließt 17 Menschen in Schlucht ein

Kommentare