Er nahm sie nicht ernst

"Sklavin" schrieb Nachbarn Liebesbriefe 

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Ein Polizist hält vor dem Haus der Verdächtigen Wache.

London - Die Ermittlungen im Fall von moderner Sklaverei in London haben neben dem politischen Hintergrund der Kommune eine tragische Liebesgeschichte der jüngsten der drei Opfer ans Licht gebracht.

Die Verdächtigen im Fall von moderner Sklaverei in London sind wohl frühere Maoisten. Die drei Frauen, die sie jahrzehntelang wie Sklavinnen hielten, sind offenbar mit ihren beiden Peinigern mehrmals umgezogen. Scotland Yard habe mindestens 13 Adressen in London mit dem Mann aus Indien und seiner tansanischen Frau in Verbindung gebracht, berichteten britische Medien am Montag.

Der 73 Jahre alte Mann und die 67 Jahre alte Frau waren in den 1960er Jahren nach London gekommen. Sie hätten sich nach Informationen der BBC dem Mao-Tsetung-Gedenkzentrum im Stadtteil Brixton angeschlossen. Dort seien sie in den 1970er Jahren gemeinsam mit drei weiteren Aktivisten auch einmal festgenommen worden. Das politisch radikale Zentrum im Londoner Süden war 1978 von den Behörden zwangsgeräumt und geschlossen worden.

Mindestens acht Jahre müssen sie in ihrer letzten Wohnung in Brixton verbracht haben: Übereinstimmenden Zeitungsberichten zufolge soll das jüngste Opfer während dieser Zeit einem Nachbarn über 500 Liebesbriefe geschrieben haben. Die heute 30-jährige "Rosie" habe Marius Feneck die Briefe heimlich in den Postkasten gesteckt, wann immer sie ihr Gefängnis für Einkäufe verlassen durfte, berichtete die "Sun". Sie war demnach hoffnungslos verschossen in den 26-jährigen Familienvater, den sie in ihren Schreiben immer wieder als "mein Liebling" bezeichnete. In einigen Briefen ging sie aber auch auf ihre Lage ein, berichtete, dass sie sich wie "eine Fliege im Spinnennetz" fühle und von "verrückten, bösen und rassistischen Monstern" festgehalten werde.

Gleichzeitig aber warnte die Frau, die möglicherweise die gemeinsame Tochter des "Kommunen-Führers" mit der 57-jährigen Irin ist, den jungen Schweißer davor, etwas zu unternehmen. Feneck selbst sagte der "Sun", er habe die Briefe nicht ernst genommen. Es sei schade, dass er damals nichts gewusst habe, sonst hätte er sicherlich Wege gefunden, um zu helfen.

Die Polizei hatte am Samstag bekanntgegeben, Hintergrund des Dramas um drei Frauen, die mehr als 30 Jahre lang in psychischer und physischer Abhängigkeit als moderne Sklavinnen gehalten worden sein sollen, sei eine ehemalige „Kommune“. Opfer und mutmaßliche Täter hätten zunächst eine „gemeinsame politische Ideologie“ geteilt.

Sklaven auch in Nagelstudios und Schnellimbissen

In Großbritannien ging unterdessen die Diskussion über die Ausmaße von moderner Sklaverei weiter. Innenministerin Theresa May sagte, Formen von Zwangsarbeit und Sklaverei seien in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens „sichtbar versteckt“. Sie nannte unter anderem Nagelstudios, Schnellimbisse und Bordelle als Orte, wo Menschen ausgebeutet werden. Das britische Unterhaus will im nächsten Jahr ein Gesetz verabschieden, das unter anderem härtere Strafen für Menschenhandel vorsieht, bis hin zu lebenslanger Haft.

dpa/afp

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