Japan bangt: Reaktor-Ruine strahlt

Tokio - Die Katastrophe in Japan nimmt kein Ende. An der stark strahlenden Atomanlage von Fukushima wechselt das Kühlteam der Feuerwehr. Niemand weiß, was in den Unglücksreaktoren geschieht. Unterdessen gibt es schon über 7200 Erdbebentote.

Die Arbeiter am stark beschädigten Atomkraftwerk Fukushima Eins stemmen sich gegen den atomaren GAU. Die Feuerwehr schickte am Samstag neue Männer aus Tokio, um die Reaktor-Ruinen zu kühlen. Welche Kettenreaktionen in der Anlage ablaufen, blieb unklar: Die hohe Radioaktivität macht es unmöglich, ins Innere vordringen. Nötige Messgeräte sind längst ausgefallen. Techniker versuchten, die Kühlung mit Hilfe neu verlegter Stromkabel wiederherzustellen, teilte der Betreiber der vier Unglücksreaktoren nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo mit.

Der Reaktor 2 sollte noch am Samstag an die Stromversorgung angeschlossen werden. Danach müssten die Geräte zur Kühlung des Reaktors aber erst getestet werden, erklärte der Kraftwerksbetreiber Tepco. Block 2 ist für die Arbeiter nicht zugänglich, weil dort die äußere Hülle anders als bei den Nachbarreaktoren noch steht. Am frühen Samstag hatten Feuerwehrleute und Militär erneut damit begonnen, Wasser auf den Block 3 zu sprühen. Am Samstagmorgen flog der Nachrichtenagentur Kyodo zufolge ein Armeehubschrauber über das Unglücks-AKW. Das Verteidigungsministerium habe mitgeteilt, dass aus der Luft mit Wärmebildkameras die Temperatur gemessen werden sollte. Die Besatzung des Hubschraubers werde zudem schauen, ob das Wasser im Abklingbecken des Blocks 4 ankam - dort liegen alte Brennstäbe.

Ohne Wasser ist dort eine weitere heftige nukleare Kettenreaktion unausweichlich. Die Folge wäre im schlimmsten Fall eine großflächige radioaktive Verstrahlung. 139 Feuerwehrleute, die seit Donnerstag an den Reaktoren im Einsatz waren, sollten ausgetauscht werden. Sie sollten nicht länger der radioaktiven Strahlung ausgesetzt bleiben, hieß es. 100 Kollegen rückten dafür am Samstag aus dem 230 Kilometer entfernten Tokio an. Die Suche nach den Opfern des Erdbebens mit anschließendem Tsunami vom Freitag vor einer Woche ging unterdessen weiter. 10 902 Menschen galten am Samstag noch als vermisst. Nach Angaben der Polizei waren 7197 Todesopfer gezählt worden.

Japan-Katastrophe: Bilder vom Freitag

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Damit hat die Katastrophe mehr Menschen das Leben gekostet als das verheerende Erdbeben, das am 17. Januar 1995 die japanische Hafenstadt Kobe verwüstete. Damals starben etwas mehr als 6400 Menschen. Einen kurzen Hoffnungsschimmer löste die Nachricht aus, im besonders stark zerstörten Ort Kesennuma in der Präfektur Miyagi sei acht Tage nach dem Beben noch ein Überlebender in den Trümmern seines Hauses gefunden worden. Kurze Zeit später stellte sich jedoch heraus, dass der Mann zuvor schon in einem Notaufnahmelager gewesen war. Er sei am Freitag in sein Haus zurückgekehrt, um dort aufzuräumen.

Der Bau von Baracken für die Überlebenden begann unterdessen mit Problemen. In der Stadt Kamaishi musste der Bau von Behelfswohnungen verschoben werden. Weil der Kraftstoff knapp sei, konnte das Baumaterial nicht geliefert werden, berichtete Kyodo unter Berufung auf die lokalen Behörden. In der besonders zerstörten Küstenstadt Rikuzentakata, die wie Kamaishi in der Präfektur Iwate liegt, begannen Helfer derweil mit der Errichtung von 200 Baracken. Während Retter fieberhaft versuchen, den Überlebenden zu helfen, kommt die Erde in Japan nicht zur Ruhe. Dem Erdbeben mit der Stärke 9,0 vom vergangenen Freitag sind so viele Nachbeben gefolgt wie nie zuvor.

262 Mal habe die Erde in der Woche danach mit der Stärke 5 oder mehr gebebt, teilte das Meteorologische Institut in Japan am Freitag nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Kyodo mit. Die Häufigkeit der Nachbeben dieser Stärke sei die größte, die jemals aufgezeichnet worden sei. Der Chef des Erdbebenvorhersagezentrums des Instituts, Takashi Yokota, warnte: “Wir müssen wachsam bleiben, denn ein Erdbeben in einem Meeresgebiet kann noch 10 bis 20 Tage später starke Nachbeben auslösen.“

dpa

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