Teils extreme Wärmebelastung

Heiß und gewittrig: Deutschland schwitzt weiter

Sonnenanbeter liegen in Pulheim auf einer vertrockneten Wiese in der Sonne. Foto: Oliver Berg/dpa
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Sonnenanbeter liegen in Pulheim auf einer vertrockneten Wiese in der Sonne. Foto: Oliver Berg/dpa
Ein Junge springt im Münchner Michaelibad vom Sprungturm ins Wasser. Foto: Sven Hoppe/dpa
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Ein Junge springt im Münchner Michaelibad vom Sprungturm ins Wasser. Foto: Sven Hoppe/dpa
Keine Strandkörbe mehr an der Küste in Travemünde. Foto: Christian Charisius/dpa
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Keine Strandkörbe mehr an der Küste in Travemünde. Foto: Christian Charisius/dpa
Zahlreiche Menschen genießen das schöne Wetter auf der Hackerbrücke in München. Foto: Sven Hoppe/dpa
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Zahlreiche Menschen genießen das schöne Wetter auf der Hackerbrücke in München. Foto: Sven Hoppe/dpa
Ein Mann fährt auf dem Fahrrad im Berliner Tiergarten bei Hitze und Sonnenschein durch den Regen einer Bewässerungsanlage. Foto: Kay Nietfeld/dpa
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Ein Mann fährt auf dem Fahrrad im Berliner Tiergarten bei Hitze und Sonnenschein durch den Regen einer Bewässerungsanlage. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Hochsommer in Deutschland: Wer große Hitze mag, dürfte dieser Tage zufrieden sein. Zu den Nachteilen gehören Trinkwassermangel und Waldbrandgefahr, zumindest in einigen Regionen. Außerdem brauen sich mancherorts Gewitter zusammen.

Berlin (dpa) - Es bleibt heiß in Deutschland, zugleich herrscht in vielen Regionen auch in den nächsten Tagen die Gefahr teils kräftiger Gewitter.

Vor allem im Westen und Südwesten Deutschlands sowie an den Alpen bestehe an diesem Mittwoch lokal Unwettergefahr, teilte der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Dienstag in Offenbach mit. Tagsüber kann es der Vorhersage zufolge bis zu 36 Grad warm werden. Im Norden und Osten soll es sonnig und trocken bleiben.

Nachdem im niedersächsischen Lauenau am Wochenende bereits der Trinkwasserspeicher leergelaufen war und Tankfahrzeuge zum Einsatz kamen, wurden die Menschen inzwischen auch andernorts zum Wassersparen aufgerufen. So sprachen erste Kommunen in Hessen von Notständen bei der Wasserversorgung. Versorger und Verbände mahnten zum umsichtigen Gebrauch. Zum hohen Wasserverbrauch in diesem Sommer trägt die Corona-Pandemie bei, die dazu führt, dass viele Leute im Urlaub nicht wegfahren.

Die Trockenheit bringt außerdem eine hohe Waldbrandgefahr mit sich. Der entsprechende Gefahrenindex steht insbesondere im Nordosten Deutschlands vielerorts auf der höchsten Stufe fünf. In Mecklenburg-Vorpommern galt diese Warnstufe am Dienstag für drei von neun Forstämter. Auch im benachbarten Brandenburg galt in weiten Landesteilen die höchste Waldbrandgefahrenstufe. Der Leiter des Landesbetriebs Wald und Holz in Nordrhein-Westfalen, Andreas Wiebe, mahnte: "Kein Rauchen und keine offenen Feuer im Wald. Bitte halten Sie zudem Waldzufahrten unbedingt für Rettungsfahrzeuge frei."

Die Trockenheit macht auch Parks zu schaffen. "Das Totholz in den Baumkronen hat extrem zugenommen. Das ist teilweise erschreckend", sagte Jost Albert von der Bayerischen Schlösserverwaltung im Interview der "Nürnberger Nachrichten". Die Hitze begünstige zudem das Ausbreiten von Krankheiten, Schädlingen und Pilzen. "Eigentlich gibt es keinen Baum mehr, der nicht mit einem Problem zu kämpfen hat", sagte Albert.

In Mecklenburg-Vorpommern befördert das hochsommerliche Wetter das Wachstum von Blaualgen an der Ostseeküste und in Binnenseen. Blaualgen - richtiger: Cyanobakterien - können Giftstoffe bilden, die Haut- und Schleimhautreizungen und bei Verschlucken großer Mengen Wasser Erbrechen und Durchfall hervorrufen können. Aus Schleswig-Holstein hieß es hingegen, an der dortigen Ostsee und der Nordsee seien aktuell keine Beeinträchtigungen durch Algen gemeldet.

Dort, wo die großen Ferien bereits vorbei sind, dürften viele Schüler unter der Hitzewelle leiden - vor allem, wenn sie wegen Corona auch noch Masken tragen müssen. Die Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marlis Tepe, sprach sich für mehr Erholungspausen aus. "Es müssen Möglichkeiten geschaffen werden, damit sich Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler regelmäßig Abkühlung verschaffen können", sagte sie der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post". Zudem müsse eine Getränkeversorgung sichergestellt werden. "Das gilt insbesondere für Bundesländer wie NRW, in denen im Unterricht Maskenpflicht herrscht."

Derzeit bestimmen Hoch "Emil" über Skandinavien und Tief "Heike" über Nordostfrankreich und den Benelux-Staaten das Wetter in Deutschland. Dabei sorgt "Emil" dafür, dass die Sonne von der Nordsee bis zur Oder nahezu ungehindert strahlen kann, wie DWD-Meteorologe Lars Kirchhübel erklärte. Ein weiterer positiver Effekt im Nordosten sei die Zufuhr trockener Luft, die dazu führe, dass es nachts allmählich stärker abkühle.

Durch Tief "Heike" sehe es im restlichen Bundesgebiet anders aus: Hier könne weiterhin heiße und feuchte Luft ins Land gepumpt werden. Schwerpunkt der Gewitter an diesem Mittwoch sind die Regionen von Nordrhein-Westfalen bis zu den Alpen.

"Am Donnerstag und Freitag wird es dann interessant", erläutere Kirchhübel. "Tief "Heike" mit ihrer Tiefdruckzone könne nun ostwärts vorankommen und das Bundesgebiet für sich einnehmen. Einhergehend steigt von Südwesten her das Gewitterrisiko an. Nahezu in der gesamten Südwesthälfte des Landes kann es in der feuchtheißen Luft ordentlich krachen. Nur der Norden und Osten bleiben vorerst außen vor."

Bereits am Montag und Dienstag zogen mancherorts Gewitter durch. So wurde in Sachsen am Dienstag die Autobahn 4 Chemnitz-Dresden in Höhe der Raststätte Auerswalder Blick überschwemmt. Der Bahnverkehr war seit Montagnachmittag wegen eines Blitzeinschlags und umgestürzter Bäume auf der wichtigen Strecke zwischen Hamburg und Berlin erheblich gestört. Am Dienstagmorgen lief dann wieder alles rund, wie es bei der Bahn hieß.

Die beiden heißesten Orte Deutschlands lagen am Montag in Baden-Württemberg. Der DWD registrierte in Bad Mergentheim-Neunkirchen mit 36,6 Grad die bundesweit höchste Temperatur des Tages. Auf Platz zwei lag mit 36,4 Grad Waghäusel-Kirrlach. Platz drei der heißesten Orte ging nach Rheinland-Pfalz: In Trier-Zewen wurde am Montag eine Tageshöchsttemperatur von 36,3 Grad gemessen.

In Trier war tags zuvor sogar die bundesweit höchste Temperatur des bisherigen Jahres gemessen worden. An der DWD-Station Trier-Petrisberg kletterte das Thermometer am Sonntag auf ein Maximum von 38,6 Grad. Der deutsche Temperaturrekord liegt dem DWD zufolge bei 42,6 Grad - gemessen am 25. Juli 2019 in Lingen an der Ems. Allerdings überprüft der DWD derzeit diesen Wert, nachdem es Kritik an der Messung in Lingen gab.

© dpa-infocom, dpa:200811-99-124655/4

Website DWD

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