Urteil: Jahrhundertdieb kann jubeln

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Er sitzt im Knast, der Großteil seiner Beute ist futsch, doch er bleibt für manche sogar ein Held: Tony Musulin.

Lyon - Der französische Jahrhundertdieb Toni Musulin ist zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Für ihn ein Grund zum Feiern, denn möglicherweise ist er danach sogar ein reicher Mann.

Der französische “Jahrhundertdieb“ Toni Musulin kann jubeln: Nach seinem spektakulären Geldtransporter-Coup im vergangenen November wird er voraussichtlich bereits 2012 wieder auf freiem Fuß sein - obwohl 2,5 Millionen Euro seiner Beute bis heute verschwunden sind. Ein Strafgericht in Lyon verurteilte den ehemaligen Mitarbeiter eines Sicherheitsunternehmens zu der relativ milden Strafe von drei Jahren Haft. Die Richter blieben deutlich unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Diese hatte fünf Jahre Gefängnis gefordert.

Für viele Franzosen ist Toni Musulin so etwas wie ein Held. Als der 39-Jährige im vergangenen November seine beiden Kollegen mit einem Trick aus einem gepanzerten Geldtransporter lockte und sich mit 11,6 Millionen Euro aus dem Staub machte, erntete er eher Bewunderung als Verachtung. “Endlich mal ist es nicht der Staat, der die Franzosen bestiehlt, sondern umgekehrt“ oder “Im Vergleich zu den Chefs, die eine Firma gegen die Wand fahren und mit einem goldenen Handschlag gehen, schockiert mich das nicht“, lauteten Stimmen aus der Bevölkerung. Im Internet kreierten Fans eigens eine Webseite für ihren Helden und feierten ihn als “Fahrer des Jahres“. “Ich bewundere ihn. Er hat niemandem etwas getan“, sagte ein Frau.

Fans und auch die Staatsanwaltschaft denken, dass Musulin die noch verschwundenen Millionen versteckt hat, bevor er sich elf Tage nach der Tat im Banken- und Millionärsparadies Monaco stellte. Bereits zwei Tage nach dem Diebstahl des Geldtransporters hatte die Polizei 9,1 Millionen Euro der Beute in einem geparkten Mietwagen entdeckt. 2,5 Millionen Euro sind allerdings nach wie vor unauffindbar. Vor Gericht bestritt Musulin, etwas über den Verbleib des Geldes zu wissen. Es müsse sich jemand bedient haben, bevor die Ermittler den Wagen fanden, meint der Täter.

Der Dieb selbst kann mit seinem Ruf nicht viel anfangen. “Es wird gesagt, ich sei ein Robin Hood, aber ich bin ein ganz normaler Typ“, sagte Musulin vor Gericht. Er habe sich von seinem Chef bei der Geldtransportgesellschaft ungerecht behandelt gefühlt und nie Urlaub bekommen. Deswegen habe er sozusagen die Seite gewechselt.

Die Anklage äußerte an dieser Version allerdings ihre Zweifel. Im Urteil enthalten ist außerdem eine Strafe für versuchten Versicherungsbetrug. Musulin hatte im vergangenen Jahr einen Ferrari als gestohlen gemeldet. Es gab jedoch Hinweise darauf, dass er ihn stattdessen ins Ausland brachte. Die Staatsanwaltschaft hat noch am Mittwoch Berufung angekündigt. Im Gegensatz zu Musulins Anwalt hält sie die Entscheidung des Gerichts nicht für “angemessen und gerecht“, sondern für zu niedrig.

dpa

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