Neun Kandidaten in entscheidender Phase

Wann kommt ein Corona-Impfstoff? Paul-Ehrlich-Institut gibt Einschätzung ab, die Hoffnung macht

Auf der ganzen Welt liefern sich Forscher ein Wettrennen um einen Impfstoff gegen das Coronavirus. Den Gesundheitsminister beschäftigt die Frage, wer als erstes geimpft werden soll.

  • Auf der ganzen Welt wird mit Hochdruck an einem Impfstoff gegen das Coronavirus* geforscht.
  • Neun Kandidaten von internationalen Unternehmen und Forschungsinstituten befinden sich derzeit in der entscheidenden Testphase.
  • Auch die Frage der Verteilung der Impfstoffdosen gegen Covid-19* beschäftigt Gesundheitsminister Jens Spahn (Update vom 19. September, 08.17 Uhr).

Update vom 22. September 2020, 7.31 Uhr: Fieberhaft suchen Forschende auf der Welt nach einem wirksamen Impfstoff gegen das Coronavirus Sars-CoV-2. Neun Impfstoff-Kandidaten scheinen vielversprechend zu sein. Um die gerechte Verteilung eines Impfstoffs hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die sogenannte Covax-Initative gegründet. 64 Länder unterstützen Covax finanziell und sichern sich damit auch den Zugang zu den Impfstoffkandidaten, so die WHO. Deutschland*, Großbritannien Frankreich und viele andere europäische Länder sind darunter. Mit einer Zusage von weiteren 38 wohlhabenden Ländern wird in den nächsten Tagen gerechnet. Die USA und China seien aber nicht dabei, wobei es aber Gespräche gebe. 92 Länder mit niedrigen und mittleren Einkommen soll die Covax-Initative beim Einkauf von Impfdosen helfen. Die WHO hat das Ziel, bis Ende 2021 zwei Milliarden Dosen eines Impfstoffs bereitzustellen. Voraussetzung ist, dass ein effizienter Impfstoff schnellstens gefunden und behördlich genehmigt wird. Sie geht davon aus, dass zwei Impfdosen pro Person nötig sind.

Hoffnung auf Corona-Impfstoff

Update vom 19. September 2020, 11.25 Uhr: Frühestens Ende des Jahres soll es so weit sein: Ein Impfstoff könnte eingesetzt, das Coronavirus endlich gestoppt werden. Auch das Paul-Ehrlich-Institut rechnet für Ende 2020 oder Anfang 2021 fest mit einer Zulassung. Regelmäßig vertritt das deutsche Bundesinstitut für Impfstoffe diese Einschätzung. Derzeit befänden sich neun Impfstoff-Kandidaten in der abschließenden klinischen Phase III, bestätigte Instituts-Chef Klaus Cichutek den Sendern RTL und ntv

Corona-Impfstoff bis Ende 2020? RKI muss entscheiden, wer den Impfstoff zuerst bekommt

Trotzdem ist der Weg noch weit. Denn ist ein Impfstoff gegen das Coronavirus zugelassen, muss das Robert-Koch-Institut* (RKI) die große Entscheidung treffen: Wer bekommt den Impfstoff zuerst? Auch Cichutek befürchtet: „Ich nehme an, dass noch einige Monate im nächsten Jahr ins Land gehen, bis wir von flächendeckender Verfügbarkeit reden. Weltweit kann das den größten Teil des nächsten Jahres, wenn nicht das gesamte nächste Jahr in Anspruch nehmen“. Auch Sorgfalt spielt dabei selbstredend eine wichtige Rolle. Den Impfstoff vorschnell auf den Markt zu bringen könnte fatal enden. „Da werden keine Abstriche gemacht.“ Auch deshalb ist eine Zulassung mit Auflagen wahrscheinlich um auch während einer Einführung der Impfung noch Daten zu erheben.

International sieht da die Prognose schlechter aus: Wie oxfam berichtet, hat eine kleine Gruppe von Ländern (13 Prozent) bereits jetzt über die Hälfte der zu erwartenden Impfstoffe aufgekauft. Damit stehen für viele ärmere Länder* die Chancen einen Impfstoff gegen das Coronavirus noch 2021 zu bekommen schlecht.

Impfen gegen das Coronavirus: Bundesinstitut sieht wenig Gegenwind aus der Bevölkerung

Von der Bevölkerung erwartet das Paul-Ehrlich-Institut unterdessen wenig Gegenwind. Die meisten sehen einer Coronavirus-Impfung mehr als positiv entgegen. „Wir sehen das im Paul-Ehrlich-Institut daran, dass wir bereits beim Beginn erster klinischer Prüfungen sehr viele Anfragen hatten über Freiwillige, die gerne hätten teilnehmen wollen an den ersten klinischen Prüfungen“, bestätigt der Präsident.

Update vom 19. September 2020, 08.17 Uhr: Sobald ein Corona-Impfstoff zugelassen ist, wird sich die Frage stellen, welche Menschen zuerst geimpft werden. Denn eine sofortige flächendeckende Impfung der gesamten deutschen Bevölkerung wird nicht umgehend möglich sein. Daher will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Verteilung Medienberichten zufolge bis Ende Oktober regeln.

Corona-Impfstoff: Wer bekommt die ersten Dosen?

Ärzte, Ethikexperten und Sozialwissenschaftler sollen dazu Grundsätze erarbeiten, wie die Zeitungen der Funke Mediengruppe unter Berufung auf Regierungskreise berichtete. Diese Beratung sei notwendig, da die Verteilung nicht nur eine medizinische, sondern auch eine ethische und sozialpolitische Dimension habe.

Jens Spahn (CDU), Bundesgesundheitsminister, äußert sich bei einer Pressekonferenz nach der Videokonferenz der EU-Gesundheitsminister.

Spahn hatte sich mehrfach dafür ausgesprochen, grundsätzlich zuerst Menschen mit Vorerkrankungen, ältere Menschen und Beschäftigte im Gesundheitswesen und in der Pflege zum Zuge kommen zu lassen. Der Bund hat angekündigt, die Entwicklung eines Corona-Impfstoffs durch deutsche Unternehmen mit 750 Millionen Euro zu fördern. Weltweit befinden sich derzeit neun Impfstoffkandidaten gegen das neuartige Coronavirus in der dritten und letzten Testphase. In dieser Phase wird das Mittel an tausenden Menschen erprobt.

In Frankreich, Spanien und Italien spitzt sich die Corona-Lage wieder zu. Die Neuinfektionszahlen sind besonders hoch.

Update vom 18. September 2020, 14.03 Uhr: Die EU-Kommission hat einen Vertrag zum Kauf von 300 Millionen Einheiten eines künftigen Corona-Impfstoffs abgeschlossen. Es ist bereits der zweite Vertrag, den die EU abgeschlossen hat. Diesmal sollen die Hersteller Sanofi und GSK den Impfstoff liefern. Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides erklärte dazu am Freitag, angesichts steigender Corona-Infektionszahlen sei ein wirksamer Impfstoff wichtiger denn je. Mit dem neuen Vertrag wüchsen die Chancen, dass Menschen in der EU und weltweit nach und nach ihr Alltagsleben wieder aufnehmen könnten.

Die EU hatte bereits einen Vertrag mit dem Hersteller AstraZeneca geschlossen. Weitere könnten folgen. Keiner der Impfstoffe ist allerdings bisher zugelassen. Die Abnahmeverträge mit Vorkasse sollen die Entwicklung und Massenproduktion der Impfstoffe beschleunigen.

Der Impfstoff von Sanofi (Frankreich) und GSK (Großbritannien) befindet sich seit September in der Testung, die entscheidende Phase-3-Studie soll bis Ende 2020 folgen. Wenn alles glattläuft, wollen die Hersteller den Impfstoff im zweiten Halbjahr 2021 verfügbar haben, heißt es.

Die EU könnte von den 300 Millionen Einheiten auch Teile an ärmere Länder spenden. Sanofi und GSK seien zudem „bestrebt“, einen erheblichen Anteil ihres Impfstoffs an die internationale Initiative Covax zu liefern. Diese soll sicherstellen, dass Menschen weltweit Zugang zu einem künftigen Impfstoff bekommen.

Corona-Impfstoff: USA, China, Russland und Deutschland in wildem Wettrennen - der Überblick

Erstmeldung vom 16. September 2020:

Berlin - Sowohl in puncto Eindämmung des grassierenden Coronavirus*, als auch bezüglich der Entwicklung eines Impfstoffs gegen Covid-19 steht Deutschland im internationalen Vergleich gut. Trotz aktuell steigender Fallzahlen, macht der derzeit sinkende R-Wert Hoffnung*. Dennoch: Eine zweite Welle könnte auch hier drohen*.

Das RKI rechnet damit, dass es in Deutschland mehrere unterschiedliche Impfstoffe geben* wird. Doch nicht nur in der Bundesrepublik wird aktuell mit Hochdruck an einem Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus gearbeitet*. Die Konkurrenz aus den internationalen Laboren schläft nicht.

Weltweit wird laut WHO in 176 Projekten nach einem Serum gegen Covid-19 gesucht. Aktuell befinden davon neun potentielle Impfstoffe in der dritten und entscheidenden Testphase, bei der das Mittel an mehreren zehntausend Freiwilligen geprobt wird. In einigen Ländern werden Teile der Bevölkerung nach Angaben derer Regierungen bereits sogar geimpft.

Impfstoff gegen Coronavirus - diese Kandidaten befinden sich in der dritten Testphase:

Unternehmen/ForschungsinstitutLand
University of Oxford/AstraZenecaGroßbritannien/Schweden
CanSino Biological Inc./Beijing Institute of BiotechnologyChina
Gamaleya Research InstituteRussland
Janssen Pharmaceutical CompaniesBelgien
SinovacChina
Wuhan Institute of Biological Products/SinopharmChina
Beijing Institute of Biological Products/SinopharmChina
Moderna/NIAIDUSA
BioNTech/PfizerUSA/Deutschland

USA: positive Entwicklungen - Impfstoff gegen Coronavirus in „drei oder vier Wochen“

„Wir stehen kurz vor einem Impfstoff“, erklärte Donald Trump am Dienstagabend im US-amerikanischen TV-Sender ABC News. Genauer sprach der US-Präsident von „drei oder vier Wochen“, in denen man einen Impfstoff gegen das Coronavirus haben könne. Gesundheitsexperten und Politiker in den USA kritisieren, dass aufgrund der Wahlen am 3. November dieses Jahres, Druck von Seiten der Politik auf die US-Arzneimittelaufsicht FDA erzeugt werden würde.

„Eine Impfung muss sicher, wirksam und vertrauenswürdig sein“, schrieb Caitlin Rivers bereits im Vorfeld auf Twitter. Die Epidemiologin der Universität Johns Hopkins in Baltimore erklärte, dass alle drei Kriterien bei dem Impfstoff für das Coronavirus erfüllt sein müssen: „Es wäre eine Tragödie, wenn Politiker aus politischen Gründen die eine Sache in Gefahr bringen würden, die uns erlauben könnte, zu unserem normalen Leben zurückzukehren“.

Der US-amerikanische Pharmakonzern Pfizer, der gemeinsam mit dem Mainzer Unternehmen Biontech an einem Serum gegen das Coronavirus arbeitet, konnte derweil erste Erfolge in der dritten Testphase feiern. Wie die ARD berichtet, sagte die FDA nun zu, dass die Teilnehmerzahl der Tests von 30.000 auf 44.000 Probanden erhöht werden könnten. Bei positiven Ergebnisse könnten Pfizer und Biontech bereits im Oktober die Zulassung des Impfstoffs gegen das Coronavirus beantragen.

Russland: erster zugelassener Impfstoff gegen Coronavirus - Zweifel am Wahrheitsgehalt der Studien

Weltweit wird nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus geforscht.

Russland war weltweit das erste Land, dass einen Impfstoff gegen das Coronavirus quasi im Eilverfahren zugelassen hatte und Teile der Bevölkerung bereits impft - trotz internationaler Bedenken. Die dritte Studienphase zur Wirksamkeit und Verträglichkeit von Sputnik-V wurde im Vorfeld der Genehmigung nämlich nicht durchgeführt. Das sorgte für viel Kritik - Experten warnten gar vor dem russischen Impfstoff gegen Covid-19.

Als Beleg für die Wirksamkeit von Sputnik-V hatten die russischen Wissenschaftler Anfang September im Fachblatt Lancet Daten zum Impfstoff gegen das Coronavirus veröffentlicht. Nun zweifeln einige internationale Forscher jedoch die Echtheit dieser Werte an und verdächtigen Russland der Manipulation. Bei genauerer Betrachtung der Ergebnisse waren den Experten mehrere Ungereimtheiten aufgefallen, wie der Frankfurter Rundschau berichtet*.

China: Erste Impfungen gegen das Coronavirus - in wenigen Monaten für die Öffentlichkeit zugänglich

China ist mit vielen Kandidaten im internationalen Rennen um einen Impfstoff gegen das Coronavirus vertreten, wovon einige bereits die dritte Studien-Testphase absolvieren. In diesem Zusammenhang gab es aufgrund mutmaßlich ungeheuerlicher Methoden bereits internationale Kritik. Nach Angaben der Regierung werden Soldaten sogar bereits mit einem potentiellen Serum aus dem Institut der Volksbefreiungsarmee gegen Covid-19 geimpft.

Die Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus verlaufe „sehr reibungslos“, wie eine Epidemiologin des Zentrums für Krankheitsbekämpfung und -prävention dem chinesischen TV-Sender CCTV am Montagabend mitteilte. Ihrer Einschätzung nach könnte das Serum bereits „etwa im November oder Dezember“ für die Öffentlichkeit zugänglich werden. Um welche der vielen chinesischen Impfstoff-Kandidaten es sich dabei handelt, gab die Epidemiologin jedoch nicht bekannt.

Großbritannien/Schweden: Dritte Testphase von Impfstoff gegen Coronavirus läuft weiter

Ebenfalls um einen Hoffnungsträger bei der Suche nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus handelt es sich bei AstraZeneca. Der schwedisch-britische Pharma-Konzern musste zuletzt jedoch einen herben Rückschlag einstecken. Vergangene Woche mussten die Tests der dritten Studienphase gestoppt werden - eine Probandin soll sich eine seltene neurologische Erkrankung zugezogen haben.

Bei Test-Stopp handelte es sich jedoch mutmaßlich um eine Routine-Maßnahme. Nach wenigen Tagen bestätigten die Behörden, dass die Erkrankung nicht auf den potentiellen Impfstoff gegen das Coronavirus zurückzuführen war. Die Studie von AstraZeneca wird daher nun fortgesetzt. (als) *Frankfurter Rundschau und Merkur.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Ted S. Warren/dpa

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