Ende der Diskriminierung

Historischer Schritt: Israel erlaubt Leihmutterschaft für Homosexuelle

Homosexuelle Paare werden in vielen Ländern stark diskriminiert. In Sachen Kinderwunsch haben sie kaum Rechte. Israel macht nun einen historischen Vorstoß.

Jerusalem, Israel – Homosexuelle Paare und alleinstehende Männer hatten es in Israel bislang schwer, wenn sie einen Kinderwunsch haben. Denn sie brauchten die offizielle Erlaubnis, wenn sie eine Leihmutter beauftragen wollten.

LandIsrael
HauptstadtJerusalem
Gründung14. Mai 1948
Bevölkerung 9,053 Millionen (2019)

Doch das verletze ihre Menschenrechte, urteilte nun das oberste Gericht des Landes. Gleichgeschlechtliche Paare und alleinstehende Männer dürfen nun ohne Hindernisse Leihmutterschaften in Anspruch nehmen, der bisherige Ausschluss muss in den nächsten sechs Monaten aufgehoben werden. In Sachen Blutspende gibt es auch endlich Erleichterungen für Nicht-Hetero-Männer

Leihmutterschaften zehn Jahre lang Thema eines Rechtsstreits

Das Thema Leihmutterschaften für homosexuelle Paare und alleinstehende Männer in Israel war zehn Jahre lang Thema eines Rechtsstreits, der mit der historischen Entscheidung beendet ist. „Wir können uns nicht mit der fortgesetzten schweren Verletzung der Menschenrechte durch die bestehende Regelung der Leihmutterschaft abfinden“, schreibt Richterin Esther Hayut in ihrer Urteilsbegründung.

Künftig dürfen gleichgeschlechtliche Paare in Israel mithilfe von Leihmüttern Kinder bekommen. (symbolbild)

Konservative, ultra-orthodoxe Abgeordnete verhinderten Ende der Diskriminierung

Bereits vor einem Jahr hatte das oberste Gericht in Israel entschieden, dass das Parlament die Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Paare und alleinstehender Männer bei der Leihmutterschaft beenden müsse. Doch konservative, ultra-orthodoxe Abgeordnete stellten sich quer und verhinderten das Ende der Diskriminierung. In Argentinien hat ein schwuler Single-Mann unerbittlich dafür gekämpft, endlich Papa zu werden.

Seit 1996 ist die Leihmutterschaft, also die Austragung eines Kindes für andere Menschen, in Israel legal. Doch anfangs es nur für heterosexuelle Paare und später für alleinstehende Frauen erlaubt, diese Option für die Erfüllung ihres Kinderwunschs zu beanspruchen.

Homosexuelle Paare suchten Leihmütter in anderen Ländern

Alleinstehende Männer oder homosexuelle Paare mit Kinderwunsch mussten sich somit Leihmütter in anderen Ländern wie Indien, Nepal, Thailand oder den USA suchen. Einen eher befremdlichen Weg wählte eine Influencerin: Sie ließ ihr Kind von ihrer eigenen Mutter austragen.

Die Reaktionen zum neuen Urteil in Israel sind gespalten. Der nationalreligiöse Parlamentsabgeordnete Bezalel Smotritsch kritisiert es scharf. Gesundheitsminister Nitzan Horowitz von der linken Partei Meretz, der selbst offen schwul lebt, begrüßt das Urteil hingegen und versicherte, dass sein Ministerium die Entscheidung umsetzen werde. Auch der Bundesgerichtshof hat schon zum Thema Leihmutterschaft geurteilt.

Israel gehört zu den tolerantesten Ländern im Nahen Osten.

Bei der kürzlich gebildeten Acht-Parteien-Regierungskoalition* könnte das Thema für Diskussionen sorgen,, da die Koalition ein sehr weites politisches Spektrum umfasst. Dennoch gehört Israel bei den Rechten von Homosexuellen zu den tolerantesten Ländern im Nahen Osten. Mehrere Parlamentsabgeordnete leben offen homosexuell. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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